{"id":6087,"date":"2021-11-28T23:15:18","date_gmt":"2021-11-28T23:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/visionblue.info\/?page_id=6087"},"modified":"2025-04-03T15:05:16","modified_gmt":"2025-04-03T15:05:16","slug":"veruslux","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/visionblue.info\/?page_id=6087","title":{"rendered":"VerusLux"},"content":{"rendered":"<div id=\"content\" class=\"site-content container clearfix\">\n<section id=\"primary\" class=\"fullwidth-content-area content-area\"><main id=\"main\" class=\"site-main\" role=\"main\"><\/p>\n<article id=\"post-5241\" class=\"post-5241 page type-page status-publish hentry\">\n<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7258\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/f0caf37d-17d0-4730-8994-e7ed8127c9fd.png?resize=810%2C1215&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"810\" height=\"1215\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/f0caf37d-17d0-4730-8994-e7ed8127c9fd.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/f0caf37d-17d0-4730-8994-e7ed8127c9fd.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/f0caf37d-17d0-4730-8994-e7ed8127c9fd.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/f0caf37d-17d0-4730-8994-e7ed8127c9fd.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Anmerkung des Autors:<\/strong><br \/>\nDie nachfolgende Geschichte ist Teil eines noch nicht vollendeten Romans. Einige Darstellungen sind reine Fiktion; einige andere jedoch entspringen realen Erlebnissen und Erfahrungen. Was Wahrheit oder was Fiktion ist, mag jeder selbst herausfinden. Manchmal hilft hier auch das Internet weiter. Die Geschichte gibt in wesentlichen Teilen meine \u00dcberzeugungen in Bezug auf \u201cGott und die Welt\u201d\u00a0 wieder.\u00a0 Diese \u00dcberzeugungen unterfallen der Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Freiheit des religi\u00f6sen und weltanschaulichen Bekenntnisses (Art. 4 Abs. 1 des deutschen Grundgesetzes). Alle Namen, Personen und Orte der Handlung sind frei erfunden. Namen lebender oder verstorbener Personen der Zeitgeschichte und Figuren aus Filmen oder der Literatur, welche in der Handlung Erw\u00e4hnung finden, sind hingegen bewusst aufgenommen. Etwaige \u00c4hnlichkeiten oder \u00dcbereinstimmungen von Namen und Beschreibungen der Protagonisten mit denen lebender oder toter Personen w\u00e4ren rein zuf\u00e4llig.<br \/>\nHinsichtlich der Begriffe Verus und Lux, mag man einstweilen zu einem Latein-Deutsch W\u00f6rterbuch greifen. Ein gut brauchbares <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201205082420\/https:\/\/de.pons.com\/%C3%BCbersetzung?q=verus&amp;l=dela&amp;in=la&amp;lf=la\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Online-W\u00f6rterbuch findet sich hier<\/a><strong>.<\/strong><br \/>\n<strong>\u00a9 <\/strong>2018 &#8211; 2025 by Jens Vogler \u2013 jens.vogler at gmx.de<br \/>\nUnautorisierte Ver\u00f6ffentlichungen, Vervielf\u00e4ltigungen und Verwertungen der Inhalte dieses Buches, auch auszugsweise, sind verboten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>VerusLux<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Begegnung<\/strong><br \/>\nJulia lie\u00df sich in einen der bequemen, dunkelblauen Ledersessel in der Hotellobby fallen und stie\u00df erleichtert die Luft aus. Beim Blick auf ihr Handy stellte sie fest, dass es sieben vor zehn war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gerade noch geschafft!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun war sie im Parkhotel in <em>Marberg<\/em>. Laut <em>GoogleMaps<\/em> lag das Hotel direkt am Ufer des Flusses <em>Albers<\/em>. Dort stand es inmitten jahrhundertealter, \u00fcppiger B\u00e4ume. Es war wegen seiner naturnahen Lage und seines sch\u00f6n restaurierten Jugendstils bei Gesch\u00e4ftsleuten und Erholungssuchenden sehr beliebt. Die Beschreibung im Internet schien eine Untertreibung zu sein. Es war ein wundersch\u00f6nes Hotel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei ihrer Anreise hatte<span style=\"font-size: 1.125rem;\"> es wieder mal genau den Stress gegeben, den sie \u00fcberhaupt nicht mochte. Auf der Stadtautobahn hatte sich der Verkehr an einer Baustelle kurz vor der Abfahrt zur Zubringerstra\u00dfe gestaut. Sie hasste es, sich zu versp\u00e4ten. Die eigene P\u00fcnktlichkeit war so wichtig, damit ihre Interviewtermine auch wirklich zustande kamen. Unter ihren zahlreichen Interviewpartnern waren viele hochrangige, ber\u00fchmte und manchmal auch v\u00f6llig versnobte Zeitgenossen. Die durfte man auf keinen Fall warten lassen, denn das nahmen sie einem \u00fcbel. Bei reinen Informanten war es ebenso wichtig, unbedingt rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt zu sein. \u00dcblicherweise wollten diese Leute aus Angst vor einer Entdeckung meist keine Minute l\u00e4nger warten. Die mit einiger M\u00fche anberaumten Treffen waren zu kostbar, als dass sie durch eine leichtfertige Versp\u00e4tung platzen durften.<\/span><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7249\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/4437ea6c-3a81-439c-b99b-0cfa695ca89d.png?resize=810%2C810&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"810\" height=\"810\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/4437ea6c-3a81-439c-b99b-0cfa695ca89d.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/4437ea6c-3a81-439c-b99b-0cfa695ca89d.png?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/4437ea6c-3a81-439c-b99b-0cfa695ca89d.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/4437ea6c-3a81-439c-b99b-0cfa695ca89d.png?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unbewusst zupfte sie ihr nachtblaues Kleid an der Taille zurecht. Sie holte ihren Schminkspiegel aus der Handtasche und begutachtete den Kajalstrich um ihre gro\u00dfen blauen Augen. Danach betrachtete sie den mit dezentrotem Lippenstift hervorgehobenen Mund. Ihr Blick schweifte zu ihrer kleinen spitzen Nase, die ihr \u2013 wie immer \u2013 nicht perfekt e<span style=\"font-size: 1.125rem;\">rschien. Wegen ihres Riechorgans wurde sie von ihren Freundinnen immer wieder mit Nicole Kidman verglichen. Diesen Vergleich mochte sie nicht. Zwar gab es gewisse \u00c4hnlichkeiten mit der Hollywoodschauspielerin; jedoch hatte sie im Gegensatz zu ihr einen dunklen Teint und war br\u00fcnett. Nun begutachtete sie den Sitz ihrer Frisur. Heute trug sie ihre kinnlangen Haare offen. Sie hatte sie extra f\u00fcr diese Begegnung mit einem Lockenstab in Form gebracht. Erleichtert stellte sie fest, dass noch alles so sa\u00df, wie es sitzen sollte. Sie war zufrieden \u2026 fast. Um die Augen waren erste F\u00e4ltchen zu sehen. Aber was sollte sie machen? Sie war vierzig! Gegen das \u00e4u\u00dferliche Altern konnte man doch nichts ausrichten, au\u00dfer man legte <\/span><span style=\"font-size: 1.125rem;\">sich unters Messer oder lie\u00df sich die Botoxspritze geben. Das aber kam f\u00fcr sie nicht in Frage. Gerade ihr authentisches \u00c4u\u00dferes kam bei ihren m\u00e4nnlichen Gegen\u00fcbern gut an. Das bemerkte sie bei jeder dieser Begegnungen sehr schnell und diesen Vorteil nutzte sie auch ziemlich unverfroren aus. Dann war es noch ihr feines Gesp\u00fcr f\u00fcr die richtigen Fragen, das die Leute plaudern lie\u00df und ihr damit den Erfolg guter Stories bescherte. Und genau diese Stories waren bereits vielfach Grundlage f\u00fcr Reportagen bei gro\u00dfen TV-Sendern oder von zahlreiche Artikeln in bedeutenden Printmedien geworden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mann, mit dem sie sich heute traf, war anders als alle Personen, die sie bisher interviewt hatte. Er war weder ein VIP noch einer dies<span style=\"font-size: 1.125rem;\">er Follower-s\u00fcchtigen Selbstdarsteller aus Facebook, Instagram oder Youtube. Sie war eher zuf\u00e4llig im Internet auf ihn gesto\u00dfen als sie Nachforschungen zum Thema Spontanheilungen angestellt hatte. In den sozialen Medien und im Mainstream war er merkw\u00fcrdigerweise noch nicht aufgetaucht. Sicher w\u00fcrde aber genau das bald passieren, <\/span><span style=\"font-size: 1.125rem;\">wenn sich die Lobges\u00e4nge der Besucher seiner Veranstaltungen im Forum seiner Homepage weiter so h\u00e4uften und die ersten Sensationsreporter Wind von seinen F\u00e4higkeiten bekamen. Die Schilderungen \u00fcber die Ereignisse bei seinen Seminaren die sie gelesen und die Videos, die sie gesehen hatte, waren so verbl\u00fcffend und ergreifend, dass man eigentlich sofort an einen Fake dachte. Jedoch waren die von ihr \u00fcberpr\u00fcften Berichte von geheilten Personen authentisch. Sie hatte die Namen betroffener Patienten recherchiert, Krankenberichte gelesen und \u00c4rzte interviewt, die sich die wundersamen Heilerfolge nicht erkl\u00e4ren konnten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch in diese Gedanken versunken, nahm sie eher beil\u00e4ufig wahr, dass jemand an ihren Platz herangetreten war. Sie drehte ihren Kopf und sah einen Mann, der sie aufmerksam betrachtete ohne sie jedoch anzusprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Verflixt er ist es!<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: 1.125rem;\">Da waren sie, diese blauen Augen, die sie bereits auf Fotos im Internet gesehen hatte. Sie tendierten ein wenig ins Graue und waren ungew\u00f6hnlich intensiv. Leicht ergraute, kurze dunkelblonde Haare umrahmten sein schmales Gesicht, das fast noch ein wenig jungenhaft wirkte. Er war schlank, mittelgro\u00df und sah nicht ann\u00e4hernd wie ein Mann \u00fcber f\u00fcnfzig aus. Wie auf den zahlreichen Fotos im Internet war er leger gekleidet, trug die typischen Bluejeans und ein kurz\u00e4rmliges wei\u00dfes Hemd. An den nackten F\u00fc\u00dfen trug er Pantoletten. Das war anders.<\/span><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7259\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/dbf36bc6-4099-4d6c-bfc4-f6643561534d.png?resize=810%2C1215&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"810\" height=\"1215\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/dbf36bc6-4099-4d6c-bfc4-f6643561534d.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/dbf36bc6-4099-4d6c-bfc4-f6643561534d.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/dbf36bc6-4099-4d6c-bfc4-f6643561534d.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/dbf36bc6-4099-4d6c-bfc4-f6643561534d.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<article id=\"post-5241\" class=\"post-5241 page type-page status-publish hentry\">\n<div class=\"entry-content clearfix\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich wurde ihr bewusst, dass sie noch ihren Schminkspiegel in der Hand hielt. Sie sp\u00fcrte, wie ihr die R\u00f6te ins Gesicht schoss. Schnell riss sie ihre Handtasche auf, warf den Spiegel hinein, stand auf und wandte sich ihm zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">L\u00e4chelnd streckte er ihr die Hand entgegen, wobei deren Haltung etwas skurril wirkte. Die Handinnenfl\u00e4che war flach nach oben gerichtet, als ob er etwas Kostbares auf ihr hielte. Die Geste erschien ihr wie eine Einladung. Dann sagte er: \u201eGuten Morgen Frau Sommer! Ich freue mich, Sie kennen zu lernen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Stimme war kr\u00e4ftig und er sprach ohne Akzent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ergriff die angebotene Hand und sp\u00fcrte unvermittelt ein starkes Kribbeln auf der Haut. \u00dcberrascht weiteten sich ihre Augen. Unversehens lie\u00df sie seine Hand wieder los. Sofort war das Kribbeln verschwunden. Um ihrer darauf beruhenden Irritation entgegenzuwirken, sagte sie schnell: \u201eDie Freude ist ganz auf meiner Seite, Herr Reichenbach!\u201c,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNennen Sie mich Stephan! Ich bin es nicht mehr gewohnt, so f\u00f6rmlich angesprochen zu werden!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOkay, aber nur, wenn sie Julia zu mir sagen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSehr gern!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Stimme war leiser, sein L\u00e4cheln breiter geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch wei\u00df, ich bin etwas zu fr\u00fch, aber ich wollte sie nicht l\u00e4nger warten lassen!\u201c, sagte er mit\u00a0 entschuldigendem Unterton.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch diese Bemerkung \u00fcberrascht, dachte sie: <em>Hast du mich etwa schon die ganze Zeit beobachtet?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum merklich zog er eine Augenbraue hoch und sagte: \u201eF\u00fcr das heimliche Beobachten von Menschen ist mir meine Zeit zu kostbar! Ich komme gerade von drau\u00dfen und habe ihr Auto auf dem Parkplatz stehen sehen. Es war der einzige Wagen aus K\u00f6nigsthal konnte also nur ihrer sein. Deshalb wusste ich, dass sie angekommen sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Okay, das ist `ne Erkl\u00e4rung!<\/em>, dachte Julia. Dann jedoch stutzte sie und runzelte die Stirn. Er hatte gerade eine Antwort auf eine Frage gegeben, die sie gar nicht gestellt hatte!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prompt platzte es aus ihr heraus: \u201eWie machen Sie das?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Verbl\u00fcffung war so offensichtlich, dass er zu lachen begann. \u201eVerzeihen Sie mir! Es war nicht meine Absicht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Entschuldigung klang ehrlich; sein Lachen strafte ihn L\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch glaube, Sie schwindeln mich gerade an. Ich habe n\u00e4mlich den Eindruck, dass sie das wohl kaum abschalten k\u00f6nnen!\u201c, sagte sie mit einem schiefen L\u00e4cheln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSehr gut erkannt! Ich sehe, wir verstehen uns!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Achselzuckend erwiderte sie: \u201eWas soll`s? Mit so etwas h\u00e4tte ich wohl rechnen m\u00fcssen. Aber gut \u2026 kommen wir zum eigentlichen Grund meines Besuchs. Wo k\u00f6nnen wir uns ungest\u00f6rt unterhalten?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan hielt kurz inne, schien zu \u00fcberlegen. Dann sagte er: \u201eWir k\u00f6nnen nachher gerne in meine Suite gehen. Vorher jedoch wollte ich mit Ihnen zusammen ein kleines Experiment wagen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Staunend fragte sie: \u201eWie bitte? Ein Experiment mit mir?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eKeine Angst. Wir gehen nur in den Park hinter dem Hotel. Damit Sie mich besser verstehen k\u00f6nnen, m\u00f6chte ich Ihnen die Gelegenheit geben, die Welt ein klein wenig mit meinen Augen zu sehen. Ich glaube, es wird Ihnen gefallen. Vertrauen Sie mir einfach Julia!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie warf ihm einen Blick zu, der ihm verriet, dass sich in ihrem Inneren Neugierde und Unschl\u00fcssigkeit gerade ein Duell lieferten. Dann jedoch nickte sie. \u201eNa da bin ich ja mal gespannt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie den Hotelpark erreichten, staunte Julia \u00fcber das ausgedehntes Refugium mit seinen weiten Wiesen, breiten Wegen und zahlreichen alten gro\u00dfen Eichen, Buchen, Kastanien, Eschen und vielen weiteren Baumarten. Die bereits kr\u00e4ftige Maisonne stand hoch am Himmel und bescherte den vereinzelt anzutreffenden Besuchern des Parks eine angenehm laue Temperatur. Da wo der Schatten der im vollen Saft stehenden Laubb\u00e4ume nicht hinfiel, konnte man leicht ins Schwitzen kommen. Ein leichter Windzug kaschierte die zur Mittagszeit wachsende Intensit\u00e4t der Sonnenstrahlung. Eine Sinfonie von Vogelstimmen erf\u00fcllte den Park, die von einem nahen Trommeln begleitet wurde, das von einem Specht herr\u00fchrte, der energisch und unaufh\u00f6rlich einen Baum traktierte. Einige Mauersegler jagten mit schrillen Schreien im Tiefflug an ihnen vorbei und vollf\u00fchrten dabei die erstaunlichsten Flugman\u00f6ver.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie waren noch nicht weit gelaufen, als Stephan pl\u00f6tzlich stehen blieb, die Arme hob und sie weit ausbreitete. \u201eWie gef\u00e4llt es ihnen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEin herrlicher Ort! Aber wir sind doch sicher nicht hier, um nur Spazieren zu gehen und den V\u00f6geln zu lauschen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt einer Antwort justierte er sie mit einem durchdringenden Blick. Irritiert kniff sie die Augen zusammen. <em>Was soll das denn jetzt?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Blick weiterhin auf sie geheftet, fragte er: \u201eWas sehen Sie, Julia?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Frage veranlasste sie dazu, sich die Umgebung eingehender anzuschauen. Dann sagte sie: \u201eEinen Park mit alten B\u00e4umen, dichten Str\u00e4uchern, gr\u00fcnen Wiesen, V\u00f6gel, Insekten, einige Leute die ein Sonnenbad nehmen \u2026 Aber das ist es doch nicht, was Sie von mir h\u00f6ren wollen \u2026 oder?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eEs kommt nicht darauf an, was ich von Ihnen h\u00f6ren will, sondern auf das, was Sie mit diesem Ort verbinden. Eine Antwort, die aus ihrem Bauch kommen sollte und nicht aus ihrem Kopf. Aber das ist v\u00f6llig in Ordnung so. Ich werde Ihnen diese Frage nachher noch einmal stellen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl sie seine Antwort als belehrend empfand, wollte sie doch den tieferen Sinn dieser Aussage erfahren. Daher unterdr\u00fcckte sie ihre Ver\u00e4rgerung \u00fcber diese Zurechtweisung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOkay \u2026 und was kommt jetzt?\u201c, fragte sie und strich sich eine Str\u00e4hne aus dem Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSuchen Sie sich einen Baum aus!\u201c, sagte er und deutete auf eine Gruppe von Eschen und Ahornb\u00e4umen, die sich ungef\u00e4hr f\u00fcnfzig Meter von ihnen entfernt befand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia riss die Augen auf. \u201eWie bitte?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSuchen Sie sich einen Baum aus! Irgendeinen Baum, der Ihnen auff\u00e4llt, der Ihnen zusagt. Es muss keiner von denen sein \u2026\u201c, sagte er und zeigte nochmals auf die Baumgruppe, \u201e \u2026 es kann auch einer auf der anderen Seite des Parks sein \u2026 es ist egal welcher, Hauptsache sie entscheiden sich f\u00fcr einen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia war perplex. Es war ihr v\u00f6llig schleierhaft, was das Ganze sollte, aber sie wollte unbedingt wissen, was es mit diesem Experiment auf sich hatte. \u201eNun gut \u2026 ich denke ich nehme einen von denen da!\u201c, sagte sie und deutete auf eine Baumreihe, die auf der gegen\u00fcberliegenden Seite der Wiese stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer hier sagt mir zu!\u201c, sagte Julia und schritt auf einen gro\u00dfen Ahorn zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Baum hatte einen m\u00e4chtigen Stamm und eine breite Krone, deren \u00c4ste sich nach allen Seiten gleichm\u00e4\u00dfig ausbreiteten. Seine gr\u00fcnen Bl\u00e4tter hatten sich in voller Gr\u00f6\u00dfe entfaltet, so dass durch sein dichtes Laubwerk kaum ein Sonnenstrahl drang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGute Wahl!\u201c sagte Stephan und blieb au\u00dferhalb des Bauschattens stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd nun?\u201c, fragte Julia, die sich zu Stephan umdrehte, weil sie bemerkt hatte, dass er nicht mehr n\u00e4her kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs ist Ihr Baum! Gehen Sie zu ihm! Lehnen Sie sich mit dem R\u00fccken gegen den Stamm, legen sie Ihre H\u00e4nde darauf und schlie\u00dfen Sie die Augen. Es w\u00e4re sehr gut, wenn Sie vorher die Schuhe ausziehen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia runzelte die Stirn. \u201eWarum das denn?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas erkl\u00e4re ich Ihnen sp\u00e4ter!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Antwort befriedigte sie zwar nicht, aber nun war sie aber erst recht neugierig geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd warum kommen Sie nicht mit mir?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem wissenden L\u00e4cheln antwortet er: \u201eWeil ich mit meinen Energien Ihre Kommunikation mit diesem wunderbaren Vertreter der Natur st\u00f6ren w\u00fcrde! Wie gesagt, es ist Ihr Baum!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Kommunikation mit einem Baum? Oh Gott, worauf habe ich mich da nur eingelassen? Aber solange ich mich nicht v\u00f6llig nackt ausziehen muss ist das alles noch im Lot!<\/em>, dachte Julia und zog sich ihre Pumps von den F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSehr sch\u00f6n!\u201c, sagte Stephan und wies auf den Stamm des Ahorns. \u201eEs ist Ihrer!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das frische Gras unter ihren F\u00fc\u00dfen war dicht gewachsen. Als sie zum Stamm des Baumes schritt, \u00fcberlegte sie, wie lange sie nicht mehr barfu\u00df \u00fcber eine Wiese gelaufen war. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern. Es musste eine Ewigkeit her sein. Irgendwie war es ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie den Fu\u00df des Baumes erreichte, bemerkte sie dessen breite Wurzeln, die sich aus dem Gras herausw\u00f6lbten. Sie legte ihre Schuhe ab, drehte sich mit dem R\u00fccken zum Stamm, postierte ihre F\u00fc\u00dfe zwischen zwei Wurzelstr\u00e4nge und verlagerte ihr Gewicht nach hinten. Nun lehnte sie mit dem R\u00fccken am Baum. Dann legte sie die H\u00e4nde auf den Stamm und schloss die Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was soll jetzt kommen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVersuchen Sie Ihre Gedanken frei zu halten! Seien Sie offen und lassen Sie es flie\u00dfen!\u201c, h\u00f6rte sie Stephan rufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Seien Sie offen und lassen Sie es flie\u00dfen?! Ich habe keinen Schimmer, was er damit meint! Und \u00fcberhaupt: Was m\u00f6gen die Leute denken, die hier vorbeikommen? Gott sei dank, kennt mich hier niemand!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJulia, Sie denken noch zu viel! Lassen Sie alle Vorbehalte los. Lauschen Sie einfach dem Klang der Natur!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blitzartig wurde ihr wieder bewusst, dass er offensichtlich ihre Gedanken lesen konnte und sie f\u00fchlte, wie ihr wieder die R\u00f6te ins Gesicht schoss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOkay, ich werde mich bem\u00fchen! Aber bitte h\u00f6ren Sie auf, in meinen Kopf einzudringen! Das macht mich nerv\u00f6s!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Julia keine Antwort vernahm, blinzelte sie und stellte erstaunt fest, dass Stephan verschwunden war. Suchend schaute sie sich um. Irgendetwas brachte sie dazu, ihren Kopf zur Seite zu drehen. Als sie ihn entdeckte, riss sie die Augen auf. Er stand in einiger Entfernung an einen m\u00e4chtigen Baum gelehnt, hielt die Augen geschlossen und hatte ein L\u00e4cheln auf dem Gesicht. Die Entfernung zwischen ihrem Ahorn und seinem Baum musste dutzende Meter betragen. Wie hatte er das gemacht? Eben war er doch noch direkt vor ihr gewesen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Stephan Reichenbach ist doch ein Buch mit sieben Siegeln!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Stimme in ihrem Kopf unterbrach ihren Gedankenfluss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Julia, konzentrier dich auf dich selbst!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie schrak zusammen! Deutlich hatte sie diese Worte in ihrem Kopf vernommen! Seine Stimme?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Grundg\u00fctiger, war er das jetzt wirklich oder werde ich langsam verr\u00fcckt?<\/em><\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7260\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/979d286f-a7c6-4ef8-bcde-a165cba5d2c9.png?resize=469%2C704&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"469\" height=\"704\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/979d286f-a7c6-4ef8-bcde-a165cba5d2c9.png?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/979d286f-a7c6-4ef8-bcde-a165cba5d2c9.png?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/979d286f-a7c6-4ef8-bcde-a165cba5d2c9.png?resize=683%2C1024&amp;ssl=1 683w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/979d286f-a7c6-4ef8-bcde-a165cba5d2c9.png?resize=768%2C1152&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 469px) 100vw, 469px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie horchte in sich hinein. Stille. Erleichtert stie\u00df sie die Luft aus und schloss die Augen. <em>War wohl nur Einbildung! Nun gut, dann will ich mich mal konzentrieren und darauf lauschen, was mir der Baum zu sagen hat! Irgendwie abgefahren, das Ganze! Aber was macht man nicht alles, um an ein Interview zu kommen!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia konzentrierte sich nun und versuchte, ihre Gedanken loszulassen. Sie lauschte dem Rauschen der Bl\u00e4tter und den Vogelges\u00e4ngen. Aus dem Pfeifen und Zwitschern stach das laute Trommeln des Spechts hervor, das sie vorhin schon wahrgenommen hatte. Nun aber nahm sie diese Naturger\u00e4usche bewusster wahr. Irgendwie war es sch\u00f6n.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nun Ahornbaum, was hast du mir zu sagen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie glaubte nicht, dass irgendetwas passieren w\u00fcrde, au\u00dfer dass sie mit ihren Fingern die Rinde des Baumes ertastete und ihre nackten F\u00fc\u00dfen im Gras standen. Langsam lullte sie die Atmosph\u00e4re ein und es machte ihr gar nichts mehr aus, dass sie vielleicht von vorbeikommenden Leuten beobachtet wurde. Ihre Gedanken drifteten ab und sie sah sich wieder als das kleine M\u00e4dchen, das lachend \u00fcber eine Wiese lief und f\u00fcr ihre Mutter G\u00e4nsebl\u00fcmchen pfl\u00fcckte oder einem Schmetterling nachjagte. Es war wie ein Tagtraum, wunderbar entspannend. Pl\u00f6tzlich begann es an ihren Fingerkuppen zu kribbeln. Dann zog sich das Kribbeln langsam von ihren Armen \u00fcber ihren Oberk\u00f6rper und ihren Unterleib in die Beine. Es wurde immer st\u00e4rker und war durchaus angenehm. Sie lie\u00df es geschehen. Eine innere W\u00e4rme stieg in ihr auf und sie war fasziniert davon. Dann begann der Boden unter ihren F\u00fc\u00dfen zu schwanken. Es war ein wenig so, als w\u00fcrde sie auf dem Deck eines Schiffes stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wow!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie f\u00fchlte, wie eine Art Energie durch ihren K\u00f6rper floss und immer kraftvoller wurde. Ein geradezu euphorisches Gef\u00fchl erfasste sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Unglaublich! Das also meinte er mit `Energie des Baumes`!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch glaube, Sie haben Ihren Baum gefunden! Ausgezeichnet!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia riss die Augen auf und sah Stephan wieder vor sich stehen. Er stand weider etwas abseits vom Baum au\u00dferhalb des Kronenbereiches, offenbar darauf bedacht, ihr nicht zu nahe zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julias verbl\u00fcfftes Gesicht brachte Stephan zum Schmunzeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eLassen Sie sich Zeit und genie\u00dfen Sie die Kraft des Baumes!\u201c, sagte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIst schon okay, ich glaube, es reicht f\u00fcrs Erste! Ich wei\u00df jetzt, was Sie mit damit meinten, ich solle es flie\u00dfen lassen! Ein wirklich wunderbares Gef\u00fchl, ich bin echt \u00fcberrascht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia dr\u00fcckte sich vom Stamm des Ahorns ab und verlagerte ihr Gewicht wieder auf die F\u00fc\u00dfe. Dann hob sie ihre Pumps auf und stapfte auf Stephan zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er grinste sie mit dieser fast schelmischen Verschmitztheit an, die ihr sagte, dass das noch nicht alles war. \u201eNicht schlecht f\u00fcr den Anfang! Sie waren da jetzt eine glatte halbe Stunde energetisch mit dem Ahorn verbunden. Er muss Sie wirklich m\u00f6gen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies vernehmend klappte ihr Unterkiefer herunter. Verdattert schaute sie auf ihre Armbanduhr. \u201eTats\u00e4chlich! Das ist ja nicht zu fassen! Mir kam das nur wie zehn Minuten vor!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas ist immer so, wenn man es flie\u00dfen l\u00e4sst. Die Zeit vergeht viel schneller! Es ist der Lebenstakt des Baumes, der dein eigenes Zeitgef\u00fchl beeinflusst!\u201c, erwiderte Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia zog an ihrem Kleid um es wieder in Form zu bringen, dann schaute sie verstohlen auf ihren Hintern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan folgte ihrem Blick und musterte ihr Kleid. \u201eAlles ist perfekt Julia. Der Ahorn hat Sie wirklich in sein Herz geschlossen, sonst w\u00e4re Ihr Kleid jetzt mit seinem Harz getr\u00e4nkt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia kniff die Augen zusammen und fixierte ihn mit scharfem Blick. \u201eOh &#8230; sch\u00f6n, dass ich das jetzt schon erfahre!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephans Mundwinkel zuckten fast unmerklich. \u201eIch wusste, dass Sie den richtigen Baum gew\u00e4hlt hatten, sonst h\u00e4tte ich Ihnen einen Tipp gegeben! H\u00e4tten Sie etwa eine Trauerweide gew\u00e4hlt, dann h\u00e4tte ich Ihnen geraten, sie nur mit den H\u00e4nden zu ber\u00fchren und sich auf keinen Fall anzulehnen. Sie h\u00e4tten dann sehr schnell gemerkt, dass die Trauerweide ein sehr melancholischer Baum ist. Und sie h\u00e4tte sich sehr gefreut, von Ihrer Energie zu nehmen.\u201c<\/p>\n<p>Julia riss die Augen auf! \u201eDann kann das zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen f\u00fchren, wenn man sich energetisch mit einem Baum verbindet? Es kommt also darauf an, welche Baumart man w\u00e4hlt?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGenau! Es gibt B\u00e4ume, die dem weiblichen Aspekt st\u00e4rker zugeneigt sind. Wenn sich also zum Beispiel ein Mann an einer Blutbuche anlehnt, wird er sehr schnell merken, dass sie ihn ablehnt. Er wird sich merkw\u00fcrdig f\u00fchlen und bemerken, dass der Baum ihn irgendwie Kraft kostet. Dann gibt es wiederum B\u00e4ume, die ihre Zuneigung dem m\u00e4nnlichen Aspekt geben. Zu denen geh\u00f6ren unter anderem die Eichen und Kastanien. Der Ahorn ist da eher ein neutraler Baum, der beide Aspekte gleicherma\u00dfen mag! Das alles ist aber nur eine Orientierungsregel, denn es gibt auch weibliche B\u00e4ume, die einen Mann m\u00f6gen k\u00f6nnen, genau wie m\u00e4nnliche eine Frau. Jeder sollte also selbst herausfinden, welcher Baum zu ihm geh\u00f6rt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia schaute ihn mit ihren braunen Augen an, die nun irgendwie zu leuchten schienen. \u201eErstaunlich! H\u00e4tte ich das eben nicht gerade selbst erlebt, dann h\u00e4tte ich gedacht: Was erz\u00e4hlt er dir da f\u00fcr einen Unsinn! Aber so sehe ich nun B\u00e4ume mit ganz anderen Augen. Ich habe jetzt richtig Respekt vor ihnen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSehr sch\u00f6n! Genau das hatte ich gehofft! Nun \u2026\u201c Stephan hielt inne und schaute sie pr\u00fcfend an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa?!\u201c, fragte sie, seinen Ansatz aufgreifend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e \u2026 kommen wir zum eigentlichen Experiment.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstaunt zog sie eine Augenbraue hoch. \u201eWas?! Das war es noch gar nicht?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eSind Sie bereit?\u201c, fragte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBereit wof\u00fcr?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Welt mit anderen Augen zu sehen! Wenn Sie \u00fcber mich schreiben wollen, dann nur, wenn Sie es einmal gesehen haben!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia versuchte zu ergr\u00fcnden, was er damit meinen k\u00f6nnte. Sie gr\u00fcbelte und verga\u00df einen Moment, dass er sie geradezu geduldig fixierte. \u201eOkay! Dann lassen Sie uns anfangen.\u201c, sagte sie schlie\u00dflich, aber in ihren Worten lag ein Z\u00f6gern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSehr gut! Dann stellen Sie sich bitte hierher.\u201c, sagte Stephan und bedeutete Julia, sich ihm gegen\u00fcber zu postieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erwartungsvoll nahm sie die ihr zugewiesene Position ein und schaute ihn an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er streckte ihr die H\u00e4nde entgegen. \u201eKommen Sie, wir m\u00fcssen uns an den H\u00e4nden halten!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberrascht von dieser neuerlichen Ungehemmtheit z\u00f6gerte sie einen Augenblick, ergriff seine H\u00e4nde dann aber doch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Unsicherheit bemerkend, l\u00e4chelte er sie aufmunternd an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd jetzt \u2026 schlie\u00dfen Sie bitte Ihre Augen!\u201c, fl\u00fcsterte er so leise, dass sie es gerade noch verstehen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia folgte seiner Anweisung. Kaum hatte sie die Augen geschlossen, da sp\u00fcrte sie einen starken Impuls, der ihren K\u00f6rper durchzog. Es f\u00fchlte sich wie ein warmes Str\u00f6men an, dass sich von ihren H\u00e4nden, \u00fcber ihre Arme, ihren K\u00f6rper zu den Beinen und \u00fcber ihren Hals zu ihrem Kopf zog. Begleitet wurde es von einem Kribbeln, wie von einer Unzahl von Ameisen, die \u00fcber ihren K\u00f6rper liefen. Ihr Geist drang in eine neue Welt ein. Eine Flut von Empfindungen \u00fcberzog sie. Zun\u00e4chst sah sie ein Leuchten in allen Regenbogenfarben, dann ein Licht, blendend hell, das vor ihrer Stirn aufblitzte. Pl\u00f6tzlich sp\u00fcrte sie eine nie gekannte Kraft in sich aufsteigen, die von jeder Faser ihres K\u00f6rpers Besitz ergriff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann h\u00f6rte sie seine Stimme in ihrem Kopf. <em>Und jetzt \u2026 \u00f6ffne deine Augen!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne dar\u00fcber n\u00e4her nachzudenken, folgte sie jener Anweisung. Was sie nun sah und zugleich f\u00fchlte, lie\u00df ihren Atem stocken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Oh mein Gott!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Sicht der Dinge<\/strong><br \/>\nJulia schien es fast, als h\u00e4tte sie keinen K\u00f6rper mehr. Aber doch nicht ganz, denn da waren noch ihre H\u00e4nde, die in den H\u00e4nden von Stephan lagen, und ihre F\u00fc\u00dfe, mit denen sie im Gras stand. Sie betrachtete ihren Ahornbaum und sah, wie dessen Zweige in einem diffusen Lichtschein flimmerten. Und wie der Wind durch den Baum strich, war sie auf einmal der Baum. Sie konnte ihn f\u00fchlen, so wie ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Haut. Ihr Blick schweifte weiter und sie nahm nun bewusst wahr, dass alles um sie herum in dieses merkw\u00fcrdige Flimmern geh\u00fcllt war. Der ganze Park schien in diesem wei\u00dfen Licht zu gl\u00fchen. Es war wie eine euphorische Ekstase, die alles Leben geradezu umsp\u00fclte und es drang tiefer und tiefer in ihr Bewusstsein ein. Pl\u00f6tzlich f\u00fchlte sie sich mit allem verbunden. Sie war der Baum, sie war das Gras, sie war der K\u00e4fer, der an einem der Halme entlang krabbelte, sie war die Amsel, die vor ihr \u00fcber das Gras h\u00fcpfte. Es war dieses enorme, alles erfassende Bewusstsein, dass sie geradezu in ekstatische Verz\u00fcckung versetzte. Eine nie gekannte Euphorie ergriff sie. Sie brach in Gel\u00e4chter aus und gleichzeitig liefen ihr Tr\u00e4nen aus den Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und pl\u00f6tzlich konnte sie einen alles durchdringenden Klang h\u00f6ren. Sie konnte jeden Grashalm, jeden Baum, jeden Strauch h\u00f6ren. Jede Pflanze, jeder Stein, jedes Insekt hatte seinen eigenen Ton. Der Klang war sehr leise aber trotzdem klar in diesem Bewusstsein. Die verschieden schwingenden T\u00f6ne aller Lebewesen vermengten sich zu einer gleichm\u00e4\u00dfigen Symphonie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sah hoch zur Sonne und war voller Ehrfurcht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Oh mein Gott, ich kann die Sonne h\u00f6ren!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Klang der Sonne war atemberaubend, gleichzeitig hochfrequent und tief, f\u00fcgte sich aber harmonisch in die Natursymphonie des Lebens im Park. Als sie so lauschte und schaute und ihre Sinne von diesen unfassbaren Eindr\u00fccken geflutet wurden, f\u00fchlte es sich f\u00fcr sie an, als ob sie aus reinem Bewusstsein best\u00fcnde. Sie war nicht mehr l\u00e4nger nur K\u00f6rper, sie war pure Energie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Himmel ersp\u00e4hte sie einen Bussard und im gleichen Moment war ihr Geist da oben. Sie f\u00fchlte sich vollkommen frei und sah einen Mann und eine Frau die sich bei den H\u00e4nden hielten, tief unten im Park stehen. Abrupt wechselte wieder ihre Perspektive und sie war wieder auf der Wiese zwischen den alten B\u00e4umen. Wieder und wieder lachte sie vor lauter Gl\u00fccksseeligkeit und gleichzeitig rannen ihr die Tr\u00e4nen \u00fcber die Wangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvermittelt bemerkte sie, dass Stephan sie anschaute. Sein unbeirrter Blick sagte ihr, dass er genau wusste, was sie empfand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann h\u00f6rte sie eine Stimme in ihrem Kopf. <em>Was siehst du?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun aber wusste sie genau, dass er es war, der diese Frage gestellt hatte und sie sich das keineswegs einbildete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ob es die normalste Sache von der Welt sei, antwortete sie in ihrem Geist. <em>Ich sehe pure Energie, ich h\u00f6re den Klang des Universums und ich bin mit allem verbunden!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein promptes L\u00e4cheln zeigte ihr, dass er ihre Antwort empfangen hatte und dass es die Art von Antwort war, die er offenbar erwartet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder vernahm sie seine Stimme in ihrem Kopf. <em>Das ist wunderbar! Nun aber m\u00fcssen wir es beenden, denn es wird sonst zu viel f\u00fcr dich! Dein K\u00f6rper kann so mannigfaltige neue Erfahrungen noch nicht so lange verkraften!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nein!<\/em>, dachte sie und es war ein Gedanke wie ein Protest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch er lie\u00df er ihre H\u00e4nde los.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam schwanden ihre Empfindungen. Das Leuchten der B\u00e4ume verblasste, das Gras wurde wieder sattgr\u00fcn und sie sp\u00fcrte nur noch ganz sich selbst. Da auch das ekstatische Hochgef\u00fchl langsam nachlie\u00df, bis es nur noch eine Erinnerung war, \u00fcberkam sie eine gewisse Traurigkeit und sie f\u00fchlte sich irgendwie isoliert, geradezu eingeengt in ihrem K\u00f6rper.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch immer lag Stephans Blick auf ihr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie ihn fragend anschaute und dazu ansetzen wollte, zu sprechen, legte er einen Finger auf seine Lippen. In ihrem Geist h\u00f6rte sie ihn sagen: <em>Nicht sprechen! Lass es langsam ausklingen! Ich schlage vor, dass wir jetzt ins Hotel gehen und ich dir dort all deine Fragen beantworte, die dir gerade auf dem Herzen liegen. Okay?!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da er ihr bedeutet hatte, nicht zu reden, nickte sie nur kurz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan zog ein Papiertaschentuch aus seiner Hosentasche und tupfte ihr damit vorsichtig die Tr\u00e4nen von den Wangen. Sie lie\u00df es geschehen und war dankbar daf\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephans Juniorsuite war funktionell eingerichtet und optisch in einen Schlaf- und Wohnbereich getrennt. Dank variantenreicher Dachschr\u00e4gen und Gaubenfenster war sie ein wenig verwinkelt. Dadurch erschien es Julia aber auch irgendwie gem\u00fctlich. Der lichtblaue Teppich, der den farblichen Hauptakzent in der Suite setzte, stand in einem starken Kontrast zu der roten Polstergarnitur und den Mahagonim\u00f6beln, die im klassischen Stil gefertigt waren.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7261\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/73e3f561-bbfc-4cd7-8fc3-2cfc62b27928.png?resize=569%2C379&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"569\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/73e3f561-bbfc-4cd7-8fc3-2cfc62b27928.png?w=1536&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/73e3f561-bbfc-4cd7-8fc3-2cfc62b27928.png?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/73e3f561-bbfc-4cd7-8fc3-2cfc62b27928.png?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/73e3f561-bbfc-4cd7-8fc3-2cfc62b27928.png?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/73e3f561-bbfc-4cd7-8fc3-2cfc62b27928.png?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 569px) 100vw, 569px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie sa\u00dfen in der Couchecke, die sich hinter zwei restaurierten alten St\u00fctzbalken unter einer Dachschr\u00e4ge befand. Julia hatte es sich auf einem der Polstersessel bequem gemacht. Stephan sa\u00df auf dem Sessel gegen\u00fcber und beobachtete, wie sie aus ihrer Handtasche ein kleines Diktierger\u00e4t hervorholte und es auf dem kleinen Couchtisch vor sich ablegte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie damit fertig war, blickte Julia auf und sah ihn fragend an: \u201eSie haben doch nichts dagegen, wenn ich das Interview mitschneide?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan sch\u00fcttelte den Kopf und sagte: \u201eAch iwo! Ich wei\u00df die N\u00fctzlichkeit dieser kleinen Dinger zu sch\u00e4tzen, habe ich doch selbst jahrelang Schrifts\u00e4tze damit diktiert,\u00a0als ich noch als Anwalt gearbeitet habe. Ich habe immer noch so ein Ger\u00e4t, benutze es aber nur noch, um meine Gedanken festzuhalten. Eine durchaus zweckm\u00e4\u00dfige Methode!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia beugte sich vor und bet\u00e4tigte den Aufnahmeknopf am Diktierger\u00e4t. \u201eSie waren Jurist? Das ist interessant! Wie wird man vom Rechtsanwalt zum \u2026?\u201c, sie hielt kurz inne, \u201e \u2026 ich wei\u00df jetzt gar nicht wie ich Ihren jetzigen Beruf nennen soll!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs ist eher eine Berufung als ein Beruf. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich bin ein Lichtbringer!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sah ihn verbl\u00fcfft an. \u201eWas meinen Sie damit?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr einen Moment fixierte Stephan sie in einer Art, als wolle er ergr\u00fcnden, ob er ihr ein Geheimnis verraten k\u00f6nne, dann sagte er: \u201eViele missverstehen es oder sind gar nicht in der Lage, es zu verstehen. Manche verbinden den Begriff Lichtbringer mit Luzifer, dem Teufel und Herrn der H\u00f6lle was aber im Kontext der Realit\u00e4t v\u00f6llig falsch ist. Der sagenumwobene gefallene Engel hat mit dem Lichtbringen nichts zu tun. Luzifer und die H\u00f6lle, wie wir sie uns vorstellen, sind auch nur eine Erfindung der Kleriker. Lichtbringen ist etwas v\u00f6llig anderes. Sie konnten es vorhin selbst erleben. Daher war es ganz wichtig, dass bei meinem kleinen Experiment mitgemacht haben!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ger\u00fchrt erwiederte Julia: \u201eDanke, dass Sie mir die M\u00f6glichkeit gaben, diese ganz au\u00dfergew\u00f6hnliche Erfahrung zu machen! Es war einfach unbeschreiblich! Ich bin noch immer ganz \u00fcberw\u00e4ltigt von den Eindr\u00fccken!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie waren vorhin eine kurze Zeit offen! Sie haben das Licht gesehen und Ihnen d\u00fcrfte jetzt bewusst sein, dass die Welt viel umfassender ist, als sie die meisten Menschen mit ihren f\u00fcnf Sinnen wahrnehmen. Ein Lichtbringer hilft den Menschen, ihr Bewusstsein zu \u00f6ffnen um zu erkennen, dass sie keine isolierten Individuen sind. Das ist der eigentliche Kern der T\u00e4tigkeit eines Lichtbringers! Wir Menschen sind hoch energetische, spirituelle Wesen und auf der tiefsten Ebene, der subnuklearen Ebene, mit Allem verbunden. Nur sind sich die meisten Menschen dar\u00fcber gar nicht bewusst!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa! Ich wei\u00df genau was Sie meinen! Als Sie mich vorhin an den H\u00e4nden hielten und ich dieses ph\u00e4nomenale Gl\u00fchen bei den Pflanzen und Tieren im Park bemerkte, da war ich auf einmal der Ahornbaum und ich war der Grashalm und der K\u00e4fer, der an ihm herunterkrabbelte und ich war der Bussard der am Himmel schwebte und ich sah mich mit seinen Augen von oben\u201c, sagte Julia und in ihren Augen erschien ein Leuchten von der Art, wie es sich bei Kindern zeigt, wenn sie ihr Weihnachtsgeschenk auspacken, und feststellen, dass der Inhalt genau ihrem Wunsch entspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan erwiderte ihre Begeisterung mit einem Leuchten in den Augen. \u201eDas Gl\u00fchen vorhin waren Biophotonen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fragend zog sie eine Braue hoch. \u201eBiophotonen?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa! <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201205082420\/https:\/\/www.vitatec.com\/glossar\/definitionen\/biophotonen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Biophotonen<\/a> sind Lichtpartikel die von allen Lebewesen ausgestrahlt werden. Biophotonen \u00fcbertragen Informationen. F\u00fcr gew\u00f6hnlich werden sie aber vom Menschen nicht wahrgenommen, weil er sich f\u00fcr diese Informationen gar nicht ge\u00f6ffnet hat. Wenn sich aber ein Mensch in einen Zustand erweiterten Bewusstseins begibt, das in der Regel erst durch eine lange Meditationspraxis erreicht werden kann, dann ist er in der Lage, diese Informationen zu empfangen. Dann endlich sp\u00fcrt er die all umfassende Vollkommenheit aller Lebewesen auf dieser Welt und seine \u00c4ngste und Zweifel l\u00f6sen sich langsam in Liebe auf. So kann man auch sagen, dass Biophotonen unsere Liebe und unsere Gef\u00fchle \u00fcbertragen k\u00f6nnen! Wie Sie sich vielleicht denken k\u00f6nnen, ist die Tatsache, dass Biophotonen Informationen \u00fcbertragen k\u00f6nnen, bei den Wissenschaftlern stark umstritten. Der Mann, der die Existenz der Biophotonen im Jahre 1975 experimentell nachwies, hei\u00dft <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201205082420\/http:\/\/www.heilung-des-planeten.net\/wissenschaft\/dr-fritz-albert-popp-biophysik\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fritz Albert Popp<\/a> und ist Biophysiker. Er wird von den meisten seiner Kollegen trotz dieser gro\u00dfartigen Entdeckung geschnitten, weil er den Begriff der Information in die Molekularbiologie einf\u00fchrte und damit die etablierte Auffassung der Biochemie auf den Kopf stellte. Nach der so genannten naturwissenschaftlichen Sicht herrscht in Zellen v\u00f6llige Planlosigkeit. Der Organismus von Lebewesen wird als wimmelndes Chaos von Molek\u00fclen betrachtet, in dem der Zufall entscheidet, ob, wann und wo chemische Reaktionen stattfinden. Wie Popp halte ich diese Sichtweise f\u00fcr falsch. Aus einem planlosen Chaos kann kein sinnvolles Zellgeschehen entstehen. Popp hat durch seine Experimente bewiesen, dass sich das Licht in unseren Zellen keineswegs chaotisch und zufallsbedingt verh\u00e4lt, sondern einen erstaunlichen Zusammenhang aufweist. Er sagt klar und deutlich, dass \u00fcber Biophotonen die Zellen im Organismus miteinander kommunizieren. Wie Sie vorhin wohl selbst erlebt haben, hat Popp offenbar Recht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia staunte. \u201eWow! Dass Sie dieses Gl\u00fchen sogar wissenschaftlich erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, damit h\u00e4tte ich jetzt nicht gerechnet! Ich dachte immer, solche Ph\u00e4nomene lie\u00dfen sich aus der Sicht der Wissenschaft nicht definieren. Schlie\u00dflich war es mein ganz pers\u00f6nliches Erlebnis und die meisten Leute w\u00fcrden es damit erkl\u00e4ren, dass sich das alles nur in meinem Gehirn abspielt. Sie w\u00fcrden behaupten, es w\u00e4re ein Halluzination gewesen oder sie w\u00fcrden fragen, ob ich unter Drogen stand!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas w\u00e4re eine typische Reaktion, da haben Sie v\u00f6llig Recht. Wie bereits gesagt, ist das Thema Informationsaustausch bei Zellen unter den Wissenschaftlern sehr umstritten ebenso wie die Frage, ob au\u00dferhalb des menschlichen Gehirns \u00fcberhaupt Bewusstsein existiert. Aus spiritueller Sicht ist diese Frage ganz klar mit einem \u201aJa\u2019 zu beantworten. Ich selbst bin da auch v\u00f6llig zweifelsfrei. Aber viele Menschen glauben nicht an ein h\u00f6heres Bewusstsein und an Spiritualit\u00e4t. Sie verharren in materiellen Glaubensdoktrin und betrachten alles rein wissenschaftlich. Wissenschaft und Spiritualit\u00e4t wurden durch die eingeschr\u00e4nkte Betrachtungsweise der Menschen zu gegens\u00e4tzlichen Polen. Das war nicht immer so. Erst seit den Entdeckungen in der Quantenmechanik fangen mehr und mehr Wissenschaftler an, sich f\u00fcr neue Sichtweisen zu \u00f6ffnen, die auch spirituelle Erfahrungen und so genannte Ph\u00e4nomene beinhalten und diese sogar erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Daher stellt sich hier die Frage: Was ist eigentlich real? Etwa nur das, was wir mit unseren f\u00fcnf Sinnen, bisweilen auch mit Hilfsmitteln wie Mikroskopen, wahrnehmen und die Wissenschaftler in Experimenten beweisen k\u00f6nnen? Oder ist das real, was gegeben ist, unabh\u00e4ngig davon ob wir uns dar\u00fcber bewusst sind oder nicht? W\u00fcrde man der Annahme folgen, dass nur die gegebenen Erkenntnisse der heutigen Wissenschaft unser Wissen schafft \u2026 ein Wortspiel mit einem tieferen Sinn \u2026\u201c, Stephan hielt kurz inne und blickte sie vielsagend an, \u201e \u2026 dann w\u00e4ren wir noch immer bei einem Wissensstand von l\u00e4ngst vergangenen Zeiten. Man hat die Dinge fr\u00fcher in vielerlei Hinsicht v\u00f6llig anders gesehen als heute, obwohl sie objektiv betrachtet existierten, wenn auch nicht im Bewusstsein der Menschen. Ich m\u00f6chte da ein Beispiel nennen. Im Mittelalter h\u00e4tte man f\u00fcr die Behauptung, es g\u00e4be noch kleinere Organismen, als solche, die mit dem blo\u00dfen menschlichen Auge sichtbar sind, nur ein verst\u00e4ndnisloses Kopfsch\u00fctteln geerntet oder w\u00e4re gar auf dem Scheiterhaufen gelandet. Damals existierten im Bewusstsein der Menschen keine Bakterien, obwohl wir heute wissen, dass ein Mensch aus etwa zehn Billionen Zellen besteht und sich im menschlichen Organismus etwa zehnmal so viele Bakterien befinden. Das war auch im Mittelalter schon so, nur h\u00e4tte man eine solche Sichtweise damals vehement abgelehnt, weil man es eben nicht besser wusste. Es ist also immer die Sicht der Dinge die die Ma\u00dfst\u00e4be setzt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verbl\u00fcfft schaute sie ihn an: \u201eSo hatte ich das noch nicht gesehen. Aber richtig, wir Menschen neigen auf Grund unseres Wissens, das wir \u00fcber die Schule, das Internet, die B\u00fccher und die Medien vermittelt bekommen haben, dazu, Sichtweisen von vornherein auszuschlie\u00dfen, welche nicht in das Raster der allgemein anerkannten Betrachtungen passen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan nickte zustimmend. \u201eGenau! Es ist unser vorgepr\u00e4gtes Wissen, dass unsere Betrachtungen bestimmt. Die Menschen k\u00f6nnen die Realit\u00e4t niemals genau kennen. Wenn wir irgendetwas untersuchen, dann bekommen wir immer nur Antworten auf Fragen, die wir stellen, und diese Antworten wiederum basieren auf den F\u00e4higkeiten und der Beschr\u00e4nktheit unseres Denkens. Alles was wir bei unseren Untersuchungen wahrnehmen, sei es nun mit unseren Sinnen oder durch moderne Messger\u00e4te, passiert den Filter unseres Bewusstseins und wird von unserem Verstand bestimmt. Was wir also wahrnehmen ist nichts anderes als ein Wechselspiel zwischen unserem Bewusstsein und dem was au\u00dferhalb unseres Verstandes wirklich abl\u00e4uft. Was wir bei unseren Untersuchungen entdecken, ist immer nur ein eingeschr\u00e4nktes Bild der Realit\u00e4t, das von unserem Verstand quasi gefiltert wurde. Am besten l\u00e4sst sich das mit einem Foto von einer Landschaft vergleichen, die wir auf einer Urlaubsreise gesehen haben. Wenn ich beispielsweise eine sch\u00f6ne alte Burg fotografiere, so beschr\u00e4nkt sich das Foto nur auf die Perspektive, aus der ich sie fotografiert habe und es zeigt auch nur einen Ausschnitt. Wenn ich nach meiner Urlaubsreise das Foto meinen Freunden zeige, dann sehen sie nur diesen Ausschnitt. Was ich jedoch vor Ort mit meinen eigenen Augen wahrnahm, war viel mehr, als das, was die Kamera erfasste und was nun das Foto wiedergibt. In meiner Erinnerung waren da links und rechts neben der Burg Felsen, die jetzt auf dem Foto gar nicht erscheinen, weil das Kameraobjektiv sie wegen seines beschr\u00e4nkten Winkels nicht zusammen mit der Burg erfassen konnte. Unser Verstand ist im Hinblick auf die Realit\u00e4t also wie ein Kameraobjektiv; er spiegelt nur einen eingeschr\u00e4nkten Ausschnitt derselben wieder. Mit anderen Worten, unser Bewusstsein liefert nur ein \u00e4u\u00dferst beschr\u00e4nktes Modell der Realit\u00e4t und zeigt niemals die Realit\u00e4t in ihrer gesamten, unfassbaren Komplexit\u00e4t selbst. Was da au\u00dferhalb unseres Verstandes auf den verschiedenen Ebenen abl\u00e4uft, ist viel mehr, als wir wahrnehmen und es existiert, ob wir uns dessen nun bewusst sind oder nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia stie\u00df h\u00f6rbar Luft aus: \u201eDiese Betrachtung ist so simpel aber man muss erst mal drauf kommen! F\u00fcr mich ergibt sich da eine Schlussfolgerung: Wenn wir Menschen von vornherein etwas als unreal ausschlie\u00dfen, dann k\u00f6nnte es durchaus sein, dass uns unser Bewusstsein ein Schnippchen geschlagen hat und das vermeintlich Unreale in Wirklichkeit real ist! In einem solchen Fall w\u00fcrden wir uns durch unseren Verstand in unseren M\u00f6glichkeiten, die Dinge noch tiefgr\u00fcndiger zu betrachten, nur selbst beschr\u00e4nken!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJepp \u2026 darauf wollte ich hinaus! Der durchschnittliche Mensch ist ein Skeptiker und Zweifler und er will alles bewiesen haben um es zu glauben! Indem er aber seinen Glauben derart einschr\u00e4nkt, beraubt er sich seiner Potentiale und M\u00f6glichkeiten und der Mensch hat viel mehr davon als ihm bewusst ist. In dieser Hinsicht kann man sogar sagen: Unsere M\u00f6glichkeiten sind unbegrenzt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas meinen Sie damit?\u201c, fragte Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNun, um diese Frage zu beantworten, muss ich einmal weiter ausholen! Es gab auf diesem Planeten eine Zeit, da waren sich die Menschen dar\u00fcber bewusst, dass sie energetische, spirituelle Wesen sind. Es war f\u00fcr sie keine Frage, dass die Erde ein Schauplatz verschiedener kosmischer Dimensionen ist sondern eine Tatsache. In diesem Zusammenhang muss ich erw\u00e4hnen, dass es da nicht nur die Welt verdichteter Materie gibt, die wir mit unseren f\u00fcnf Sinnen wahrnehmen k\u00f6nnen, sondern das auf anderen, h\u00f6heren energetischen Ebenen eine Welt der feinstofflichen Materie existiert, die f\u00fcr die meisten Menschen der heutigen Zeit solange unsichtbar bleibt, wie ihre Seelen mit ihren K\u00f6rpern verbunden sind. Das hat aber nichts damit zu tun, dass sie sich im Zustand der K\u00f6rperlichkeit nicht mit den h\u00f6heren Dimensionen verbinden k\u00f6nnten, sondern damit, dass durch die technisierte, manipulierende, materielle Welt mit ihren religi\u00f6sen Doktrin und wissenschaftlichen Dogmen bei den Menschen eine Bewusstseinspr\u00e4gung einstellte, die sie dieser F\u00e4higkeit beraubte. Ich hatte f\u00fcr Sie vorhin einen Moment lang quasi einen T\u00fcrspalt ge\u00f6ffnet, bei dem Sie einen kurzen Blick auf diese h\u00f6heren energetischen Dimensionen der feinstofflichen Welt werfen konnten. Eine gewisse Anzahl von Menschen hatte im Zuge von so genannten Nahtoderlebnissen und bei au\u00dferk\u00f6rperlichen Erfahrungen einen kurzen Einblick in die feinstofflichen Dimensionen, unter anderem auch in solche, welche als Jenseits bekannt sind. Gerade diejenigen, die ein Todesn\u00e4heerlebnis hatten und den Zustand von Au\u00dferk\u00f6rperlichkeit, klaren Bewusstseins ohne k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkungen, des inneren Friedens und der allumfassenden Liebe erlebten, wissen, dass die materielle Welt, in die sie nach ihrer Reanimation wieder zur\u00fcckkehrten, nicht die einzige Realit\u00e4t ist. Da sie sich mit dem Thema der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201205082420\/https:\/\/visionblue.info\/?p=902\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nahtoderlebnisse<\/a> besch\u00e4ftigt haben, wissen Sie das ja bereits!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia nickte und sagte: \u201eOh ja, ich habe dar\u00fcber einen Artikel verfasst, der sich sehr umfassend mit den Forschungen von <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201205082420\/https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raymond_Moody\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dr. Raymond A. Moody<\/a> befasst, der die Nahtoderlebnisse von vielen hundert Menschen auswertete.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch habe ihn gelesen. Es ist ein sehr guter Artikel. Solche Menschen, die \u00fcber ihren ganz pers\u00f6nlichen Einblick ins Jenseits offen sprechen, sind leider in der Minderheit. Die Meisten verschweigen ihr Wissen oder gehen damit sehr vorsichtig um, weil sie fast immer auf Unverst\u00e4ndnis und Ablehnung bei den anderen Menschen sto\u00dfen und sich nicht in die Rolle eines geistig verwirrten Au\u00dfenseiters begeben wollen. Durch ihr Nahtoderlebnis sind sie aber in einen Zustand besonderer Bewusstheit gekommen. Viele dieser Menschen orientieren sich nach ihrer Todesn\u00e4heerfahrung um und richten die Priorit\u00e4ten ihres Lebens v\u00f6llig neu aus. So war es auch bei mir!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Julias Gesicht zeigte sich \u00dcberraschung. \u201eWas? Sie hatten auch ein Nahtoderlebnis?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIn der Tat!\u201c, gab Stephan zu. \u201eEs ist ein pr\u00e4gnanter Teil meines Lebens. Bevor ich aber davon erz\u00e4hle, m\u00f6chte ich zun\u00e4chst meinen Gedanken von vorhin aufgreifen. Ich wollte Ihnen ja erl\u00e4utern, was ich damit meinte, als ich sagte, die M\u00f6glichkeiten des Menschen seien unbegrenzt. Wie bereits erw\u00e4hnt, gab es auf der Erde eine Zeit, als sich die Menschen dar\u00fcber bewusst waren, dass sie energetische, spirituelle Wesen sind. Die Menschen lebten damals in so genannten Hochkulturen, von deren glorreichen Zeiten heute noch pr\u00e4chtige Artefakte mit unglaublichen Eigenschaften k\u00fcnden, welche heute noch vereinzelt gefunden werden. In der Regel verschwinden diese Fundst\u00fccke aber unverz\u00fcglich in den Archiven bestimmter Geheimorganisationen und der Kirche oder in den Tresoren von m\u00e4chtigen und reichen Personen. Sie ziehen es vor, der Menschheit die Beweise f\u00fcr die Existenz der alten, hoch entwickelten Zivilisationen vorzuenthalten, weil sie unter allen Umst\u00e4nden vermeiden wollen, dass die Wahrheit bekannt wird. Zu den Zeiten dieser Hochkulturen, welche vor zirka f\u00fcnftausendzweihundert Jahren endeten, kannten die Menschen ihre geistigen Potentiale und sie verf\u00fcgten \u00fcber einen nat\u00fcrlichen Zugang zu den h\u00f6heren Dimensionen. Sie kommunizierten telepathisch, konnten mit ihren hoch entwickelten geistigen Kr\u00e4ften direkt auf Materie einwirken, zum Beispiel durch Teleportation Gegenst\u00e4nde mit gro\u00dfer Masse bewegen oder sich selbst von einem Ort zum anderen bewegen ohne dabei physisch den dazwischen liegenden Raum zu durchqueren. In der Science-Fiktion-Serie Star Trek erfand ihr Produzent und Drehbuchautor Gene Roddenberry daf\u00fcr den Begriff des Beamens. Raum und Zeit waren f\u00fcr die Menschen damals also keine Kategorien, die ihnen Grenzen setzten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julias Augen wurden gro\u00df. \u201eWollen Sie allen Ernstes behaupten, dass sich die Menschen fr\u00fcher nur mit der Kraft ihres Geistes in einer Sekunde von einem Ort zu einem anderen bewegen konnten unabh\u00e4ngig davon, wie gro\u00df die Distanz zwischen den Orten war?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa genau das! Ich bemerke, dass Sie zweifeln. Nun, was w\u00fcrden Sie sagen, wenn ich Ihnen eine kleine Demonstration liefere, zu was der bewusste Geist eines Menschen imstande ist?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas?! Wollen Sie sich jetzt etwa wegbeamen?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNein, nicht doch! Wir wollen es nicht gleich \u00fcbertreiben! Was ich vorhabe, ist nur eine kleine Demonstration gegebener M\u00f6glichkeiten, von denen unsere ach so auf ihren Verstand konditionierten Zeitgenossen keine Ahnung haben!\u201c, sagte Stephan und schmunzelte leichthin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cNa dann machen Sie schon \u2026 ich platze gleich vor Neugier!\u201d, sagte Julia und sah ihn erwartungsvoll an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ph\u00e4nomene<\/strong><br \/>\nStephan stand auf und ging in den Schlafbereich der Suite. An der Seite des Bettes stand eine schwarze Reisetasche. Er \u00f6ffnete sie und holte etwas heraus, was in Papier eingewickelt war. Er stellte das P\u00e4ckchen auf den kleinen Schreibtisch der am Fenster stand und lief ins Bad. Keine Minute sp\u00e4ter kam er wieder und hielt ein Glasgef\u00e4\u00df in der Hand, die f\u00fcr Julia verd\u00e4chtigt nach einer Seifenschale aussah. Stephan nahm das P\u00e4ckchen von Schreibtisch, kam zu Julia zur\u00fcck und legte die Sachen auf den kleinen Tisch vor der Couchgarnitur. Julia erkannte nun, dass es sich bei dem Glasgef\u00e4\u00df tats\u00e4chlich um eine Seifenschale handelte. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen, was er damit vorhatte. Stephan riss das P\u00e4ckchen auf und eine wei\u00dfe Stumpenkerze kam zum Vorschein. Er setzte sich in seinen Sessel, beugte sich vor, zog die Seifenschale auf seine Seite des Tisches und stellte die Kerze darauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eF\u00fcr meine kleine Demonstration benutze ich absichtlich eine unbenutzte Kerze. Ich hatte sie gestern gekauft und wie Sie gerade gesehen haben, war sie noch in der Verpackung!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sah ihn fragend an. \u201eOkay, hab ich gesehen! Aber was haben Sie vor?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas sollten Sie beobachten, ohne dass ich vorher beschreibe, was passieren wird! Halten Sie nur die Augen offen!\u201c, antwortete Stephan und sah sie bedeutungsvoll an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie machen es wirklich spannend. Aber gut \u2026 ich werde aufpassen wie ein Luchs, der auf der Lauer liegt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er dies vernahm musste er lachen. \u201eGut! Aber bitte betrachten Sie mich nicht als Beute!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Lachen war ansteckend. Es dauerte eine Weile, bis er innehielt und sagte: \u201eOkay Julia! Lassen Sie mich anfangen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan rutschte auf die Kante seines Sessels, verlagerte dabei sein Gewicht so nach vorn, dass ihn seine Beine in dieser etwas unbequemen Sitzstellung st\u00fctzen konnten. Dann hob er seine rechte Hand \u00fcber die Kerze, wobei er mit dem Daumen und Zeigefinger den Docht der Kerze umschloss, ohne ihn zu ber\u00fchren. Gebannt schaute Julia zu und fragte sich dabei, was das werden sollte. Stephans Gesicht hatte inzwischen einen sehr konzentrierten Ausdruck angenommen. Mit nahezu entr\u00fccktem Blick starrte er auf den Docht der Kerze. Zirka eine Minute passierte nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam ahnte Julia, was er vorhatte. <em>Nein! Das ist v\u00f6llig unm\u00f6glich!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum, dass sie diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte und ihre Zweifel bereits obsiegen wollten, fing die Kerze pl\u00f6tzlich zu brennen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor \u00dcberraschung stie\u00df Julia einen Schrei aus, sprang vom Sofa auf und zeigte wild gestikulierend auf die Kerze. \u201eGrundg\u00fctiger! Nein! Sie haben sie doch gar nicht ber\u00fchrt! Das geht doch gar nicht! Wie zum Geier haben Sie das gemacht?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julias Reaktion schien Stephan nicht zu \u00fcberraschen. Mit einem wissenden Grinsen sagte er: \u201eDas war Magie!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia verzog das Gesicht: \u201eMagie?! Etwa so ein Trick a la <em>David Copperfield<\/em>?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNein, ganz und gar nicht! Das war echte Magie und kein Trick aus dem Zauberkasten!\u201c, antwortete Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEchte Magie?! \u2026 Tricks von so genannten Magiern wie <em>Copperfield<\/em>; wo ist da der Unterschied?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas die Menschen heutzutage unter Magie verstehen, wird in diesen Fernsehshows und auf den Variete-B\u00fchnen vorgef\u00fchrt. Die Zauberer oder Magier die dort auftreten, haben von wirklicher Magie keine Ahnung. Die Tricks, die sie vorf\u00fchren sind teilweise spektakul\u00e4r und Aufsehen erregend, aber letztlich bleiben es Tricks. Wirkliche Magie entsteht durch Beherrschung des Geistes und nicht durch eine geschickte Kombination von Bewegung und T\u00e4uschung!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig entgeistert sah ihn Julia an. \u201eMeinen Sie etwa so wie bei <em>Harry Potter<\/em>?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Blick wurde ernst, aber in seiner Stimme lag keine Spur von Abf\u00e4lligkeit, als er erwiderte: \u201eDas ist ein sehr guter Vergleich! Diese Hollywoodstreifen geben viel mehr Wahrheiten wieder, als wir vermuten! Wir tun diese aufwendig inszenierten Filmhandlungen allerdings als reine Phantasie ab und ahnen nicht ansatzweise, wie nahe sie an die Realit\u00e4t herankommen! Sie bringen mich da auf eine Idee!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abrupt sprang Stephan vom Sessel auf und lief durch die Suite zu seinem Bett und zog aus der schwarzen Reisetasche eine kleinere flache Tasche heraus. Diese legte er neben die Reisetasche, zog mit einem Ruck an einem Reisverschluss und ein silbernes Notebook kam zum Vorschein. Sogleich klemmte er es unter den Arm und kam zur Couchecke zur\u00fcck. Dann setzte sich wieder auf den Sessel und klappte das nun auf seinen Knien ruhende Notebook auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem er kurz daran hantiert hatte, blickte er vom Bildschirm auf und sagte: \u201eIch m\u00f6chte Ihnen jetzt einen zum Thema passenden Ausschnitt aus dem Streifen Duell der Magier zeigen! Die Hauptperson des Films hei\u00dft Dave und ist ein m\u00e4chtiger Magier, ohne es zun\u00e4chst zu wissen. Er wird von einem alten Magier namens Balthazar entdeckt, der ihn schlie\u00dflich von seiner Gabe \u00fcberzeugen kann und ihn ausbildet. In dieser Szene des Filmes, erkl\u00e4rt Balthazar das Prinzip von Magie. Es ist jetzt nicht wichtig, die gesamte Geschichte des Films zu erz\u00e4hlen. Es kommt nur auf folgendes an.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan drehte den Laptop in Julias Richtung. Dann startete er die Filmszene. Julia sah, dass zwei M\u00e4nner in einem Oldtimer der Marke Rolls Royce sa\u00dfen, der sich durch die Stra\u00dfen einer Gro\u00dfstadt bewegte. Die beiden Personen unterhielten sich. Der eine war schlaksig wirkender junger Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDer mit der Elvis-Tolle, das ist Dave! Der Andere, das ist Balthazar\u201c, erkl\u00e4rte Stephan<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia erkannte in dem Mann, den Stephan als Balthazar betitelt hatte, den Schauspieler Nicolas Cage, der einen Dreitagebart trug und dessen schulterlange, leicht ergraute Haare wirr herabfielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Balthazar schaute mit einem kurzen Seitenblick zu dem jungen Kerl mit der Elvis-Tolle und sagte: \u201eDu wei\u00dft, dass der Mensch nur zehn Prozent seines Gehirns nutzt?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dave nickte kurz: \u201eJa!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Balthazar erkl\u00e4rte weiter: \u201eZauberer k\u00f6nnen Materie manipulieren, weil sie mit der F\u00e4higkeit geboren wurden, dass ganze Gehirn zu benutzen, was auch erkl\u00e4rt, warum Molekularphysik so `ne leichte \u00dcbung f\u00fcr dich ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chste Szene zeigte die beiden M\u00e4nner zusammen aus dem Blickwinkel von vorn durch die Frontscheibe des Autos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSekunde \u2026 ist Zauberei Wissenschaft oder Magie?\u201c, fragte Dave und aus seiner Stimme klang Verwirrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa genau! F\u00fcrs Erste brauchst du zun\u00e4chst nur einen grundlegenden Kampfzauber \u2026 das Feuermachen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Balthazar verlangsamte die Fahrt und stoppte den Wagen. Nun wechselte die Kulisse und zeigte eine afroamerikanische Verkehrspolizistin, die gerade damit besch\u00e4ftigt war, ein Kn\u00f6llchen hinter den Scheibenwischer eines vor einem Gesch\u00e4ft geparkten Autos zu stecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrenddessen fragte Balthazar: \u201eWodurch erhitzen sich Molek\u00fcle?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNa durch Schwingungen!\u201c, antwortete Dave.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort vernehmend fuhr Balthazar weiter fort: \u201eAlles was wir sehen, ist in einem dauerhaften Zustand von Schwingung, daher die Illusion von Festigkeit! Aber wie schaffen wir es, dass etwas, dass uns als fest erscheint, in Flammen aufgeht? Wir verst\u00e4rken die Schwingungen durch unseren Willen! Schritt Nummer eins \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Balthazar weitersprach, spreizte er seine rechte Hand, f\u00fchrte sie vor sein Gesicht, schloss die Augen, atmete h\u00f6rbar ein und stie\u00df die Luft sogleich wieder aus. \u201e \u2026 befreie deinen Geist. Schritt Nummer zwei: Visualisiere die Molek\u00fcle!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Balthazar, riss nun seine Rechte nach vorn in Richtung des geparkten Autos. \u201e \u2026 Schritt Nummer drei \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt wurde wieder das geparkte Auto mit der Polizistin eingeblendet, die gerade das Kn\u00f6llchen hinter den Scheibenwischer gesteckt hatte. \u201e \u2026 mach, dass sie schwingen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kn\u00f6llchen ging augenblicklich in Flammen auf. Die Polizistin zuckte erschrocken zur\u00fcck und stie\u00df ein \u00fcberraschtes \u201eOh!\u201c aus. Dann sprang sie wieder an den Wagen und versuchte mit dem Wedeln ihres Abrissblockes die Flammen zu l\u00f6schen. Jedoch war das v\u00f6llig nutzlos und sie fachte das Feuer sogar noch an. Einige vorbeilaufende Passanten hielten an und schauten am\u00fcsiert zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun wurden Balthazar und Dave aus der Seitenperspektive eingeblendet und man konnte erkennen, dass sich das Auto wieder in Bewegung setzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Balthazar fragte: \u201eKlar?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNein hier ist definitiv gar nichts klar!\u201c, erwiderte Dave und klang dabei frustriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVertrau auf den Ring, Dave, und geh behutsam vor! Die Menschen d\u00fcrfen nicht erfahren, dass Magie existiert! Das w\u00e4re zu kompliziert!\u201c, erwiderte Balthazar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dave schaute Balthazar konsterniert von der Seite an. \u201eUnd das sagt ein Typ in einem dreihundertf\u00fcnfzig Jahre alten Rauledermantel!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ob er auf diesen Satz gewartet habe, drehte Stephan das Notebook wieder zu sich und stoppte den Film.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann sagte er: \u201eGut! Mehr m\u00fcssen Sie vom Film jetzt nicht sehen! Soweit zu einer durchaus guten Darstellung, wie Magie funktioniert. Besser kann ich es auch nicht erkl\u00e4ren! Man muss die Schwingungen der Molek\u00fcle beherrschen und so die Elemente auf der Ebene der Quanten steuern. Das ist das Grundprinzip! Nur dass es im Film nat\u00fcrlich viel einfacher dargestellt wird, als es in Wirklichkeit ist. Daneben wird die Legende verbreitet, dass Magie nur von Menschen beherrscht werde, welche eine besondere Gabe daf\u00fcr h\u00e4tten. Das aber ist v\u00f6llig falsch! Jeder Mensch kann ein Magier sein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia runzelte die Stirn und zog zugleich die rechte Augenbraue in einer Art hoch, als ob ihr Stephan gerade er\u00f6ffnet h\u00e4tte, dass er in Hogwards zur Schule gegangen w\u00e4re und nunmehr als Auror t\u00e4tig sei. \u201eTats\u00e4chlich?! Das ist ja unglaublich! Also k\u00f6nnte ich das auch erlernen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eMan kann F\u00e4higkeiten, die einem innewohnen nicht erlernen! Man muss sie wecken!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie wecken? Wie geht das?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas ist das Schwierigste \u00fcberhaupt. Eine Kerze kann man mit seinem Geist nicht einfach so anz\u00fcnden in dem man sich darauf konzentriert. Wenn Sie es versuchen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden Sie scheitern, weil in Ihnen best\u00e4ndig Zweifel daran arbeiten w\u00fcrden, Ihre Absicht zu torpedieren. Es sind unsere Gedanken, die uns bei der Entfaltung unserer geistigen Kr\u00e4fte immer wieder ein Bein stellen. Dann fehlt es auch am festen Glauben, dass es funktioniert. Unsere Gedanken manifestieren sich in Zweifeln und diese machen alles zunichte. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, ihre Gedanken zu ordnen und zu kontrollieren. Sie sind unf\u00e4hig, Dinge als real und gegeben anzusehen, die nicht in das Muster althergebrachter oder wissenschaftlich anerkannter Erkenntnisse passen. Das eingeschr\u00e4nkte Wissen, welches ihnen \u00fcber die Schule, die Ausbildung, \u00fcber B\u00fccher und die Medien vermittelt wird, beraubt sie all der M\u00f6glichkeiten, die ihnen innewohnen, weil sie aus diesem Wissen die unvermeidliche Schlussfolgerung ziehen, dass es nicht funktionieren kann. Zun\u00e4chst einmal muss man also seinen Geist von all dem Unrat frei machen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan hielt inne, wandte seinen Blick von Julia ab und betrachtete das auf dem Tisch liegende Diktierger\u00e4t, dessen rot leuchtende Diode signalisierte, dass es noch immer alles Gesprochene aufzeichnete. Stephan schien irgendwie in Gedanken versunken. Dann murmelte er: \u201eDann muss man die geistige Leere suchen. Das ist ein Zustand, in dem man alles um sich herum ausblendet. Kein einziger Gedanke darf dich von dem ablenken, was du vorhast!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie versuchte zu ergr\u00fcnden, was das Diktierger\u00e4t mit dem eben Gesagten zu tun haben k\u00f6nne. Da ihr dazu nichts einfiel und Stephan kein Wort mehr sagte, schaute sie ihn erwartungsvoll an. Er schien sie jedoch gar nicht mehr wahrzunehmen, sondern starrte mit diesem merkw\u00fcrdig entr\u00fcckten Blick, den sie bereits vorhin bei ihm bemerkt hatte, auf den Tisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie folgte seinem Blick. Als sie erfasste, was sie nun sah, stockte ihr der Atem. Wie von Geisterhand gehalten schwebte das Diktierger\u00e4t \u00fcber dem Tisch. V\u00f6llig still stand es in der Luft und es schien geradeso, als l\u00e4ge es auf einer unsichtbaren Tischplatte, die sich etwa zwanzig Zentimeter \u00fcber dem Couchtisch befand. Noch immer blinkte die rote Leuchtdiode. Ein kurzer Seitenblick auf Stephan best\u00e4tigte ihr, dass dieser noch immer auf das schwebende Ger\u00e4t starrte und somit der Urheber dieses physikalischen Paradoxons sein musste. Einen Moment verharrte sie in ihrem Staunen, dann jedoch konzentrierte sie sich wieder auf das Diktierger\u00e4t, denn sie wollte nicht auch noch das Ende dieser unglaublichen Vorf\u00fchrung verpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit abwesender Stimme sagte Stephan pl\u00f6tzlich: \u201e\u00d6ffne deine rechte Hand!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Wimpernschlag lang \u00fcberlegte sie, wem diese Anweisung gegolten haben k\u00f6nnte, jedoch begriff sie sofort, dass er sie gemeint hatte. Umgehend hob sie ihren rechten Arm von der Lehne ihres Sessels in Richtung des Tisches und \u00f6ffnete die Hand. Sofort schwebte das Diktierger\u00e4t langsam auf ihre Handfl\u00e4che zu und kam \u00fcber ihr zum Stehen. Mit einer Pr\u00e4zision, die sie an eines dieser schwebenden Raumschiffe aus StarWars erinnerte, welches sich im Anflug auf das Landungsdeck eines imperialen Sternenkreuzers befand, sank es langsam auf ihre Hand herab. W\u00e4hrenddessen erfasste sie ein leichtes Kribbeln und f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde hatte sie den Eindruck, als ob sie selbst die Lenkerin dieses Landeman\u00f6vers sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann f\u00fchlte sie das kalte Metall des Ger\u00e4tes. Es lag ganz still in ihrer Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie k\u00f6nnen es nun wieder ablegen!\u201c, sagte Stephan und schaute sie dabei mit seinen graublauen Augen an, die wieder anwesend wirkten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWow!\u201c, entfuhr es Julia und blickte dabei noch immer v\u00f6llig gebannt auf das Diktierger\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Anblick ihrer anhaltenden Verbl\u00fcffung geschuldet, musste Stephan l\u00e4cheln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia schloss nun die Hand um das Diktierger\u00e4t und wirkte noch etwas abwesend, als sie sagte: \u201eSchade, dass ich kein Video gemacht habe!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs kommt nicht darauf an, dass sie dieses Ph\u00e4nomen filmen, sondern darauf, dass sie es selbst erlebt haben. Nur so kann sich Unwissenheit und Unglauben in \u00dcberzeugung wandeln. W\u00fcrden Sie meine kleine Vorf\u00fchrung als Video aufnehmen und bei Youtube hochladen, w\u00fcrden die meisten Menschen es als Fake bezeichnen, was wiederum daraus resultiert, dass ihr Schulwissen die Bewegung von Gegenst\u00e4nden mittels geistiger Kraft als M\u00f6glichkeit v\u00f6llig ausschlie\u00dft.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Julia das Diktierger\u00e4t wieder auf den Tisch legte, blickte sie ihn an und seufzte: \u201eIch glaube, Sie haben Recht! Das w\u00fcrde mir keiner abnehmen, selbst wenn ich davon ein Video gemacht h\u00e4tte. Man muss es live erleben, sonst glaubt einem das niemand!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit erkennbaren Bedauern erwiderte er: \u201eDaher w\u00e4re es sch\u00f6n, ein Podium nutzen zu k\u00f6nnen, um meine Sichtweise einer gro\u00dfen Zahl an Menschen n\u00e4her zu bringen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia spitzte die Lippen. \u201eSie denken da an eine Liveshow im Fernsehen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa genau!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOh, das ist schwierig \u2026 obwohl \u2026 Potenzial f\u00fcr hohe Einschaltquoten hat das Ganze ja! Ich werde sehen, ob sich da was machen l\u00e4sst! Ich kenne da einige wichtige Leute!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan sah sie bedeutungsvoll an: \u201eIch wusste, dass sie mir helfen w\u00fcrden!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da war sein Blick, der in ihr so ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl aufsteigen lie\u00df; ein sehr warmes, wohliges Gef\u00fchl. Irgendetwas sagte ihr, dass sie ihm blind vertrauen konnte. Dabei kannte sie ihn doch gerade erst seit einer Stunde. Die Skepsis, die sich eher beil\u00e4ufig in ihrem Verstand generierte, brachte nur noch wenig Kraft auf, als sie sich sagen h\u00f6rte: \u201eAber versprechen kann ich nichts!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie schaffen das schon, da bin ich mir ganz sicher!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Geist und Materie<\/strong><br \/>\n\u201eErkl\u00e4ren Sie mir bitte, wie das funktioniert. Ich habe zwar gesehen, dass es geht, aber ich h\u00e4tte immer gerne einen Bezug zu wissenschaftlichen Ans\u00e4tzen. Es sind die Zusammenh\u00e4nge, die mich interessieren!\u201c, sagte Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan schmunzelte. \u201eIhre Sachlichkeit ist irgendwie typisch f\u00fcr ihren Berufsstand. Sie schlie\u00dfen nicht von vornherein etwas aus, weil man es nicht wissenschaftlich erkl\u00e4ren kann, h\u00e4tten aber gleichwohl gerne eine Erkl\u00e4rung, die eine Br\u00fccke zwischen der Wissenschaft und dem speziellen Ph\u00e4nomen schl\u00e4gt. Nun gut \u2026 um ihren Ansatz aufzugreifen: Das was das Diktierger\u00e4t zum Schweben brachte war die geistige Steuerung von Quanten. Anders gesagt, habe ich mit meinem Geist ein elektrisches Feld erzeugt, das zu einer Beeinflussung der Schwingung von Quantenfeldern f\u00fchrte. Sie wissen, was Quanten sind?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia runzelte die Stirn: \u201eNaja, ich habe schon mal was von Quantenmechanik geh\u00f6rt, aber ehrlich gesagt, k\u00f6nnte ich jetzt nicht erkl\u00e4ren, was es damit auf sich hat! Da m\u00fcsste ich erst einmal googeln.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eKein Problem, ich erkl\u00e4re es Ihnen kurz. Die Bezeichnung `Quanten` wird sowohl f\u00fcr Elementarteilchen, das ist die kleinste Form von Materie, als auch f\u00fcr Energieeinheiten verwendet. Quanten k\u00f6nnen sich wie Teilchen aber auch wie Wellen verhalten. Die Erkenntnis, dass jede Materie nicht nur Teilcheneigenschaft besitzt, sondern auch als Welle beschrieben werden kann, ist eine der wichtigsten Errungenschaften der modernen Physik. Dass sich diese winzigen Dinger nicht in die herk\u00f6mmliche physikalische Betrachtungsweise einordnen lie\u00dfen, haben die Wissenschaftler durch das so genannte Doppelspaltexperiment erfahren m\u00fcssen. Bei diesem Experiment wurden einzelne Elektronen nacheinander durch eine Vorrichtung geschossen, die aus einer Platte mit zwei parallel angeordneten Spalten bestand. Sie m\u00fcssen sich das wie eine Wand mit zwei nebeneinander liegenden Schie\u00dfscharten vorstellen. Soweit klar?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia nickte kurz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGut! Zun\u00e4chst stellen Sie sich die Platte etwa so gro\u00df wie ein Fenster vor. W\u00fcrde man sie mittels einer Schussvorrichtung mit kleinen Knetk\u00fcgelchen beschie\u00dfen, so w\u00fcrde sich an der dahinterliegenden Wand durch Anhaftung der K\u00fcgelchen nach und nach ein Muster zeigen, das der Form der Spalten in der Platte entspricht. Den ganzen Aufbau verkleinert man nun soweit, dass man eine viel kleinere Platte mit zwei Schlitzen hat, durch die statt der Knetk\u00fcgelchen Elektronen geschossen werden. Was meinen Sie: Welches Muster wird sich wohl auf der hinter der Platte liegenden Wand zeigen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNa zwei schmale Schlitze!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eFalsch! Auf der hinter der Platte liegenden Wand bildet sich ein Interferenzmuster aus mehreren Streifen, das in etwa so aussieht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er nahm einen Kugelschreiber und zeichnete auf einem vor sich liegenden Schreibblock zun\u00e4chst mehrere schwarze Streifen. Danach malte er die Zwischenr\u00e4ume zur jeweiligen Mitte hin so aus, dass sie immer heller wurden und lie\u00df jeweils schmale, wei\u00dfe Stellen \u00fcbrig. Als er mit dem Zeichnen fertig war, sagte er: \u201eDie Elektronen verhielten sich in dem Experiment somit genau wie Lichtwellen, die bei \u00e4hnlichen Versuchsreihen mit der Doppelspaltplatte das selbe Interferenzmuster auf der r\u00fcckliegenden Wand verursachten! Somit wurde bewiesen, dass Materie in ihrer elementarsten Form auch einen Wellencharakter haben kann!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia starrte zun\u00e4chst auf die Zeichnung, hob dann den Kopf und sah Stephan fragend an: \u201eNun gut! Aber was bedeutet das im Hinblick auf das Schwebenlassen meines Diktierger\u00e4tes?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch kann sehr gut verstehen, warum Sie das fragen! Ich war mit meiner Erkl\u00e4rung aber auch noch nicht ganz fertig. Das Verbl\u00fcffendste habe ich Ihnen noch gar nicht mitgeteilt. Es ist n\u00e4mlich so, dass die Wissenschaftler dem Ph\u00e4nomen, dass sich die Elektronen im Doppelspaltexperiment wie Wellen verhielten, auf den Grund gehen wollten. Und so platzierten sie an den Spalten eine Messvorrichtung um zu sehen, wie die einzeln abgeschossenen Elektronen dieses Interferenzmuster bildeten. Als sie jedoch den Messvorgang einleiteten und die Elektronen wieder auf die Platte abschossen, verhielten sich die Elektronen jedoch wieder wie Materie, also wie die Knetk\u00fcgelchen, und bildeten auf der hinteren Wand genau das Muster der zwei Spalten ab. Der Vorgang des Messens, besser gesagt des Beobachtens, f\u00fchrte also zu einer Ver\u00e4nderung des Verhaltens der Elementarteilchen. Das war eine Sensation schlechthin, denn damit wurde faktisch bewiesen, dass das Beobachten Einfluss auf sie nahm. Die Wissenschaftler dachten zun\u00e4chst an einen Fehler und wiederholten das Experiment dutzende Male, jedoch kamen sie immer zum selben Ergebnis. Solange die Messung vorgenommen wurde, verhielten sich die Elektronen wie Knetk\u00fcgelchen, also wie Teilchen, sobald jedoch die Messger\u00e4te entfernt wurden, verhielten sie sich wieder wie Lichtwellen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julias lie\u00df ein leises Pfeifen vernehmen. \u201eDas bedeutet ja, dass Quanten auf die Gedanken der Wissenschaftler reagiert haben!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGenau! Wenn die Teilchen nicht beobachtet werden, dann nimmt ein einzelnes Partikel eine Superposition ein, man kann das auch eine Vielm\u00f6glichkeit nennen, und der Zufall ist das Endergebnis. Wenn sie jedoch beobachtet werden, was bei jeder Messung geschieht, dann verhalten sich Quanten so, dass sie die vorbestimmte Position einnehmen. Die wichtigste Ableitung daraus ist, dass der Geist die Quanten, damit die Materie und damit Abl\u00e4ufe beeinflusst, wenn er sich mit seinem Denken darauf fokussiert, das hei\u00dft wenn er beobachtet, wertet und somit agiert.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd das ist in der Quantenphysik anerkannt?\u201c, fragte sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan nickte kurz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAber warum wissen die Menschen nichts davon? Wenn ich mir vorstelle, welche Gedanken manche Leute hegen, dann wird mir ganz anders. Diejenigen, die im Geiste Anderen die sprichw\u00f6rtliche Pest an den Hals w\u00fcnschen, weil sie sich vielleicht gestritten haben oder weil ihnen etwas angetan wurde, w\u00fcrden ihre Gedanken dann wohl nicht so leichtfertig auf die Welt loslassen, wenn sie w\u00fcssten, was sie damit ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c, sagte Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGenau das ist das Problem. Das Wissen um die Auswirkungen von Gedanken auf Materie kann ein sowohl ein Segen, als auch ein Fluch sein. Die meisten Menschen sind nicht reif f\u00fcr dieses Wissen, daher ist es gut, dass sie an den Erkenntnissen der Quantenphysik kein Interesse zeigen. Und so bleibt bei ihnen ein einzelner Gedanke meist zu schwach, um im Quantenfeld solche Ver\u00e4nderungen zu bewirken, dass ein Wunsch Realit\u00e4t werden k\u00f6nnte. Allerdings, wenn er mit Wut und gro\u00dfen Emotionen herausgebracht wird, kann er schon eine wahrnehmbare Ereigniskette ausl\u00f6sen. Jedoch wissen die Allermeisten nicht um die Kraft ihrer Gedanken. Sie sind von ihren t\u00e4glichen banalen Aktivit\u00e4ten, von ihrem unerm\u00fcdlichen Lauf im Hamsterrad der Oberfl\u00e4chlichkeiten so sehr abgelenkt, dass sie keinen Gedanken auf ein Ziel fokussieren k\u00f6nnen. Da sie daf\u00fcr auch keinen Glauben aufbringen, verharren sie in einer Art geistigen Standby-Position, die sie daran hindert, ihr wirkliches Potenzial auszusch\u00f6pfen. Der Glaube ist der erste Schritt, um den eigenen Geist so auszurichten, dass er frei von all den Ablenkungen und Zerstreuungen gro\u00dfe Dinge bewirken kann.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia schaute ihn verwundert an: \u201eDen Geist von Ablenkungen frei zu bekommen, d\u00fcrfte ziemlich schwer sein. Wenn ich mir vorstelle, dass die meisten Menschen sehr stark auf ihren Job fokussiert sind oder schlichtweg ihren schwierigen Alltag bew\u00e4ltigen m\u00fcssen und somit permanent unter Druck stehen, weil sie die von ihnen geforderten Leistungen bringen m\u00fcssen, dann bleibt diesen Leuten wohl kaum die Zeit, um ihre Gedanken frei zu bekommen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGenau das ist das Problem. Ihr Leben k\u00f6nnte sehr viel leichter sein, wenn sie sich die Zeit nehmen w\u00fcrden, um ihren Geist frei zu entfalten. Zugegeben, das ist f\u00fcrs Erste eine gewaltige Umstellung, denn man muss sein Denken v\u00f6llig neu strukturieren! Wenn man jedoch diese Schranke \u00fcberwunden hat und die Synapsen im Gehirn neu geschaltet sind, dass sie die unendlichen M\u00f6glichkeiten des Geistes entfalten k\u00f6nnen, dann stehen alle T\u00fcren offen und der Mensch verl\u00e4sst die Box seiner eigenen Beschr\u00e4nkungen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAber wie kommt man dahin?\u201c, fragte Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNun, Sie m\u00fcssen alle alten Denkweisen, alle Zw\u00e4nge, alle S\u00fcchte hinter sich lassen. Das geht am besten, wenn man sich f\u00fcr ein paar Monate von der Au\u00dfenwelt v\u00f6llig abschottet und die Zeit an einem abgeschiedenen Ort, zum Beispiel einem buddhistischen Kloster verbringt. Keine Zeitung, kein Internet, kein Fernsehen. So habe ich jedenfalls mein Potenzial entfalten k\u00f6nnen, mit Entsagung, Meditation und \u00dcbung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia machte gro\u00dfe Augen. \u201eNicht jeder kann mal eben f\u00fcr ein paar Monate abtauchen und in ein Kloster gehen. Gibt es nicht noch andere M\u00f6glichkeiten?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan nickte. \u201eOh die gibt es! Zum Beispiel wenn sich viele Menschen zusammenfinden, die ihren Geist zeitgleich auf ein Ziel ausrichten dann werden sich diese Gedanken so potenzieren, dass sich das Quantenfeld danach ausrichtet. Je mehr Menschen es sind, umso gr\u00f6\u00dfer sind die Auswirkungen. So bewirkten in einem Fall etwa f\u00fcnfzig Menschen allein durch das Ausrichten ihres Geistes unter Meditation, dass das Wasser in einem See wieder klar wurde, der zuvor durch Menschenhand aus dem \u00f6kologischen Gleichgewicht gebracht worden war. Das war vor zwei Jahren ganz in der N\u00e4he von hier. Die Leute lie\u00dfen sich rund um den See zur Meditation nieder und richteten zeitgleich ihre Gedanken auf die Kl\u00e4rung des Wassers und die Regeneration des \u00d6kosystems. Dies wiederholten sie an drei aufeinander folgenden Tagen. Einige Tage sp\u00e4ter war das Wasser wieder klar. Die Wissenschaftler konnten sich das Ph\u00e4nomen nicht erkl\u00e4ren, galt der See doch als tot. Die Gruppenmeditation unter Ausrichtung ist eine sehr wirkungsvolle Methode, welche allerdings f\u00fcr die Weiterentwicklung der eigenen geistigen Potentiale wiederholt werden muss. Je \u00f6fters Sie ihren Geist in solchen Gruppen auf ein Ziel fokussieren, je mehr werden Sie geistige Freiheit erlangen, in dem Sie Ihr Ego-Denken ausblenden und sich in das AlleinsSein gleichschwingender Energie integrieren!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIst das nicht ein Widerspruch? Ich erlange bei dieser Methode dann geistige Freiheit, wenn ich mich einem Gruppenzwang unterwerfe!\u201c, warf Julia ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNun, auf den ersten Blick scheint es tats\u00e4chlich so. Jedoch ist es anders! Geistige Freiheit bedeutet nicht, dass man seine Individualit\u00e4t verliert, wenn man sich in etwas Gr\u00f6\u00dferes einf\u00fcgt. Einzig die mentale Isolation gibt man auf. Es ist diese Isolation, die uns von unseren wirklichen Potentialen abschirmt. Sie haben es doch vorhin selbst erlebt, was es hei\u00dft, mit allem verbunden zu sein. F\u00fchlten Sie sich dabei irgendwie unfrei?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sch\u00fcttelte den Kopf: \u201eNein! Das ganze Gegenteil war der Fall! Ich f\u00fchlte mich so frei wie nie zuvor!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSehen Sie \u2026 es ist nur ein scheinbarer Widerspruch! Die Gesetze des Universums sind mit unseren eingeschr\u00e4nkten Sichtweisen nicht immer leicht zu verstehen!\u201c, sagte Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOkay \u2026 nun habe ich vielleicht auf Anhieb nicht so viele Gleichgesinnte, die mit mir zusammen meditieren und mit denen ich mich auf ein Ziel ausrichten kann. Wie kann ich nun meinen Geist frei entfalten, all die Zw\u00e4nge loswerden und mein wahres Potential ausleben ohne gleich f\u00fcr Monate von der Bildfl\u00e4che zu verschwinden oder mir eine gewisse Anzahl an Geistesverwandten suchen zu m\u00fcssen?\u201c, fragte Julia und wischte sich beil\u00e4ufig eine Haarstr\u00e4hne aus dem Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan lachte kurz auf und sagte dann: \u201eOha! Sie sind nicht gerade die Geduldigste! Aber gut \u2026 ich kann das verstehen! Fr\u00fcher wollte ich auch immer alles sofort und musste zun\u00e4chst lernen, dass der Weg zum Ziel die meisten Erkenntnisse bereit h\u00e4lt und nicht das Ziel selbst. Allerdings durchlebt jede inkarnierte Seele ein anderes Schicksal. Die Einen kommen schneller ans Ziel als die Anderen. Wenn es gegeben ist, dann gibt es Abk\u00fcrzungen. So kann die Begegnung mit einem Avatar dazu f\u00fchren, dass sich die inkarnierte Seele wieder schneller vom Schleier der Unbewusstheit verabschiedet!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia runzelte die Stirn. \u201eAvatar?! Schleier der Unbewusstheit?! Sie sprechen in R\u00e4tseln!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan schwieg einen Moment, schien \u00fcber diesen Einwand nachzudenken. Dann sagte er leise: \u201eSorry! Ich erkl\u00e4re es kurz. Avatare sind hochschwingende Seelen reinster Energie, welche in diese Welt inkarnieren, um durch ihre Taten, durch ihr Erscheinen und Wirken Zeichen zu setzen. Sie sind es, die so genannte Wunder vollbringen und den anderen Seelen durch Vermittlung ihrer unverf\u00e4lschten Sichtweisen Hoffnung und Trost bringen, die harte Zeit der Inkarnation besser zu \u00fcberstehen und den Weg zu finden, den zu gehen, sie bestimmt sind. Einige Avatare, welche auf der Erde weilten, d\u00fcrften Sie kennen. Krishna, Jesus Christus, \u00a0Siddhartha Gautama Buddha \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Staunend \u00f6ffnete Julia den Mund. \u201eJesus war ein Avatar?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOh ja! Als er in seiner menschlichen Erscheinung auf Erden weilte, hatte er eine Sichtweise, die den Menschen seiner Zeit weit voraus war und auch noch das heutige Wissen der Menschen \u00fcbertrifft. Er wusste um das Prinzip der Quantenfelder und beherrschte die Methoden, um sie zu beeinflussen um damit die Materie zu ver\u00e4ndern. F\u00fcr ihn war Glauben nicht nur Glauben, sondern zugleich Wissen, dass es stets so ist, wie es sich im Geiste manifestiert. Er setzte dieses Wissen in seinen Handlungen um und diese wurden dann von den Menschen als Wunder angesehen. Sie hatten nicht die Kenntnisse und die Auffassungsgabe, um zu begreifen, dass Jesus nur die ewigen Gesetze des Universums und des Geistes in der materiellen Welt anwandte, in dem er zum Beispiel \u00fcber das Wasser lief oder Wasser in Wein verwandelte. Jedoch vermochte es Jesus, seinen J\u00fcngern Einsicht in seine Sichtweisen zu verschaffen. Auch wurde bestimmten Menschen bisweilen durch eine einfache Ber\u00fchrung Jesus` die Erleuchtung zuteil. Die meisten seiner Zeitgenossen vermochten es jedoch nicht, hinter den Sinn seiner Worte zu schauen. Sie h\u00f6rten zwar, was Jesus sagte, aber sie verstanden nicht, was er damit meinte. Wenn man zum Beispiel das Gleichnis mit dem Senfkorn betrachtet, wonach Jesus gesagt hat: `Wenn euer Vertrauen nur so gro\u00df w\u00e4re wie ein Senfkorn, k\u00f6nntet ihr zu diesem Berg sagen: \u2018R\u00fcck weg von hier nach dort!\u2019 Und er wird wegr\u00fccken. Nichts wird euch unm\u00f6glich sein.`, dann meinte er damit tats\u00e4chlich das, was er sagte, denn er wusste, dass man mit dem Geist die Materie beherrscht, man also den Berg mit dem Willen verr\u00fccken kann. Der Verweis auf das Senfkorn war dabei nichts anderes als der Bezug auf die winzigen Quantenteilchen, aus denen sich alle Materie zusammensetzt und durch deren geistige Beeinflussung gro\u00dfe Wirkungen in der materiellen Welt hervorgerufen werden k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAber woher hatte Jesus dieses Wissen?\u201c, fragte Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr hat es nicht bekommen. Es wohnte ihm stets inne!\u201c, antwortete Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWie meinen Sie das?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch glaube, das muss ich Ihnen nicht erkl\u00e4ren!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als k\u00f6nne sie dort eine Antwort lesen, starrte Julia auf das Blatt Papier, auf das Stephan das Interferenzmuster gezeichnet hatte. Eine Weile herrschte Schweigen im Raume. Eine pl\u00f6tzliche Erkenntnis lie\u00df sie zu ihm aufblicken. \u201eJesus ist Gottes Sohn!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seinen graublauen Augen sah er sie bedeutungsvoll an. \u201eIch wusste, dass Sie das sagen w\u00fcrden! Diese Betrachtung richtet sich f\u00e4lschlicherweise nur auf seine vermeintliche Stellung als Gottes Sohn. Da er es ist, muss ihm all das Wissen seines Vaters innewohnen. Dabei kommt eine verkl\u00e4rte Sicht auf Gott zu Tage, die durch unsere Kulturen und unsere Religionen gezeichnet wird. Danach ist Gott ein personifizierter Jemand mit einem wei\u00dfen Bart, der irgendwo sitzt und dar\u00fcber wacht, dass alle Menschen sich nach seinen Geboten verhalten und die bestraft, die ihn missachten. Hierauf folgt die Vorstellung, Jesus h\u00e4tte als Gottes Sohn die Menschen von ihren S\u00fcnden befreit, in dem er sie auf sich nahm und so die Welt rettete. Aber diese Annahme, dass Jesus f\u00fcr unsere S\u00fcnden sterben musste, ist meines Erachtens eine Art Betrug. Wie k\u00f6nnen wir als inkarnierte Seelen wachsen und aus unseren Fehlern lernen, wenn wir Jesus nur als `Heilsbringer` ansehen, der uns im Namen Gottes die Absolution erteilt, wenn wir nur rechtzeitig Reue zeigen und unsere S\u00fcnden gestehen? Was ist das f\u00fcr ein verkl\u00e4rtes Gottesbild?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan wandte den Blick von ihr ab und starrte gedankenversunken in Richtung seiner Reisetasche, die noch immer auf dem Bett stand. Als er sich Julia erneut zuwandte, hellte sich seine Miene auf, so als fiele ihm erst jetzt wieder ein, dass er mit ihr gesprochen hatte. \u201eTut mir leid, dass ich eben etwas belehrend r\u00fcberkam! Ich m\u00f6chte Ihnen die Antwort geben, warum Jesus dieses Wissen \u00fcber Quanten und die geistige Beherrschung der Materie innewohnte: Weil er bei seiner Geburt bewusst geblieben ist. Was hei\u00dft das nun? Im Unterschied zu anderen inkarnierten Seelen blieb es ihm erspart, bei seiner Geburt das Tor der Unbewusstheit zu passieren. Um zu erfassen, was ich damit meine, ist eine kurze Erl\u00e4uterung zum Thema Reinkarnation und Weltbild n\u00f6tig. Beim rein materialistischen Weltbild wird davon ausgegangen, dass der Mensch geboren wird, sein Leben lebt und stirbt. Es gibt danach keine Trennung zwischen K\u00f6rper und Geist. Mit dem K\u00f6rper stirbt auch das Bewusstsein. Die spirituelle Sichtweise, die auch meine ist, geht hingegen davon aus, dass K\u00f6rper und Geist getrennt zu sehen sind, das hei\u00dft mit dem Tod keine Einheit im Diesseits mehr bilden und die unsterbliche Seele in\u00a0die andere Dimension, das Jenseits, \u00fcbergeht.\u00a0Der Geist ist unser Ich-Bewusstsein, welches mit dem Tode des physischen K\u00f6rpers nicht einfach aufh\u00f6rt, zu existieren. Es geht weiter, denn\u00a0das `Ich` h\u00f6rt nicht auf, wahrzunehmen. Die Seele reinkarniert irgendwann in einen neuen K\u00f6rper. Warum tut sie das? Was wir auf dieser Seite, in unserem K\u00f6rper und in dieser Welt absolvieren, ist so etwas\u00a0wie ein `Ausbildungslager` um uns fortzuentwickeln.\u00a0Unsere eigene Seele hat hierbei vor der Reinkarnation das `Drehbuch`, den Lebensplan, f\u00fcr dieses Leben geschrieben. Nat\u00fcrlich sind wir uns dessen nicht bewusst. Denn man muss beim \u00dcbergang ins physische Leben das Tor der Unbewusstheit passieren. Das bedeutet, dass man nach der Verschmelzung mit seinem physischen K\u00f6rper sich nicht mehr erinnern kann, was man eigentlich in dieser Welt wollte. Diese drastische Methode hat einzig und allein den Zweck, dass man unvoreingenommen in diese neue irdische Leben eintritt und somit alle Chancen wahrnehmen kann, um die Lebensplanung ohne Einfluss der Erinnerung an fr\u00fchere Leben oder die spirituelle Existenz im Jenseits zu vollziehen. Angesichts dessen, dass da so\u00a0negative und teilweise schlimme Schicksalsschl\u00e4ge im eigenen Leben passieren, mag es unglaublich sein, dass man diese Dinge in den eigenen Lebensplan geschrieben hat. Als rationell denkender Mensch m\u00fcsste man meinen, dass man doch, wenn man es selbst in der Hand hat, sich nur Harmonie, Gl\u00fcck und Liebe in den eigenen Lebensplan schreiben w\u00fcrde. Jedoch w\u00e4re dann kein geistiges Wachstum der Seele m\u00f6glich, weil man dann doch gleich in der jenseitigen Ebene bleiben k\u00f6nnte, weil es da irdische Probleme gar nicht gibt, denn die Seele lebt dort in Harmonie, Gl\u00fcck und Liebe. Insoweit ist es einleuchtend, dass die Seele im irdischen Leben nur `wachsen` kann, wenn sie in ihren Lebensplan ein Lernpotential hineingeschrieben hat. Im Unterschied zu den anderen inkarnierten Seelen wird den Avataren ein bedeutender Teil ihrer Bewusstheit gelassen. Die Seelen, die als Avatare inkanieren, haben n\u00e4mlich bereits so viele Lebenszyklen absolviert, Erfahrungen gesammelt und Erkenntnisse gewonnen, dass sie nicht mehr inkarnieren m\u00fcssen, sondern sich freiwillig der Aufgabe stellen, andere nicht so weit entwickelte Seelen in ihrem irdischen Leben zu f\u00fchren und zu geleiten. Daher bleibt Ihnen so viel Wissen, dass sie ihre Vorreiterrolle auch spielen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia stie\u00df h\u00f6rbar Luft aus. \u201eWow! Woher wissen Sie das alles?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWeil ich die andere Seite gesehen habe, dass hei\u00dft, weil mir dabei ein Teil meiner Bewusstheit zur\u00fcckgegeben wurde!\u201c, erwiderte Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie meinen Ihr Nahtoderlebnis?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJa genau das! Wollen Sie wissen, was passiert ist?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOh gerne!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan stand vom Sessel auf, durchquerte die Suite und blieb am Bett vor der schwarzen Reisetasche stehen. Er w\u00fchlte in ihrem Inneren und zog schlie\u00dflich einen filigran verzierten, silberfarbenen Zylinder heraus. Mit dem Ding in der Hand wandte er sich zu Julia um und sagte: \u201eWas halten Sie davon, eine kurze Zeitreise zu unternehmen?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bewusstseinsmatrix<\/strong><br \/>\nDie \u00dcberraschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. \u201eEine Zeitreise?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er stutzte \u00fcber die Art ihres Staunens. \u201eKeine Zeitreise, wie Sie sich vielleicht vorstellen, sondern eine Reise zu ausgesuchten Momenten meines fr\u00fcheren Lebens. Ich m\u00f6chte Ihnen zeigen, wie ich fr\u00fcher war. Sicher k\u00f6nnte ich Ihnen das auch alles erz\u00e4hlen, aber w\u00e4re es nicht besser, wenn Sie es selbst erleben w\u00fcrden?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia riss die Augen auf. \u201eMeinen Sie allen ernstes, sie k\u00f6nnten mich zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt ihres bisherigen Lebens zur\u00fcckbringen und ich k\u00f6nnte mir selbst anschauen, was Sie damals so gemacht haben? Das klingt unglaublich! Wie soll das gehen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMit diesem Ger\u00e4t!\u201c Demonstrativ hob er den Zylinder in seiner Rechten. \u201eDas ist ein Visualisierer!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEin Visualisierer?! Und das Ding kann mich zu fr\u00fcheren Zeitpunkten in Ihrem Leben zur\u00fcckbeamen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sch\u00fcttelte den Kopf: \u201eNein, das eben nicht! Mit diesem Ger\u00e4t k\u00f6nnen Episoden aus meinem Leben vorgef\u00fchrt werden. Das hei\u00dft, der Betrachter muss nicht in der Zeit zur\u00fcckreisen um meine Erlebnisse zu teilen, sondern er begibt sich in eine Projektion, die der Visualisierer aus meiner spirituellen Bewusstseinsmatrix herausliest und auf den Betrachter \u00fcbertr\u00e4gt. Alles was wir in dieser Inkarnation, in diesem K\u00f6rper erleben und was wir bereits in fr\u00fcheren Leben, in anderen K\u00f6rpern und in jenseitigen Ebenen erlebten, wird in unserer Bewusstseinsmatrix gespeichert. Die Bewusstseinsmatrix ist an Geist und Seele gebunden, nicht jedoch an den K\u00f6rper. Ich m\u00f6chte daher betonen, dass der Visualisierer kein Gehirnscanner ist. Nur wenige der gespeicherten Informationen der eigenen Bewusstseinsmatrix sind w\u00e4hrend einer Inkarnation verf\u00fcgbar. Ich hatte vorhin bereits erl\u00e4utert, dass wir unseren vorgepr\u00e4gten Lebensplan unbeeinflusst durchlaufen sollen, daher gibt es diese Sperre. Die vollst\u00e4ndigen Informationen der Bewusstseinsmatrix sind erst wieder gegenw\u00e4rtig, wenn wir auf die jenseitige Ebene zur\u00fcckkehren. Manchmal ist es auch bestimmt, dass wir ab einem bestimmten Zeitpunkt w\u00e4hrend der Inkarnation auf Teile dieser Informationen zur\u00fcckgreifen d\u00fcrfen. Jedoch sind es w\u00e4hrend eines Lebenszyklus nur die eigenen Erlebnisse, welche als mehr oder weniger ausgepr\u00e4gte Erinnerungen im Gehirn verbleiben und dem Inkarnierten zur Verf\u00fcgung stehen. Unser bewusstes Denken wirkt wie ein Filter, durch den bestimmt wird, was von unseren allt\u00e4glichen Erlebnissen im Gehirn gespeichert werden soll und was nicht. Abh\u00e4ngig von unserer physischen und psychischen Kondition, stehen diese Erlebnisse dann zeitlebens als mehr oder weniger schwache Erinnerungen zur Verf\u00fcgung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMoment! Wollen Sie damit etwa sagen, dass unser Gehirn gar nicht all die Informationen zu erfasst, die von unserem Bewusstsein wahrgenommen werden?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGenau! Das Gehirn w\u00e4re dazu vielleicht in einem begrenzten Ma\u00dfe in der Lage, wie sich das schon bei bestimmten Menschen mit Autismus gezeigt hat, jedoch w\u00fcrden wir die gesamte ungeheure F\u00fclle an Informationen nicht verarbeiten k\u00f6nnen. Diesbez\u00fcglich sind uns durch unsere k\u00f6rperlichen Beschr\u00e4nkungen Grenzen gesetzt. Es macht auch keinen Sinn, dass das Gehirn zum Beispiel in diesem Augenblick alle Einzelheiten dieses Hotelzimmers, die ich mit meinen Augen erfasse, speichert und f\u00fcr den Rest meines irdischen Lebens verf\u00fcgbar macht. Der Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Gehirnphysiologie Sir John Carew Eccles und der gro\u00dfe \u00f6sterreichisch-britische Philosoph Sir Karl Raimund Popper haben in ihrem gemeinsamen Werk \u201eDas Ich und sein Gehirn\u201c beschrieben, dass das bewusste Selbst oder die Seele von den materiellen Gehirnfunktionen unabh\u00e4ngig existiert und beim Gehirntod nicht zerst\u00f6rt wird.\u00a0 Hierzu haben sie ein Gleichnis verwendet: Das Gehirn und der K\u00f6rper entspricht dem Computer. Das bewusste Selbst, die Psyche oder die Seele, entspricht dem Programmierer. Der Computer ist das Werk der biologischen Entwicklung der materiellen Welt eins. Der Programmierer hingegen befindet sich als g\u00f6ttliche Sch\u00f6pfung in der unzerst\u00f6rbaren Welt zwei, also au\u00dferhalb der sterblichen biologischen Welt. Dieses Gleichnis auf die Bewusstseinsmatrix bezogen, l\u00e4sst ableiten, dass diese ein Bestandteil der Programmierung, also der unzerst\u00f6rbaren Welt ist. Daher wird in ihr alles, wirklich alles, gespeichert, was von unserem Bewusstsein jemals erfasst wurde. Wenn Sie sich also heute nicht mehr erinnern k\u00f6nnen, welche Kleidung sie am 23. Mai vor zehn Jahren getragen haben, ist diese Information jedoch in ihrer Bewusstseinsmatrix vorhanden. Alle Informationen Ihres jetzigen Lebens, also auch die \u00fcber die von Ihnen vor zehn Jahren getragene Kleidung, k\u00f6nnen aus ihrer Bewusstseinsmatrix abgerufen werden. Hierzu dient der Visualisierer!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia stand vor Staunen der Mund offen und sie brachte kein Wort heraus. Dann fing sie sich und sagte: \u201eDas ist ja unglaublich! Wie funktioniert dieses Ding?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf diese Frage hin fixierte er sie mit seinen graublauen Augen und schien dabei tief in ihr Inneres zu schauen. Als er sie so ansah, f\u00fchlte sie sich irgendwie nackt; wie ein offenes Buch. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, aber es dauerte nur wenige Sekunden bis er leise sagte: \u201eIch glaube, Sie k\u00f6nnen das!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas kann ich?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSich von allen bisherigen Sichtweisen vollst\u00e4ndig l\u00f6sen! Dies ist n\u00f6tig, um zu verstehen, wie der Visualisierer funktioniert. Alles was man Ihnen in der Schule an Wissen vermittelt hat, ist nur ein Bruchteil dessen, was tats\u00e4chlich gegeben ist. Vieles von diesem Wissen ist sogar v\u00f6llig falsch. Die Menschen experimentieren zum Beispiel mit der Spaltung von Atomen und haben keine Ahnung, was sie damit anrichten. Aber ich m\u00f6chte nicht abschweifen. Der Visualisierer basiert auf der Erkenntnis, dass alle Informationen im Universum erhalten bleiben und nicht an Materie gebunden sind. Es ist das unermessliche kosmische Bewusstsein, dass wie ein riesiger, ewiger Speicher alles in sich aufnimmt und vereinigt. Dieses kosmische Bewusstsein ist allumfassend, allwissend und allgegenw\u00e4rtig. Manche Menschen nennen es Gott, andere bezeichnen es als Universum oder Nirvana. Jede einzelne Seele, man k\u00f6nnte auch sagen jedes einzelne Ich-Bewusstsein, ist aus diesem gro\u00dfen Ganzen hervorgegangen. Wir, die wir denkende, bewusste Wesen sind, sind Teil dieses kosmischen Bewussteins und untrennbar mit ihm verbunden. Das kosmische Bewusstsein ist reine Energie, die in unterschiedlichen Formen und auf verschiedenen Ebenen in Erscheinung tritt. Wenn eine Seele in einen festen K\u00f6rper inkarniert, begibt sie sich eine Welt hoch verdichteter Materie die sich auf einem energetisch niedrigeren Niveau befindet, als es in den spirituellen Ebenen vorherrscht. Die Geburt ist f\u00fcr die inkarnierte Seele eine unheimlich anstrengende Sache, weil sie bei ihrer Ankunft die Last der materiellen Begrenztheit von Raum und Zeit wie ein Schlag trifft. Wenn die Seele auf die Erde inkarniert, dann verschmilzt sie mit einem menschlichen K\u00f6rper, der in seiner physischen Form mit den begrenzten materiellen Gegebenheiten klarkommen muss. Dieser K\u00f6rper funktioniert dabei wie ein Werkzeug, dass die Seele in die Lage versetzt mit dieser materiellen Welt zu interagieren und das vorbestimmte Lebensprogramm zu absolvieren. In der Yoga-Philosophie betrachtet man den physischen K\u00f6rper als das Fahrzeug der Seele auf ihrem Weg zur Erleuchtung. Dieser Vergleich trifft es ganz gut. Die Seele bleibt, auch nachdem sie in den menschlichen K\u00f6rper inkarniert ist, stets mit den h\u00f6heren nichtmateriellen Ebenen verbunden. Jeder Mensch ist somit zwar auf der einen Seite ein materielles, auf der anderen Seite aber zugleich auch ein spirituelles Wesen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verwundert blickte sie ihn an. \u201eSoll das hei\u00dfen, dass auch ich spirituell bin?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAber selbstverst\u00e4ndlich! Es kommt dabei gar nicht darauf an, ob Sie sich dar\u00fcber bewusst sind oder nicht. Jeder Mensch verf\u00fcgt neben seinem physischen K\u00f6rper, der der Alterung unterliegt, \u00fcber einen weiteren K\u00f6rper, der der spirituellen Ebene zuzuordnen ist. Auf der physischen Ebene ist der menschliche K\u00f6rper grobstofflich. Wir k\u00f6nnen ihn auf dieser Ebene sehen, riechen und f\u00fchlen. Was die meisten von uns nicht wahrnehmen k\u00f6nnen, ist die Aura eines Menschen, in der eine Vielzahl von Energiewirbeln, die so genannten Chakras integriert sind. Man nennt dieses Gebilde von Aura und Chakras den \u00c4therk\u00f6rper. Er besteht aus feinstofflichen Teilchen, die der subatomaren Ebene zuzuordnen sind. Der \u00c4therk\u00f6rper stellt ein Energiefeld dar, ohne das ein Mensch in der hoch verdichteten materiellen Welt gar nicht existieren k\u00f6nnte. Er umschlie\u00dft den physischen K\u00f6rper wie eine H\u00fclle. Diese energetische H\u00fclle, die Aura, wird von einem komplexen System von Haupt- und Nebenchakras belebt, die sich unaufh\u00f6rlich drehen und f\u00fcr die notwendige Lebenskraft sorgen. \u00dcber den \u00c4therk\u00f6rper flie\u00dft diese feinstoffliche Energie in die physische Ebene und h\u00e4lt sie lebendig. Aber nicht nur das! Der \u00c4therk\u00f6rper bildet zugleich den Speicher f\u00fcr die Gedankenformen und Erinnerungen, die unser Bewusstsein hervorbringt. Die Aura eines Menschen wird von dessen Gedanken und Emotionen nachpr\u00fcfbar beeinflusst. Mittlerweile wurden Ger\u00e4te entwickelt, die dies sogar messen k\u00f6nnen. Abgesehen davon leben unter uns nat\u00fcrlich auch Menschen, die die Aura eines anderen direkt sehen k\u00f6nnen. Diese F\u00e4higkeit beruht auf einer Ausdehnung des normalen Sehverm\u00f6gens, die darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass Empfindsamkeit und Empathie bei diesen Menschen besonders ausgepr\u00e4gt sind. Eine solche Gabe kann sich als Segen oder auch als Fluch herausstellen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia runzelte die Stirn. \u201eWieso das denn? Ist es nicht vorteilhaft, wenn man direkt sehen kann, wie die Gef\u00fchlslage meines Gegen\u00fcbers ist?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eK\u00f6nnte man so sehen! Aber das ist nicht immer angenehm. Wenn dein Gegen\u00fcber zum Beispiel w\u00fctend oder zornig ist, dann sehen Menschen mit empathischen F\u00e4higkeiten das nicht nur an der dunklen Aura, die den betreffenden Menschen in solchen Momenten umgibt, sie sp\u00fcren es auch. Dieses Gef\u00fchl kann aber je nach St\u00e4rke der Energie wie ein Gewitter \u00fcber dich hereinbrechen und zeigt sich wie ein \u00e4u\u00dferst unangenehmer stechender Schmerz. In solchen Momenten w\u00e4re es sicher besser, wenn man diese Gabe abstellen k\u00f6nnte. Ich m\u00f6chte das aber nicht weiter vertiefen, denn eigentlich wollte ich Ihnen nur erl\u00e4utern, wie dieser Visualisierer funktioniert!\u201c Stephan deutete auf den metallischen Zylinder, den er mittlerweile auf dem Couchtisch abgelegt hatte. \u201eEs reicht also, wenn Sie sich merken, dass der Visualisierer in der Lage ist, die Bewusstseinsmatrix auszulesen und f\u00fcr jedermann sichtbar zu machen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOkay, und wie funktioniert das nun?\u201c, fragte Julia und klang dabei etwas ungeduldig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan dachte einen Moment nach, dann sagte er: \u201eIch versuche mal, diesen technisch h\u00f6chst komplizierten Prozess so zu erkl\u00e4ren, dass Sie es verstehen k\u00f6nnen. Wir nehmen also den Visualisierer und die Person, deren Bewusstseinsmatrix ausgelesen werden soll, legt eine Hand auf das Ger\u00e4t. Der Anwender, das hei\u00dft derjenige, der den Visualisierer bedient, gibt den mentalen Befehl zum Start der Erfassung. Beim Erfassungsvorgang wird ein Strom einzelner Photonen im Winkel von 45 Grad auf einen halbdurchl\u00e4ssigen Spiegel gelenkt. Passiert ein Photon den Spiegel, wird eine bin\u00e4re Eins erzeugt, eine Reflektion liefert den Wert Null. Soviel zum Kern des quantenphysikalischen Prozesses.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia blies die Backen auf: \u201cPuh! Ich verstehe nur Bahnhof!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan grinste bei dieser Bemerkung, setzte aber unbeirrt fort: \u201cDer eigentliche Ablauf geht in zwei Schritten von statten. Beim ersten Schritt werden die Schwingungsmuster sondiert. Das einzulesende Schwingungsmuster wird hierbei der Bewusstseinsmatrix zugeordnet, ein zweites Schwingungsmuster ist hingegen in der Datenbank des Ger\u00e4tes vorhanden und dient als Vergleichswert. Der Visualisierer wertet eine \u00c4hnlichkeit des erfassten Schwingungsmusters mit der in ihm vorhandenen Information als einen Hinweis aus, dass die entsprechende Information mit der Bewusstseinsmatrix in Beziehung steht. Danach folgt als zweiter Schritt die Analyse durch einen Schwingungsvergleich. Aus diesem Schwingungsvergleich l\u00e4sst sich zum Beispiel die organische und mentale Befindlichkeit eines Menschen in der aktuellen Inkarnation ermitteln. Der Visualisierer k\u00f6nnte also auch im medizinischen Bereich als ganzheitliches Diagnoseger\u00e4t eingesetzt werden. Diese Einsatzm\u00f6glichkeit soll im Moment aber nicht vertieft werden. Hat der Visualisierer also den Abgleich zwischen den Schwingungsmustern vollzogen, ist eine permanente Verbindung zwischen dem Ger\u00e4t und der Bewusstseinsmatrix des betreffenden Menschen aufgebaut. Nun werden alle in der Bewusstseinsmatrix vorhandenen Informationen abgerufen, die f\u00fcr die spezielle Analyse des Anwenders ben\u00f6tigt werden. Soweit verstanden, Julia?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt einer Antwort, stie\u00df Julia h\u00f6rbar Luft aus und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eWenn ich ehrlich bin, nein!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan kratzte sich nachdenklich am Ohr und seufzte leise. \u201eMhmmmh \u2026 ich hatte mir schon fast gedacht, dass ich Ihnen zu viel abverlange. Nun \u2026 ich versuche es mal anders zu erkl\u00e4ren. Sie haben doch ein Handy?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia nickte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSicher haben Sie auch ein Notebook und verbinden es von Zeit zu Zeit mit Ihrem Handy um bestimmte Daten zwischen den Ger\u00e4ten auszutauschen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr erneutes Nicken best\u00e4tigte seine Vermutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOkay! Dann stellen Sie sich ganz einfach vor, dass die Bewusstseinsmatrix ihr Handy und der Visualisierer ihr Notebook w\u00e4re. Was passiert, wenn sie ihr Handy zum ersten Mal mit dem Notebook verbinden?\u201c, fragte Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Betriebssystem des Notebooks erkennt das Handy und installiert einen Treiber!\u201c, antwortete Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNicht ganz! Sie haben einen wichtigen Schritt ausgelassen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia zuckte mit den Achseln und sah Stephan fragend an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser nickte kurz, als habe er diese Reaktion erwartet und sagte: \u201eDamit das Betriebssystem des Notebooks das Handy \u00fcberhaupt erkennen kann, muss in seiner Systemdatenbank eine Information \u00fcber den Handytyp vorliegen. Diese Angabe liegt in der Regel immer vor, weil das Betriebssystem \u00fcber das Internet regelm\u00e4\u00dfig die Signaturen neuer Hardware erfasst. Schlie\u00dfe ich also mein neues Handy der Marke Musterhandy, Typ 0815, \u00fcber ein USB-Kabel an mein Notebook an, erkennt das Betriebssystem, das ein Handy der Marke Musterhandy, Typ 0815, angeschlossen wurde und beginnt automatisch damit, den passenden Treiber zu installieren. Nachdem das erledigt ist, wird das Notebook das Handy der Marke Musterhandy, Typ 0815, unter tausenden anderer Handytypen sofort erkennen und eine jedes Mal sofort eine Verbindung herstellen. Diese Verbindung zwischen dem Handy und dem Notebook ist die Voraussetzung damit die beiden Ger\u00e4te zuk\u00fcnftig beliebig oft miteinander Daten austauschen k\u00f6nnen. Nun m\u00fcssen Sie sich vorstellen, das Handy w\u00e4re die Bewusstseinsmatrix eines Menschen und das Notebook w\u00e4re der Visualisierer. Beim Handauflegen auf den Visualisierer erkennt dieser, dass eine Verbindung mit einer menschlichen Bewusstseinsmatrix hergestellt werden soll. Er gleicht dann die in seiner Datenbank vorliegenden Schwingungsmuster mit dem Schwingungsmuster der zu erfassenden Bewusstseinsmatrix ab. Bei den in der Datenbank des Visualisierers vorliegenden Vergleichsmustern handelt es sich um unz\u00e4hlige Grundtypen von K\u00f6rper-Geist-Seele-Einheiten. Eine solche K\u00f6rper-Geist-Seele-Einheit kann ein Mensch sein, der auf der Erde lebt. Es kann aber auch ein Bewohner eines Planeten sein, der sich in einem weit entfernten Sonnensystem befindet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sah ihn verwundert an. \u201eMeinen Sie damit etwa, dass es auch au\u00dferirdische Lebensformen gibt und die Seele nicht ausschlie\u00dflich in menschliche K\u00f6rper auf der Erde inkarniert?!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGenau das! Es existieren sehr viele Planeten im unendlichen Kosmos auf denen die dort vorhandenen nat\u00fcrlichen Bedingungen eine Inkarnation in einen physischen K\u00f6rper zulassen. Das kann ein K\u00f6rper sein, der dem K\u00f6rper eines Menschen sehr \u00e4hnlich ist, dass kann aber auch ein K\u00f6rper sein, der eher dem Bild eines Au\u00dferirdischen entspricht, wie es durch diese vielen Hollywood-Streifen gezeichnet wurde. Sie wissen schon, diese kleinen grauen M\u00e4nnlein mit den riesigen insektenhaften Augen. Mit einer K\u00f6rper-Geist-Seele-Einheit meine ich also immer eine Inkarnationsform. In unserem Notebook-Handy-Vergleich w\u00fcrden demnach die Grundtypen von K\u00f6rper-Geist-Seele-Einheiten den vielen verschiedenen Typen von Handys entsprechen, die heutzutage in Benutzung sind. Wenn bei meinem Notebook eine Verbindung zum Internet hergestellt wird, ist dies beim Visualisierer eine Verbindung zum kosmischen Bewusstsein. Der Visualisierer erh\u00e4lt dort die notwendigen Grundinformationen um die spezielle Bewusstseinsmatrix zuk\u00fcnftig aus unendlich vielen anderen Schwingungsmustern heraus zu erkennen. Man k\u00f6nnte also sagen, der Visualisierer installiert den Treiber f\u00fcr die Bewusstseinsmatrix der Marke Mensch, Typ Max Mustermann. Sobald dies geschehen ist, stellt der Visualisierer eine permanente Verbindung zur Bewusstseinsmatrix von Max Mustermann her und ruft jeweils die Informationen ab, die f\u00fcr eine entsprechende Analyse ben\u00f6tigt werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan hielt kurz inne und fragte dann: \u201eSoweit jetzt verstanden?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Gesichtsz\u00fcge wirkten zun\u00e4chst angestrengt. Dann jedoch nickte sie kaum merklich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGut! Dann lassen Sie uns anfangen. Bitte legen Sie eine Hand auf das Ger\u00e4t!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sah ihn mit gro\u00dfen Augen an \u201eDas verstehe ich jetzt nicht! Wenn sie mir bestimmte Episoden ihres fr\u00fcheren Lebens vorf\u00fchren wollen, warum muss dann meine Bewusstseinsmatrix eingelesen werden?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Gesicht zeigte ein verst\u00e4ndiges L\u00e4cheln. \u201eDer Visualisierer ben\u00f6tigt die Schwingungssignatur ihrer Bewusstseinsmatrix um die von meiner Bewusstseinsmatrix vorhandenen Informationen jener Lebensepisoden, die ich Ihnen zeigen m\u00f6chte, in ihrem Geist projizieren zu k\u00f6nnen! Keine Angst, nach der Vorf\u00fchrung k\u00f6nnen im Speicher des Visualisierers alle Signaturen ihrer Bewussteinsmatrix wieder gel\u00f6scht werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie das vernahm, nickte sie. \u201eDann k\u00f6nnen wir loslegen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zeitblasen<\/strong><br \/>\nStephan r\u00fcckte den Zylinder auf dem kleinen Couchtisch so zurecht, dass dessen Kreisfl\u00e4chen zu den Seiten zeigten und das Ger\u00e4t genau im rechten Winkel vor ihm lag. Als er ihn so positioniert hatte, zog er seine H\u00e4nde wieder zur\u00fcck und schloss die Augen. Seine Gesichtsz\u00fcge wirkten v\u00f6llig entspannt. Es dauerte keine f\u00fcnf Sekunden, da sah Julia, dass sich oberen Bereich der Mantelfl\u00e4che des Visualisierers ein winziger Spalt \u00f6ffnete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie dachte: Wie kann das sein? Das Ding ist doch massiv, wie aus einem Guss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich schoss ein heller blauer Lichtstrahl aus der \u00d6ffnung, der \u00fcber dem Zylinder ein merkw\u00fcrdiges holografisches Objekt erzeugte. Julia erkannte darin eine geometrische Figur. Sie \u00fcberlegte, wie sie hie\u00df. Dann fiel ihr die Bezeichnung ein: Tetraeder. In der Projektion schwebten dutzende blau leuchtende Symbole und Schriftzeichen, die von halbtransparenten Kugeln umschlossen wurden, welche wiederum durch blau strahlende Linien miteinander verbunden waren. All die Kugeln und Linien bildeten ein kompliziertes geometrisches Muster. Jeweils sechs Kugeln verbanden sich zu einem kleinen Tetraeder. Diese kleinen Tetraeder alle zusammen bildeten ein gro\u00dfes Tetraeder. Das Hologramm, das von dem Zylinder in den Raum \u00fcber dem Tisch projiziert wurde, offenbarte keinerlei Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten. Starr vor \u00dcberraschung standen in Julias Augen tausend Fragezeichen. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Dieses Ding war eindeutig nicht von dieser Welt. Verwirrt blickte sie zu Stephan, dessen Augen noch immer geschlossen waren. Unvermittelt ver\u00e4nderte sich etwas. Staunend bemerkte sie, dass in dem Hologramm nacheinander einige der Kugeln violett aufleuchteten und die blauen Linien, die sie verbanden, ihre Farbe in ein helles Violett wandelten. Nun zeichnete sich in der Holografie deutlich ein violett leuchtender Bereich ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eF\u00fchre deine rechte Hand in den violetten Bereich der Projektion!\u201c, sagte Stephan, der seine Augen wieder ge\u00f6ffnet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sah ihn fragend an: \u201eDas ist aber etwas anderes als nur die Hand auf den Zylinder zu legen! Was passiert da mit mir?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan fixierte sie schweigend f\u00fcr einen kurzen Moment. Dann sagte er: \u201eOh sorry! Die Bezeichnung Handauflegen ist eine wohl nicht ganz passende Metapher. Sie entstammt dem Vorgang des Einlesens von Patienten in Analyse- und Therapiesysteme der Energiemedizin, welche heutzutage eingesetzt werden. Da gibt es zum Beispiel ein System, das sich Timewaver nennt. Ein durchaus sehr gutes und weit entwickeltes Ger\u00e4t, mit dem der Therapeut genaueste energetische Analysen durchf\u00fchren kann und das alle irgendwie gearteten Befindlichkeitsst\u00f6rungen im physischen K\u00f6rper oder im mentalen Bereich eines Menschen erkennt. Mit so einem Ger\u00e4t hatte ich auch mal gearbeitet. Dort musste man zum Einlesen der Informationsfelder tats\u00e4chlich die Hand auf das System legen. Nun habe ich aber diesen Visualisierer, der im Grunde genommen dieselben Funktionen wie der Timewaver hat. Mein Ger\u00e4t basiert aber im Unterschied zum Timewaver auf einer v\u00f6llig anderen Technologie. Mit dieser Technologie kann man unter anderem Einblicke in die Bewusstseinsmatrix jeder K\u00f6rper-Geist-Seele-Einheit erhalten. Um nun jedoch auf Ihre Frage zur\u00fcckzukommen, was da mit Ihnen passieren w\u00fcrde: Nichts weiter als ich vorhin bereits gesagt hatte; der Visualisierer erfasst die Schwingungssignatur ihrer Bewusstseinsmatrix, um sie mit dem Ger\u00e4t zu verkoppeln. Dabei bleibt ihr K\u00f6rper v\u00f6llig unangetastet, denn anders als zum Beispiel beim R\u00f6ntgen, wird beim Einlesen durch den Visualisierer keinerlei Strahlung verwendet.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Stephan sprach, starrte sie unentwegt und mehr und mehr fasziniert auf das \u00fcber dem Tisch schwebende Hologramm. In ihren Augen spiegelten sich die Linien der blauen und violetten Tetraeder. \u201eWow \u2026 Das ist wirklich beeindruckend! Wo haben Sie das her?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas zu erkl\u00e4ren, w\u00fcrde ich gerne auf nachher verschieben! Sie sollten das Ger\u00e4t erst in Aktion erleben. K\u00f6nnen wir anfangen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia nickte kurz und hob ihren rechten Arm langsam in Richtung des Hologramms. Dort wo die violettfarbenen Linien und Kugeln die Markierung setzten schob sie ihre Hand langsam in das Hologramm. An den Stellen, wo das violette Licht der Projektion ihre Haut ber\u00fchrte, versp\u00fcrte sie ein leichtes Prickeln. Als sie den Arm bis zum Ellenbogen in das Lichtspiel geschoben hatte, \u00e4nderte sich die Farbe des gesamten Gebildes in ein leuchtendes T\u00fcrkis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOkay, Sie k\u00f6nnen den Arm jetzt wieder herausziehen.\u201c, sagte Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWar das etwa schon alles?\u201c, fragte Julia und in ihrer Stimme klang ein wenig Entt\u00e4uschung mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan nickte. \u201eSie sind nun mit dem System verkoppelt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvermittelt erlosch das Hologramm und der schmale Schlitz im Zylinder schloss sich wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch immer fasziniert starrte sie auf das Ding. Es wirkte daher eher beil\u00e4ufig, als sie sagte: \u201eStephan, noch eine Frage! Mir ist aufgefallen, dass Sie den Zylinder, als er dieses Wahnsinnshologramm in den Raum zauberte, es nicht ein einziges Mal ber\u00fchrt hatten! Wie bedienen Sie dieses Ding?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wissend l\u00e4chelte er, als er sagte: \u201eAusschlie\u00dflich mit meinen Gedanken! Wie Sie bald bemerken werden, projiziert der Visualisierer nicht nur Bilder in die materielle Welt. Dieser Effekt ist eher nebens\u00e4chlich und er wird eigentlich nur angewandt, um die Probanden einzulesen. Der Rest l\u00e4uft ausschlie\u00dflich auf der geistigen Ebene ab. Aber ich m\u00f6chte Sie nun wirklich nicht noch mehr verwirren!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEntschuldigen Sie! Ich wollte Sie mit meiner Fragerei nicht aus dem Konzept bringen. Alles was ich hier mit Ihnen bisher erleben durfte, war irgendwie faszinierend. Es ist, als h\u00e4tte sich in meinem Inneren eine T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Ich kann dieses Gef\u00fchl nicht anders beschreiben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan bedachte Sie mit einem verst\u00e4ndnisvollen L\u00e4cheln. \u201eDas ist v\u00f6llig Ordnung. Darum sind Sie hier!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie diese Antwort vernahm, die wieder einmal nur eine Andeutung enthielt, \u00fcberlegte Julia, was er damit meinte. Ihre innere Stimme sagte ihr, dass sich das alles noch kl\u00e4ren w\u00fcrde und sie einfach noch etwas Geduld haben m\u00fcsse. Sie stie\u00df vernehmbar Luft aus, was so etwas wie Entschlossenheit anzeigte und sagte: \u201eLassen Sie uns loslegen! Ich kann Sie ja auch nachher noch mit meinen Fragen l\u00f6chern!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eGut! Nun machen Sie es sich auf der Couch bequem. Sie k\u00f6nnen sich ruhig lang machen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Grund dieser Aufforderung gr\u00fcbelte sie dar\u00fcber nach, dass sie ihm w\u00e4hrend der Zeit ihrer Verkoppelung mit dem System v\u00f6llig ausgeliefert w\u00e4re. Ihre Intuition sagte ihr jedoch, dass sie ihm blind vertrauen konnte. Und so zog sie sich die Pumps von den F\u00fc\u00dfen und streckte sich auf der Couch aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen hatte es sich Stephan auf dem Sessel ebenfalls bequem gemacht und die Beine zu einem Lotussitz verknotet. Leise sagte er: \u201eSchlie\u00dfen Sie die Augen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst war da nur Dunkelheit. Obwohl ihr noch bewusst war, dass sie auf der Couch in Stephans Hotelzimmer lag, versp\u00fcrte sie eine merkw\u00fcrdige Weite in dieser Schw\u00e4rze. Es war aber nicht so, wie es sich sonst anf\u00fchlte, wenn man sich entspannte und die Augen schloss. Da war irgendwie mehr. Langsam, geradezu \u00fcbergangslos, wurden ihre Gedanken von einer geistigen Pr\u00e4senz \u00fcberlagert, die sie nicht zu deuten vermochte. Es war ein eigenartiges Gef\u00fchl, irgendwie fremd und trotzdem vertraut. Pl\u00f6tzlich war da ein hohes, kaum wahrnehmbares Piepen in ihren Ohren, begleitet von eigenartigen Reizen, die ihren K\u00f6rper an den unterschiedlichsten Stellen erfassten. Sie sp\u00fcrte, wie sich ihre Muskeln spannten und ihr eine geheimnisvolle, markante Kraft zufloss. Zugleich bemerkte sie, dass jegliches Gef\u00fchl aus ihrem K\u00f6rper zu entgleiten schien. Sie konnte es nicht stoppen. Ihr K\u00f6rper war nicht mehr unter ihrer Kontrolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvermittelt zeigte sich in der dunklen Schw\u00e4rze ein Licht, das zuerst nur klein war aber schnell gr\u00f6\u00dfer wurde. Jetzt bemerkte sie, dass es auf sie zukam. Pl\u00f6tzlich explodierte es in ihrem Bewusstsein, als ob sie einen kurzen Augenblick in das Blitzlicht einer Kamera geschaut h\u00e4tte. So, wie man nach einer kurzzeitigen Blendung sein Sehverm\u00f6gen wieder zur\u00fcckerh\u00e4lt, kl\u00e4rte sich nun das Bild und Julia h\u00e4tte es den Atem verschlagen, wenn sie noch v\u00f6llig sie selbst gewesen w\u00e4re. Aber das war sie nicht. Langsam erfasste sie die Situation. Sie konnte es nicht steuern, denn der K\u00f6rper in dem ihr Geist nun steckte, war nicht ihrer. Es war Stephan. Es waren seine Augen, mit der sie sah, was er sah. Es waren seine Ohren, mit der sie h\u00f6rte, was er h\u00f6rte. Aber nicht nur das, war es, was sie zutiefst verwirrte. Sie vernahm seine Gedanken, sp\u00fcrte seinen Unmut, nahm seine Sichtweise wahr. Er sa\u00df an einem langen Tisch in einem Gerichtssaal. Sie brauchte sich nicht umzuschauen, was sie in diesem Moment aus eigenem Willen ohnehin nicht vermocht h\u00e4tte; ihr war bewusst, wo sie sich befand; Sitzungssaal 2 im Amtsgericht Saalthal. Das alles hier war so real, dass sie es nicht fassen konnte. Sie konnte sogar diesen merkw\u00fcrdig abgestandenen Geruch von alten M\u00f6beln und Bohnerwachs wahrnehmen, wie er in \u00e4lteren Verwaltungsgeb\u00e4uden oder Museen so typisch war. Sie, die nun zugleich er war, starrte zum gegen\u00fcberliegenden Tisch an dem ein hagerer Mann mit einer Halbglatze sa\u00df, der mit einer schwarzen Robe bekleidet war. Sie musste nicht ergr\u00fcnden, wer das war, sie wusste es einfach. Das war Rechtsanwalt Dr. Graumann mit dem er hier des \u00d6fteren gesessen und die juristischen Klingen gekreuzt hatte. Das Auftreten des Mannes war penetrant aggressiv und man konnte dem stechenden Blick seiner w\u00e4ssrig blauen Augen kaum standhalten. Neben Dr. Graumann sa\u00df ein gro\u00dfer korpulenter Mann, dessen Haare auf Millimeterl\u00e4nge kurz geschnitten waren. Sein karierter Anzug mochte nicht so recht zu ihm passen und dessen bunte Krawatte schon gar nicht zu dem Anzug. Schwei\u00dfperlen standen auf der Stirn des Fleischklopses. Der Typ war Dr. Graumanns Mandant, Viktor M\u00fcller, ein windiger Gebrauchtwagenh\u00e4ndler, der Stephans Klienten einen schrottreifen Toyota Carina E f\u00fcr den v\u00f6llig \u00fcberzogenen Preis von 8.500 Deutschen Mark verkauft hatte. Stephans Mandant war Patrick Gehlhard, ein zweiundzwanzig Jahre alter Medizinstudent, der das Geld f\u00fcr den Autokauf von seiner Oma geschenkt bekommen hatte und keine zwei Wochen nach dem Autokauf mit der Schrottkarre auf der Autobahn liegen geblieben war. Der Mann vom Pannendienst hatte die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammen geschlagen und ihm ziemlich deutlich gemacht, dass das Auto ein Unfallwagen war, der in die Schrottpresse und keinesfalls auf die Stra\u00dfe geh\u00f6rte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie, die nun zugleich er war, vernahm Dr. Graumanns unangenehm schneidende Stimme: \u201eHerr Vorsitzender, wie sich erwiesen haben d\u00fcrfte, hat der Zeuge des Kl\u00e4gers die Unwahrheit gesagt. Nach den Aussagen der von der Beklagtenseite benannten Zeugen Fuchs und Petrovski d\u00fcrfte feststehen, dass der Kl\u00e4ger vom Beklagten bei den Kaufverhandlungen \u00fcber den streitgegenst\u00e4ndlichen Wagen alles erfahren hat, was \u00fcber den Zustand desselben zu sagen war. Demnach war dem Kl\u00e4ger bekannt, dass es sich um einen Unfallwagen handelte. Dass er ihn gleichwohl unbedingt haben wollte, weil ihm das Modell so gut gefiel und beim Beklagten kein zweites Fahrzeug dieser Baureihe zur Verf\u00fcgung stand, war dann seine eigene Entscheidung. Im \u00dcbrigen erinnere ich an die Regelung unter Ziffer 10 des Kaufvertrages vom 23. Februar 2000, wonach der Kaufgegenstand wie besichtigt gekauft wird und alle Gew\u00e4hrleistungsanspr\u00fcche aus etwa verdeckten M\u00e4ngeln ausgeschlossen sind. Der Kl\u00e4ger hat den Vertrag so unterschrieben und Vertr\u00e4ge sind bekanntlich einzuhalten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie bemerkte, wie in Stephan die Wut aufstieg. Er setzte zum Sprechen an und sie sp\u00fcrte, wie er den Mund \u00f6ffnete. \u201eHerr Vorsitzender, das ist ja wohl der Gipfel der Unverfrorenheit, was da die Gegenseite vortr\u00e4gt. Nach den Aussagen des Zeugen Lehmann, der meinen Mandanten bei dem Autokauf begleitet hatte, war die Zeugen Fuchs und Petrovski bei den Kaufverhandlungen gar nicht zugegen. Es ist nicht zu fassen, dass hier vor Gericht so unverfroren gelogen wird!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend er das sagte, wanderte sein Blick zum Richter, der hinter seiner langen Richterbank aus massivem Eichenholz sa\u00df, welche auf einem Podium stand. Der Richter hie\u00df Friedrich Eisner. Mit seinem schlohwei\u00dfen vollen Haar und dem ordentlich getrimmten Vollbart bot er eine geradezu autorit\u00e4re Erscheinung. Seine vielen Falten zeugten von den unz\u00e4hligen Streitereien, die er zeitlebens in den Gerichtss\u00e4len hatte schlichten m\u00fcssen. Adlergleich schwankte sein fester Blick zwischen den B\u00e4nken der Streitparteien hin und her und seine Gesichtsz\u00fcge waren dabei v\u00f6llig undeutbar. Einige Sekunden herrschte eine solche Stille im Raume, dass man die Luft schneiden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvermittelt knallte der Richter seine geballte Faust auf den Tisch und donnerte mit seiner tiefen, kr\u00e4ftigen Stimme in den Saal: \u201eDas ist ein Possenspiel sonders gleichen meine Herren! Es ist gemeinhin bekannt, dass vor Gericht gelogen und betrogen wird, dass sich die Balken biegen. Aber nicht in meinem Gerichtssaal. So etwas dulde ich einfach nicht. Irgendjemand hat hier soeben die Unwahrheit gesagt. Und da die Zeugen auf Ihren Antrag hin vereidigt wurden, hat von diesen auch jemand einen Meineid geschworen. Wie sie wissen, wird das in jedem Falle mit einer Freiheitsstrafe geahndet. Ich werde die Sache dem Staatsanwalt \u00fcbergeben, sobald ich mit diesem Verfahren fertig bin. Vorher werde ich mein Urteil f\u00e4llen. Beschlossen und verk\u00fcndet, Termin zur Verk\u00fcndung einer Entscheidung wird anberaumt auf den 24. Juni, 14.00 Uhr, Saal 2. Die Verhandlung ist geschlossen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er das vernahm, st\u00fcrzten tiefe Zweifel auf Stephan ein. Sie sp\u00fcrte, dass ihm unwohl war. Nicht allein! Auch ihr war unwohl. Seine Gedanken \u00fcberschlugen sich. War es richtig, dass ich die Zeugen Fuchs und Petrovski habe vereidigen lassen? Nur deshalb hat Dr. Graumann ja auch meinen Zeugen vereidigen lassen. Wer hat nun gelogen? Muss nun einer der Zeugen wegen meiner Unzul\u00e4nglichkeit ins Gef\u00e4ngnis?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich war da ein stechender Schmerz in seiner Brust, der ihm den Atem nahm. Er rang nach Luft und kippte vom Stuhl zur Seite. Die Perspektive die so zugleich auf ihr Bewusstsein einst\u00fcrzte, war eigenartig. Sie sp\u00fcrte wie ihr Geist, nein eigentlich sein Geist, aus seinem K\u00f6rper katapultiert wurde. Sie sah die Szene nun von oben. Es war, als w\u00fcrde sie an der Decke des Gerichtssaales kleben. Mit gekr\u00fcmmtem Oberk\u00f6rper lag Stephan nun hinter der Kl\u00e4gerbank neben dem Stuhl, auf dem er soeben noch gesessen hatte. Aller Schmerz war in dem Moment verflogen, als sein Geist den K\u00f6rper verlassen hatte. Ein eigenartiges Gef\u00fchl stieg in ihr hoch. War das da unten Stephan? Er sah so anders aus! Der Stephan, den sie kennen gelernt hatte, war schlank und wirkte stets agil. Der K\u00f6rper da unten war deutlich f\u00fclliger. Sein Gesicht war von roten Flecken gezeichnet und wirkte irgendwie krank. Als sie die Szenerie unter sich beobachtete, bemerkte sie, dass ihre Sinne das Geschehen viel deutlicher wahrnahmen. Es war, als w\u00e4re ein Schleier von ihr genommen worden, der ihre bisherige Sicht eingeschr\u00e4nkt hatte. Sie sah, wie sich Patrick Gelhard hektisch daran machte, die St\u00fchle zur Seite zu schieben und sich neben Stephans leblosen K\u00f6rper kniete. Er f\u00fchrte die Hand in Richtung des Halses und f\u00fchlte den Puls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz darauf rief er in Richtung der Richterbank: \u201eWir brauchen sofort einen Krankenwagen! Sein Puls ist unregelm\u00e4\u00dfig und kaum noch zu sp\u00fcren! Vermutlich hat er einen Herzinfarkt! Hat jemand ein Handy dabei?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Richter sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDas bringt hier nichts! Kein Empfang!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Protokollantin, eine ebenfalls mit einer schwarzen Robe bekleidete schlanke, h\u00fcbsche junge Frau mit schulterlangen blonden Haaren, die eben noch an der Seite der Richterbank auf einem Stuhl vor ihrem Computer gesessen und beh\u00e4nde in die Tasten gehauen hatte, war erschrocken aufgesprungen und schaute betreten zum Richter. Es schien, als wisse sie nicht, wie sie reagieren solle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unwirsch blickte der sie an und rief: \u201eNun laufen Sie schon und rufen Sie den Notarzt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit eiligen Schritten schoss die junge Frau davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia nahm noch wahr, dass Stephans Mandant ihn unter den Achseln anpackte, seinen Oberk\u00f6rper hochzog und gegen die Wand lehnte, dann trieb es sie von diesem Ort fort. Sie h\u00f6rte ein Ger\u00e4usch, das wie ein aus weiter Ferne kommendes Glockenl\u00e4uten klang. Gleichzeitig mit dem Auftreten des Ger\u00e4usches hatte sie das Gef\u00fchl, als ob sie sehr rasch durch einen dunklen Tunnel gezogen w\u00fcrde. Es kam ihr dabei so vor, als w\u00fcrde sie in einem Vergn\u00fcgungspark Achterbahn fahren. Zuerst war der Tunnel nur in ein diffuses Licht getaucht und sie konnte nicht erkennen, wo sein Ende war. Dann jedoch erkannte sie ein Licht. Es war erst nur ein winziger Punkt. Wegen der irrwitzigen Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegte, wurde er aber sehr schnell gr\u00f6\u00dfer und sie sah, dass es das Ende des Tunnels war und dass das Licht von einem Wesen ausging, das dort auf sie wartete. Nun ja, eigentlich wartete es ja auf Stephans Geist. Erneut wurde ihr bewusst, dass die Projektion so real war, dass man glauben konnte, dass dieses Erlebnis das eigene w\u00e4re. Es war jedoch nur ein kurzer Gedanke, denn sofort zogen sie die Geschehnisse wieder in ihren Bann. Nun befand sie sich unmittelbar vor dem Wesen. Die Leuchtkraft seines Strahlens war mit nichts vergleichbar, was sie je gesehen hatte. Trotz seiner unbeschreiblichen Helligkeit blendete dieses Licht nicht. Ungeachtet seiner ungew\u00f6hnlichen Erscheinungsform hatte sie nicht den geringsten Zweifel daran, dass diesem Lichtwesen ein eigenes Bewusstsein innewohnte. Eine unbeschreibliche, alles durchdringende Liebe und W\u00e4rme str\u00f6mte Stephan und zugleich ihr von diesem Wesen zu. Sie f\u00fchlte sich davon vollkommen umschlossen und ganz darin aufgenommen und so empfand sie das Wesen als eine Art Engel, der in diese unfassbare Liebe aus Licht geh\u00fcllt war. Es war dieses vollkommene Gef\u00fchl von Geborgenheit und Bejahung, das auf sie eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus\u00fcbte. Nun sp\u00fcrte sie, dass der Lichtengel mit Stephans Geist Verbindung aufnahm und einen Gedanken an ihn richtete, der als Frage in sein Bewusstsein eindrang. Was hast du mit deinem Leben angefangen, was bestehen kann, damit du hier bleiben darfst?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies war keine Kommunikation wie sie sie im Zustand der K\u00f6rperlichkeit gewohnt war, sondern eine direkte, ungehinderte Gedanken\u00fcbertragung und zwar auf eine so klare Art, dass es keine Missverst\u00e4ndnisse geben konnte. Und so wusste sie, dass die Frage von dem Wesen keinesfalls anklagend oder vorwurfsvoll gestellt worden war. Sie sp\u00fcrte sofort, dass Sinn der Frage vielmehr darin zu liegen schien, Stephan anzuregen, sein Leben offen und ehrlich zu durchdenken und ihm zu helfen, selbst auf dem Weg der Wahrheit voranzuschreiten. Da sie die Frage nicht beantworten konnte, da sie ja an ihn gestellt worden war, achtete sie nun darauf, was in seinem Bewusstsein vorging. So entging ihr nicht, dass Stephan sofort nach dem tieferen Sinn der Frage suchte, um dem Lichtwesen eine Antwort zu geben, die ihm gefallen k\u00f6nnte. Augenblicklich flog ihm ein Gedanke des Wesens zu, den man nur als eine Art energetisches Kopfsch\u00fctteln beschreiben konnte. Sofort erkannte Julia, dass es dem Lichtengel keineswegs darauf ankam, dass der Befragte eine gef\u00e4llige Antwort gab, sondern darauf, dass das Gesagte aus einer tiefen Selbsterkenntnis hervortreten sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so stellte der Lichtengel ohne den geringsten Ansatz von Strenge klar, dass er weder Lehrer noch Richter war, als er sagte: Es ist dein Leben! Du allein hast alles bestimmt! Lass uns schauen, wie du es selbst siehst!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abrupt wurde eine Szene von best\u00fcrzender Eindringlichkeit eingeleitet, welche Julia wohl nie wieder vergessen w\u00fcrde. Sich \u00fcberhaupt vorstellen zu wollen, dass so etwas m\u00f6glich sei, h\u00e4tte sie wohl im k\u00f6rperlichen Zustand wahnsinnig werden lassen. Aber im rein geistigen Zustand war dies anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Lichtengel initiierte nun einen Prozess, bei dem er das bisherige Leben Stephans in einer Art von Erinnerungsbildern vor ihm ausbreitete. Das Ganze lief mit blitzartiger Geschwindigkeit ab indem alle Geschehnisse gleichzeitig erschienen und mit einem Blick des geistigen Auges erfasst wurden. Gemessen an irdischer Zeit war die Vorf\u00fchrung in einem einzigen Augenblick vor\u00fcber. Gleichwohl erlebte Julia diese R\u00fcckschau auf Stephans Leben in allen mannigfaltigen Facetten, indem jede einzelne Lebensepisode vorgef\u00fchrt wurde. Von den geringf\u00fcgigsten bis zu den bedeutsamsten Handlungen enthielt die R\u00fcckschau alles, was er je in seinem Leben getan hatte. So begann das Lebenspanorama bei jenem Augenblick, als er aus dem Mutterleib gepresst wurde und endete bei jener Szene im Gerichtssaal, als er zusammengebrochen war. Merkw\u00fcrdigerweise sah sie das alles nicht mit Stefans Augen, sondern aus der Perspektive eines imagin\u00e4ren Beobachters. Es schien gerade so, als sei in Stephans Leben stets eine holografische Kamera mitgelaufen, die nicht nur die jeweiligen audiovisuellen Eindr\u00fccke einer Situation aufgezeichnet hatte, sondern auch die Emotionen aller beteiligten Menschen. Daher sah sie in seinem Lebenspanorama nicht nur jede einzelne Handlung, die Stephan je in seinem Leben ausgef\u00fchrt hatte, sondern nahm auch unmittelbar die Folgen wahr, die jede Handlung auf die Beteiligten hatte. Als sie zum Beispiel sah, wie Stephan als kleiner Junge seinem j\u00fcngeren Bruder Ralph ein Spielzeugauto wegnahm, weil er selbst damit spielen wollte und wie er in diesem Moment die Macht des \u00c4lteren und St\u00e4rkeren ausspielte, nahm sie sofort das Bewusstsein des kleinen Bruders an; f\u00fchlte seine Traurigkeit, seine Kr\u00e4nkung und seinen Schmerz. Wie Blasen aus lebendigen Bildern st\u00fcrzten solche Augenblicke auf ihr Bewusstsein ein und offerierten ihr ein an und f\u00fcr sich fremdes Leben, das ihr doch gleichzeitig so vertraut wurde. Und so erlebte sie unter anderem jene sch\u00f6nen Momente, in denen Stephan als Sechsj\u00e4hriger mit seinem Opa durch die W\u00e4lder streifte und der alte Mann ihm eine tiefe Verbundenheit zur Natur vermittelte; f\u00fchlte aber auch jenen Augenblick tiefster Trauer und Entt\u00e4uschung nach, als der Gro\u00dfvater in einem Anfall von Zorn seinen Jagdhund im Wald an einen Baum band und ihn erschoss, weil das Tier alle H\u00fchner auf Nachbars Grundst\u00fcck totgebissen hatte. Wie dieses Erlebnis, gab es in Stephans Leben noch so viele weitere, die ein breites Spektrum von Reaktionen hervorriefen, welche letztlich aber seine Pers\u00f6nlichkeit pr\u00e4gten. Er war ein gutm\u00fctiger offenherziger Mann. Und weil er so war, tappte er in die Falle. Julia sah, wie Stephan w\u00e4hrend seines Studiums eine Frau namens Birgit kennen lernte, erlebte, wie sie ihn nach und nach ihrem Willen unterwarf. Sie war eine sch\u00f6ne Frau, sehr attraktiv, aber Julia sah sofort, dass in ihren Augen keine Liebe war. F\u00fcr Stephan war diese Beziehung zu Birgit eine Achterbahnfahrt und wandelte sich schnell vom Hochgef\u00fchl zur Frustration. Irgendwann wollte er sich trennen, weil er ihre ewigen Bevormundungen satt hatte. Doch zu einer Trennung kam es nie. Als Birgit auf dem Sims jener hohen Autobr\u00fccke \u00fcber dem Albers stand und Stephan drohte, sie werde springen, lie\u00df er sich von ihrer Erpressung beeindrucken. Die Distanz bis zur Wasseroberfl\u00e4che hatte etwas Bedrohliches an sich. In diesem Moment sp\u00fcrte Julia Stephans Zweifel; konnte seinen inneren Kampf nachempfinden. Er hatte sich irgendwie aufgegeben, schwebte in der Illusion, dass er diese Frau vielleicht lieben k\u00f6nnte. Und so kam es, dass er sich entschuldigte und sie \u00fcber das Br\u00fcckgel\u00e4nder zur\u00fcck auf den Fu\u00dfweg kletterte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenig sp\u00e4ter heirateten sie. Nach Au\u00dfen hatte die Ehe einen geradezu perfiden Anschein von Perfektion, dessen Inszenierung seine Frau perfekt beherrschte. Er suchte Abstand im Berufsleben und wurde durch seinen Flei\u00df und seine Beharrlichkeit zum erfolgreichen Anwalt. So weit es eben ging, entzog er sich durch Abwesenheit, vergrub sich in seine Arbeit und verfluchte bald sogar die Freitage, weil er die Wochenenden mit ihrer programmierten Familienharmonie nicht mehr ertragen konnte. Als jedoch seine Tochter Clara geboren wurde, bl\u00fchte er f\u00f6rmlich auf. Sie war sein kleiner blonder Sonnenschein, nahm ihn so, wie er war und er liebte sie \u00fcber alles. Die Kleine wuchs heran, lernte krabbeln, sprechen, laufen und das waren sch\u00f6ne Zeiten f\u00fcr ihn. An der Trostlosigkeit seiner Ehe \u00e4nderte sich jedoch wenig. Obwohl er \u00f6fters \u00fcber eine Scheidung nachdachte, scheute er sich davor, Clara seiner Frau allein zu \u00fcberlassen, so lange sie noch so klein war. So verwarf er all die Gedanken an eine Trennung und ergab sich seiner selbst gew\u00e4hlten Perspektivlosigkeit. Clara wurde \u00e4lter und irgendwann fiel ihm auf, dass sie mehr und mehr Charakterz\u00fcge seiner Frau annahm. Irgendwie wollte er gegensteuern, jedoch fehlte ihm die Zeit dazu. Zu selten war er zu dann Hause, wenn Clara nicht gerade schlief oder in der Schule war. Was ihren Lebensstil betraf, wurde seine Frau immer anspruchsvoller. Sie genoss es geradezu, Unsummen an Geld f\u00fcr teure Kleidung, luxuri\u00f6se Urlaubsreisen sowie exklusive M\u00f6bel und Accessoires auszugeben. Und weil der Rubel rollen musste, verbrachte er die meiste Zeit in seiner Kanzlei obwohl ihm sein Job schon lange keine Befriedigung mehr brachte. Gleichwohl er so viel Geld verdiente, er sich \u00fcber die Anzahl lukrativer Auftr\u00e4ge nicht beklagen konnte, war es nicht das, was er eigentlich tun wollte. Irgendetwas in ihm str\u00e4ubte sich dagegen. Die Mandanten, die auf ihn einen immer w\u00e4hrenden Erwartungsdruck aus\u00fcbten, brannten ihn aus. Die st\u00e4ndigen Auseinandersetzungen in den Gerichtsverfahren machten ihn m\u00fcde. Und so ver\u00e4nderte er sich; wurde mehr und mehr zu einem gebeugten Mann. Dann jedoch kam jener Tag, als er im Gerichtssaal vom Stuhl kippte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit hatte die R\u00fcckschau ein j\u00e4hes Ende gefunden. Nun fragte der Lichtengel: <em>Was ist f\u00fcr dich das Wichtigste im Leben?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia sp\u00fcrte, dass Stephan zwar noch unter dem Eindruck jener Retrospektive auf sein Leben stand, jedoch all die Ereignisse nun in einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang einzuordnen vermochte. Unversehens drang ein Gedanke aus seinem Bewusstsein, den er geradezu euphorisch hervorbrachte und gar nicht erst abzuw\u00e4gen versuchte. Die Liebe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sofort stimmte das Wesen freudig zu und es schien, als habe Stephan durch seine aufrichtige Antwort eine wichtige Pr\u00fcfung bestanden. Er war einfach nur noch gl\u00fccklich und wollte die N\u00e4he des Wesens nie mehr missen. Und so kam es f\u00fcr Stephan v\u00f6llig \u00fcberraschend, als das Licht sagte: Nun musst du wieder zur\u00fcck in dein Leben! Du hast noch eine Aufgabe zu erledigen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Ank\u00fcndigung versetzte Stephan in eine tiefe Niedergeschlagenheit. Nein, bitte lass mich hier!, rief er dem Wesen verzweifelt zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ehe er noch eine Antwort empfangen konnte, wurde er mit \u00fcberirdischer Kraft in den Tunnel gezogen. Das Licht schwand eben so schnell wie es gekommen war und verging schlie\u00dflich als Punkt in der unendlichen Schw\u00e4rze des Nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Metamorphose<\/strong><br \/>\nEs war ein Erwachen wie aus einem traumlosen Ersch\u00f6pfungsschlaf. Die ersten Momente wirkten bleiern. Julia registrierte, dass sich Stephan kaum bewegen konnte. Seine Reflexe waren wie eingefroren. Ein Piepen erreichte sein Bewusstsein. Es hatte einen gewissen Rhythmus und irgendwie schien es synchron mit diesem Pochen zu sein, das in seiner Brust schlug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Piep \u2026 Piep \u2026 Piep \u2026 Piep \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann schlug er die Augen auf und sie nahm ein wei\u00dfes, unangenehmes Licht wahr, das ihm in den Augen brannte. Es war ein anderes Licht, gar nicht mit dem zu vergleichen, was er eben noch gesehen hatte. Das andere war heller, intensiver, aber es war sch\u00f6n und voller Liebe. Diese Helligkeit hier \u2026 einfach nur brutal. Er schloss die Augen und \u00f6ffnete sie gleich wieder. Ein Wimpernschlag, eine Ewigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Konturen kamen zur\u00fcck und die grauen Schatten nahmen Gestalt an. Julia vernahm ein verzerrtes Gewisper. Es war undeutliches Kauderwelsch, das aus einem Mund drang, der sich in einem Gesicht bewegte, welches direkt \u00fcber Stephan war. Fremde Augen blickten ihn an. In ihnen war Erleichterung zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam d\u00e4mmerte es ihm und Julia vernahm seine Gedanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat das etwas mit mir zu tun? Verdammt! Ich sollte nicht hier sein! Warum hat es das getan?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia konnte es kaum glauben. Gleichwohl er so schwach war, war er w\u00fctend. Nein, das war es nicht ganz. Zu dieser Wut kam noch ein Gef\u00fchl von tiefer Verletztheit. Eine Verletztheit, die darauf beruhte, dass er zur\u00fcckgeschickt worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kauderwelsch wurde deutlicher. \u201eHerr Reichenbach k\u00f6nnen Sie verstehen, was ich sage? Wenn ja, dann heben sie kurz ihren linken Arm.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesicht, das zu einem Mann geh\u00f6rte, schaute ihn nun pr\u00fcfend an und eine Hand fuchtelte vor seiner Nase herum. Dann leuchtete er ihm mit Etwas direkt in sein rechtes Auge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hey \u2026 ich will das nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHallo Herr Reichenbach, ich bin Dr. Klausen. K\u00f6nnen Sie mich h\u00f6ren?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mann, das nervt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann hob er seinen Arm, aber nur, damit das Gesicht endlich die Klappe hielt und damit aufh\u00f6rte, ihn mit dieser gr\u00e4sslichen Funzel zu blenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesicht schaltete die Lampe aus und sagte: \u201eSehr sch\u00f6n \u2026 aber bitte nicht sprechen, Sie sind noch viel zu schwach!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wei\u00df ich selbst! Lass mich einfach nur in Ruhe!, dachte Stephan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesicht verschwand aus seinem Blickfeld. Stefan schloss die Augen und ergab sich dem Drang, zu schlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unversehens nahm Julia einen grellen Blitz wahr, der einen Sekundenbruchteil ein blendend wei\u00dfes Licht generierte. Offenbar war es so was wie ein Kontrollsignal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie dachte: Interessant! Ich werde sp\u00e4ter Stephan danach fragen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich w\u00e4re sie beinahe der gef\u00fchlten M\u00fcdigkeit gefolgt und eingeschlafen. Nun aber war sie wieder hellwach und harrte der Dinge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er wieder die Augen \u00f6ffnete, war das Zimmer in diffuses Licht getaucht. Das helle Deckenlicht war ausgeschaltet, was seinen Augen gut tat. Er bewegte seinen rechten Arm und bemerkte, dass ein durchsichtiger Schlauch aus seinem Handr\u00fccken ragte, welcher mit einem Wust von Pflastern so fest fixiert worden war, dass er seine Hand kaum bewegen konnte. Er versuchte, den Kopf zu heben, was ihm noch schwer fiel. Irgendetwas r\u00fchrte sich neben seinem Bett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er vernahm eine Stimme, aus der so etwas wie freudige \u00dcberraschung hervorschwang. \u201eOh Schatz, Gott sei Dank bist du endlich aufgewacht! Wir haben uns alle schon solche Sorgen gemacht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun beugte sich ein Gesicht \u00fcber ihn, in dessen Mimik eine Mischung aus Besorgnis und Erleichterung stand. Irgendwie unecht, dachte Julia, als sie diese Augen sah, die Stephan nun eindringlich musterten. Sofort f\u00fchlte sie, dass sich alles in ihm aufb\u00e4umte. Es war Birgit. Sie war die Allerletzte, die er jetzt sehen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eLass mich in Ruhe!\u201c, sagte er mit kraftloser Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von dieser Antwort \u00fcberrascht, sagte sie konsterniert: \u201eAber Schatz, erkennst du mich denn nicht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre blo\u00dfe Anwesenheit lie\u00dfen seine Emotionen hochkochen. Julia sp\u00fcrte, wie sich der Takt seines Herzschlages zu einem wilden Galopp beschleunigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit erregter Stimme sagte er: \u201eOh doch Birgit! Ich m\u00f6chte, dass du verschwindest! Ich sollte gar nicht hier sein! Ich war bereits an einem besseren Ort und konnte zum ersten Mal erleben, was es hei\u00dft, geliebt zu werden. Du wei\u00dft doch gar nicht, was das bedeutet! Lass mich in einfach nur in Ruhe!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ger\u00e4t hinter Stefans Bett begann wie wild zu piepen. Nur wenige Sekunden sp\u00e4ter kam eine Schwester in azurblauer Montur ins Zimmer gest\u00fcrzt. Sie \u00fcberblickte die Situation sofort, hantierte hastig an einem Apparat, der jedes Dr\u00fccken mit einem Piep quittierte. Scheinbar hatte sie an einer der Infusionspumpen eine Medikamentendosis in Gang gesetzt, denn Stephan sp\u00fcrte, wie das Mittel in seine Vene schoss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schwester warf Stephans Frau einem kurzen, vorwurfsvollen Blick zu, widmete dann ihre ganze Aufmerksamkeit aber sofort wieder dem Monitor. Langsam verlor das Piepen seinen hektischen Rhythmus und wurde wieder gleichm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWas war hier los?\u201c, fragte die Schwester und wandte sich nun zu der Besucherin um.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstaunt blickte Birgit sie an: \u201eWas soll das hei\u00dfen? Und \u00fcberhaupt verbitte ich mir diesen Ton! Mein Mann ist gerade aufgewacht. Er erkennt mich offenbar nicht mehr, denn er benimmt sich so komisch!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam wurde Stephan von der Wirkung des Medikaments eingelullt, dass ihn die M\u00fcdigkeit zu \u00fcbermannen begann. Innerlich b\u00e4umte er sich dagegen auf und versuchte, seinen Kopf zu heben. Mit angestrengter, leiser Stimme sagte er: \u201eSchwester! Bitte \u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Krankenschwester dies vernahm, wandte sie sich augenblicklich dem Patienten zu und beugte sich zu ihm herab. Mit leiser f\u00fcrsorglicher Stimme fragte sie: \u201eJa Herr Reichenbach, was wollen Sie mir sagen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBitte schicken Sie diese Frau weg! Ich m\u00f6chte sie nicht mehr sehen! Mein Bruder Ralph soll kommen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Schwester ihn nun aufmerksam anschaute und seine Bitte mit einem kaum merklichen Kopfnicken bedachte, spiegelte sich in ihren Gesichtsz\u00fcgen Verst\u00e4ndnis wieder. \u201eHerr Reichenbach, bitte sagen sie mir nur noch, ob sie diese Frau kennen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade noch so laut, dass es die Krankenschwester verstehen konnte, antwortete Stephan mit tonloser Stimme: \u201eSie ist meine Ehefrau! Ich m\u00f6chte sie hier nicht mehr sehen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt einer Antwort t\u00e4tschelte die Schwester kurz Stephans Hand, richtete sich auf und wandte sich wieder der Besucherin zu. \u201eOffenbar wei\u00df der Patient sehr wohl, wer sie sind! Allerdings hat er mir gerade unmissverst\u00e4ndlich zu verstehen gegeben, dass ihr Besuch unerw\u00fcnscht ist. Da in unserer Klinik der Patientenwille oberste Priorit\u00e4t hat und ihre Anwesenheit, wie ich eben bemerken musste, der Genesung des Patienten entgegensteht, m\u00f6chte ich Sie bitten, dass sie die ITS sofort verlassen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Stephan dies vernahm, sp\u00fcrte Julia so etwas wie Erleichterung. Das emp\u00f6rte Aufbegehren seiner Frau bekam er nur noch schwach am Rande seines abdriftenden Bewusstseins mit. Es ber\u00fchrte ihn auch nicht mehr im Geringsten. Und so lie\u00df seine innere Anspannung augenblicklich nach und er ergab sich seiner \u00fcberm\u00e4chtigen M\u00fcdigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das pl\u00f6tzliche Blitzlicht tauchte die Szene in ein grelles Licht. Langsam nahm Julias Wahrnehmung wieder Konturen an. Sie konnte nicht einsch\u00e4tzen, wie der gro\u00df Zeitsprung gewesen und wie viele Stunden oder Tage vergangen sein mochten, aber sie f\u00fchlte nun, dass es Stephan deutlich besser ging. Sie bemerkte es auch daran, dass er nun halb aufrecht im Bett sa\u00df. Das Oberteil des Bettes war hochgefahren, so dass er sich bequem anlehnen konnte. Au\u00dferdem piepte es hinter ihm nicht mehr, woraus Julia schloss, dass er sich nicht mehr auf der Intensivstation befand. Stephan las in einen Schriftst\u00fcck, dessen \u00dcberschrift Patientenverf\u00fcgung und Vollmacht lautete. Unvermittelt hob er den Blick in Richtung eines Besuchers, der auf einem Stuhl neben seinem Bett sa\u00df. Dessen Anwesenheit hatte Julia zwar sofort gesp\u00fcrt, ihn aber so lange nicht direkt sehen k\u00f6nnen, wie Stephans Blick auf dem Papier klebte. Julia erkannte ihn nun als Stephans Bruder Ralph. Er war Stephan wie aus dem Gesicht geschnitten, obwohl er etwas j\u00fcnger wirkte. Ralph trug einen schwarzen Blazer, ein hellblaues Hemd mit dunkelblauer Krawatte, Bluejeans und Halbschuhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan sagte: \u201eDanke dir Bruderherz! Es ist genau das, was ich wollte! Wenn ich mal wieder wegtreten sollte, dann m\u00f6chte ich, dass du meinen Willen vollziehst!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gerunzelter Stirn sah Ralph Stephan an. \u201eIch hoffe, du hast dir das genau \u00fcberlegt. Ich soll also tats\u00e4chlich durchsetzen, dass die \u00c4rzte keinerlei lebenserhaltende Ma\u00dfnahmen durchf\u00fchren? Irgendwie schmeckt mir das gar nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan warf seinem Bruder einen verlegenen Blick zu. \u201eDas ist mir schon klar und ich bitte dich, es zu akzeptieren, wenn du es vielleicht auch nicht verstehen kannst. Es w\u00e4re aber viel schlimmer f\u00fcr mich, wenn mein unsterblicher Geist an einen irreparabel gesch\u00e4digten K\u00f6rper gebunden w\u00e4re. Es ist auch gar nicht n\u00f6tig, dass man mit allen Mitteln an seinem irdischen Leben festh\u00e4lt. Wenn die Zeit gekommen ist, dann ist sie gekommen und man geht hin\u00fcber. Mein Erlebnis hat meine Einstellung zum Tod total ver\u00e4ndert. Ralph, du musst mir glauben; der Tod ist nicht das Ende, sondern ein Anfang. Ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte dir nur ansatzweise beschreiben, wie sch\u00f6n es auf der anderen Seite war. Ich habe es erlebt und werde es nie mehr vergessen. Man hat mich zur\u00fcckgeschickt, weil ich hier noch eine Aufgabe zu erledigen habe. Diese Zur\u00fcckweisung war f\u00fcr mich das Schlimmste \u00fcberhaupt. Ich wei\u00df zwar noch nicht, was ich hier zu erledigen habe, aber es wird sich schon irgendwie alles ergeben!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdenklich kratzte sich Ralph am Kopf. \u201eNun ja, was du mir da alles von diesem Lichtwesen erz\u00e4hlt hast, da m\u00f6chte ich dir da auch gar nicht widersprechen \u2026 aber ich glaube trotzdem, dass sich das alles nur in deinem Gehirn abgespielt hat. Dass du wegen dieses Erlebnisses jetzt alles in der Kanzlei hinschmei\u00dft und mir das Ruder \u00fcbergibst, geht nicht in meinen Kopf rein!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan die schlug die vorderen Seiten des Papiers am Klemmbrett nach hinten und zog den an der Klemme befestigten Kugelschreiber heraus. Dann sagte er: \u201eDieser Job hat f\u00fcr mich jeglichen Sinn verloren, genauso wie meine Ehe mit Birgit. M\u00f6gen sich die Anderen dar\u00fcber die M\u00e4uler zerreisen \u2026 es ist mir egal. Dass du meine Entscheidung nicht nachvollziehen kannst, kann ich verstehen. Was die Kanzlei betrifft, bin ich mir sicher, dass du das schaffst. Wenn ich entlassen werde, dann erledigen wir den ganzen Papierkram und ich \u00fcberschreibe dir alles. Die Abl\u00f6se daf\u00fcr ist dir auch nicht zu hoch?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ralph sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein nat\u00fcrlich nicht! Das ist mehr als fair. Hauptsache ist, dass du mit dem bisschen Geld auch klarkommst. Du wirst dich ganz sch\u00f6n einschr\u00e4nken m\u00fcssen. Vergiss nicht, dass du auch noch den Unterhalt f\u00fcr Clara zahlen musst.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan kritzelte seine kaum leserliche Unterschrift auf das Papier und reichte das Klemmbrett seinem Bruder. \u201e2.500 Euro monatlich auf zwei Jahre gezahlt sind mehr als genug f\u00fcr einen Neustart. Geld ist nicht alles, Bruderherz! Wenn man tot ist und auf die andere Seite wechselt, dann es das Unwichtigste \u00fcberhaupt. Dann stellt sich n\u00e4mlich die Frage: Was hast du geleistet, was Bestand hat? Wie vielen Menschen hast du in diesem Leben wirklich geholfen. Ich meine damit nicht all die erfolgreich durchgezogenen Gerichtsverfahren. Ich meine die wirklich wichtigen Dinge, die unser Leben bereichern, und dir und anderen Menschen tief greifende Erfahrungen zu schenken \u2026 Erfahrungen von Liebe und Gl\u00fcck!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ralph runzelte die Stirn: \u201eIch wei\u00df ja nicht, was da w\u00e4hrend deines Zusammenbruchs wirklich passiert ist, aber dieses Erlebnis hat dich irgendwie total ver\u00e4ndert. Ich kann das alles zwar nicht begreifen, aber ich w\u00fcnsche dir, dass du das findest, wonach du suchst, was auch immer es sein mag!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephans Mundwinkel zuckten und ein L\u00e4cheln stand auf seinem Gesicht. \u201eDanke Bruderherz. Bei dir wei\u00df ich wenigstens, dass du es ehrlich meinst!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder wurde Julia durch ein grelles Blitzlicht geblendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam sch\u00e4lte sich aus dem blendenden Wei\u00df wieder ein Bild heraus. Stephan stand vor einem Waschbecken, blickte in den dar\u00fcber angebrachten Spiegel und rasierte sich mit einem elektrischen Rasierapparat. Julia sah sein Spiegelbild und erschrak. Stephan wirkte ausgezehrt. Seine Wangen waren eingefallen und seine Augen standen tief in den H\u00f6hlen. Auch hatte er erheblich an Gewicht verloren. Offenbar befand er sich noch immer im Krankenhaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie vernahm seine Gedanken: Heute wirst du entlassen und die Welt wartet auf dich! Es ist ein Weg, den du allein gehen musst! Wo auch immer er hinf\u00fchrt, er endet dort, wo du hergekommen bist! Im Licht der Liebe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts seines mitleiderregenden Aussehens war diese Zuversicht einfach nur erstaunlich und dies ber\u00fchrte Julia so sehr, dass ihr vor R\u00fchrung die Tr\u00e4nen gekommen w\u00e4ren, wenn sie Herrin ihres K\u00f6rpers gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abrupt hielt Stephan mit dem Rasieren inne, legte den Rasierapparat zur Seite und starrte entgeistert auf sein Spiegelbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hat er nur?, dachte Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun bemerkte sie es selbst. Seine Z\u00fcge wirkten mit einem Male merkw\u00fcrdig verkl\u00e4rt und wurde von den undeutlichen Konturen eines zweiten Gesichts \u00fcberlagert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geradezu synchron dachten Stephan und Julia sogleich: Was ist das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam, sehr langsam, wurde das andere Gesicht deutlicher. Im gleichen Ma\u00dfe, wie dies geschah, wurden auch Stephans Gesichtsz\u00fcge schw\u00e4cher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutlich konnte Julia Stephans Verwirrung sp\u00fcren und sie musste es ihm nicht einmal nachf\u00fchlen, denn sie war ebenso verwirrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was geht da vor?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch war das fremde Gesicht nicht deutlich genug zu erkennen und es wirkte eher noch wie eine Symbiose aus zwei Gesichtern. Ab und an setzte ein Flackern ein, durch das Stephans Gesicht im Spiegel wieder dominierte. Diese merkw\u00fcrdige Interferenz dauerte aber nicht l\u00e4nger als einen Sekundenbruchteil und jedes Mal danach war das fremde Gesicht noch um einiges deutlicher sichtbar. Nun schien es auch, als w\u00fcrden dieser r\u00e4tselhaften Gestalt lange Haare wachsen und endlich erkannte Julia, dass es sich um das Gesicht einer Frau handeln musste. Irgendwie kamen ihr die Augen dieser Frau im Spiegel bekannt vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das konnte einfach nicht sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hatten sie es beide deutlich vor Augen. Vor Schreck hob Stephan seine H\u00e4nde zum Gesicht und betastete es ungl\u00e4ubig. Die Frau im Spiegel, die just im selben Augenblick die H\u00e4nde hob und ihm mit weit aufgerissenen Augen entgegenstarrte, war Julia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irritiert drehte sich Stephan vom Spiegel weg und schaute an seinem K\u00f6rper hinab. Abwechselnd bewegte er die Beine und stie\u00df erleichtert Luft aus, als er feststellte, dass sein K\u00f6rper noch der Alte war. Als er sich wieder dem Spiegel zuwandte, war Julias Gesicht verschwunden. Er stutzte, starrte auf sein Spiegelbild und kratzte sich nachdenklich am Kinn. Julia, von dem Ph\u00e4nomen der Metamorphose noch immer v\u00f6llig gebannt, vernahm nun einen Gedanken, der keinen Zweifel zulie\u00df, dass sie in sein Bewusstsein ger\u00fcckt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo immer du auch sein magst, ich werde dich finden!, dachte Stephan und ein vielsagendes L\u00e4cheln huschte \u00fcber sein Gesicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00e4h l\u00f6ste sich die Vision in einer skurrilen Verzerrung auf. Die Verzerrung war ein Wirbel, der alle Farben und Formen verwischte und gefr\u00e4\u00dfig in sich hineinzog. Schneller und schneller drehte er sich und bildete schlie\u00dflich einen Tunnel an dessem Ende ein schwarzes Loch stand. Ohne dass sie darauf irgendeinen Einfluss hatte, wurde Julia von dem merkw\u00fcrdigen Gebilde aufgesogen. Mit wahnwitziger Geschwindigkeit bewegte sie sich nun auf das schwarze Loch zu. Ehe sie jedoch \u00fcberhaupt noch einen klaren Gedanken fassen konnte, hatte sie die furchterregende Schw\u00e4rze verschluckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die R\u00fcckkehr der Bewusstheit<br \/>\n<\/strong>Am Anfang war da nichts. Nur Dunkelheit und v\u00f6llige Stille. <em>S<\/em>ie nahm wahr, dass ihr Bewusstsein noch da war; dass sie noch da war. War es ein Traum? Da sie diesen Gedanken hegte und sich dar\u00fcber bewusst wurde, konnte sie nicht tot sein. Wer war sie und wo war sie? Da war ein K\u00f6rper, ihr K\u00f6rper. Sie konzentrierte sich auf eine Bewegung und f\u00fchlte, dass da eine Hand war, ihre Hand, die auf diesen Befehl reagierte und dadurch einen Finger kr\u00fcmmte. Zeigefinger?! Ja, sie steckte in einem K\u00f6rper, den sie mit ihren Gedanken steuern konnte. Es war ein K\u00f6rper, der ihr merkw\u00fcrdig bekannt vorkam aber doch nicht der ihre war. Erinnerung? An was? Wer war sie und wo war sie? Pl\u00f6tzlich sagte eine Stimme in ihrem Kopf:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDu bist wach! Das ist gut!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Anwesenheit dieser pl\u00f6tzlichen Pr\u00e4senz erschrocken stie\u00df sie einen spitzen Schrei aus, der von dem Nichts der Schw\u00e4rze sofort verschluckt wurde. Es war, als h\u00e4tte er nie ihre Kehle verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cF\u00fcrchte dich nicht!\u201d, sagte die Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie drehte ihren Kopf und lauschte. <em>Beobachtete man sie? Wieso konnte sie nichts sehen? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stille.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sinnierend, ob die Stimme noch da war oder sie sich alles nur eingebildet hatte, sagte sie: \u201cNa du hast gut reden! Erschreckst mich zu Tode und sagst dann, ich soll mich nicht f\u00fcrchten! Sehr witzig! Wer bist du \u00fcberhaupt?\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cIch bin du!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cWas?! Du bist ich?! Das ist doch v\u00f6lliger Unsinn!\u201d, erwiderte sie barsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cNein, das ist es nicht!\u201d, sagte die Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cNun, wenn du ich bist und das nicht v\u00f6lliger Bl\u00f6dsinn ist, dann kannst du mir doch sicher sagen, wo ich hier bin!?\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDu bist am Anfang!\u201d, erwiderte die Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cWas hei\u00dft das?\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDas wirst du gleich sehen! Es wurde beschlossen, dir die Bewusstheit zur\u00fcckzugeben. Es ist wichtig, dass du den Anfang erlebst. Dann wirst du alles verstehen!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob dieser Antwort noch mehr verwirrt, als sie es ohnehin schon war, sagte sie frustriert: \u201cH\u00f6r doch mal mit dem kryptischen Schei\u00df auf und erkl\u00e4r mir endlich wer ich bin und was das hier soll!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Stimme antwortete nicht mehr. Stille. Schw\u00e4rze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvermittelt kam ein helles Licht \u00fcber sie das mit einem Rauschen verbunden war, was wie eine Meeresbrandung klang. Dann, als sich ihr Sehen sch\u00e4rfte und das Rauschen verklang, stand sie pl\u00f6tzlich vor einem gewaltigen Geb\u00e4ude, dessen Schatten auf sie fiel. Gebannt hob sie langsam den Kopf und erblickte eine hohe Fassade aus wei\u00dfem Marmor, die ganz oben mit einer weiten Kuppel gekr\u00f6nt war, welche aus purem Gold bestand. In ihr spiegelte sich die Sonne und der strahlend blaue Himmel. Der Anblick war atemberaubend. Pl\u00f6tzlich wusste sie wer sie war und wo sie war. Sie war zur\u00fcck in der Heimat, ihrer Heimat. Alle Erinnerungen kamen zur\u00fcck und sie war sich dessen bewusst. Nun wusste sie auch, warum sie hier war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie wartete am Ende des Wandelgangs, hoch oben auf dem Plateau der breiten Pyramidentreppe vor der hohen, goldenen Pforte, die das Innere der riesigen Gerechtigkeitshalle von den weiten Au\u00dfenanlagen trennte. Sie betrachtete ihr Spiegelbild, das vom polierten Metall der hohen T\u00fcr reflektiert wurde. Ihr war bewusst, dass es nur die Illusion einer Reflexion war, da jeder Stein, jeder Baum, jeder Halm und jedes noch so kleine Ding in der Heimat aus purer Energie bestand und sich somit Farben, Formen und Dichtigkeiten jederzeit wandeln konnten. Sie selbst hatte sich f\u00fcr den feierlichen Anlass ein knielanges, indigoblaues Kleid aus hauchd\u00fcnner Seide kreiert, dass ihre grazile, schlanke Figur gut zur Geltung brachte, ihre festen Br\u00fcste in leicht durchscheinenden Andeutungen offenbarte und perfekt zu ihren gleichfarbigen, leuchtenden Augen passte. Ihr h\u00fcftlanges, hellblondes Haar trug sie im klassischen Stile hochgesteckt, mit einem einfrisierten goldenen Diadem, das von zahlreichen Lapislazuli geziert wurde. Alles in allem war sie mit ihrem Aussehen sehr zufrieden, bis auf ihre Nase, die ihr in diesem Augenblick einmal wieder ein wenig zu stupsig erschien.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6851\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Julia2-Jenseits-sunset-1024.jpg?resize=810%2C810&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"810\" height=\"810\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Julia2-Jenseits-sunset-1024.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Julia2-Jenseits-sunset-1024.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Julia2-Jenseits-sunset-1024.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Julia2-Jenseits-sunset-1024.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht mehr lange, und sie w\u00e4re an der Reihe und w\u00fcrde die Gelegenheit haben, ihren Plan vor dem Hohen Rat zu verteidigen. Sie hatte ihren Entschluss gefasst, die n\u00e4chste Reise anzutreten und keiner konnte sie mehr umstimmen. Zweifellos, ihre Heimat war so wundersch\u00f6n und erf\u00fcllte sie unabl\u00e4ssig mit dieser Allgl\u00fcckseligkeit, die man mit Worten nicht beschreiben konnte; dennoch war ihre Entscheidung endg\u00fcltig. Es w\u00fcrde ihr schwerfallen, von hier fortzugehen, denn dieser Ort war unvergleichlich und vollkommen. Sein denkw\u00fcrdigstes und sch\u00f6nstes Kennzeichen waren seine endlosen, sich weithin erstreckenden prachtvollen G\u00e4rten, die sie so sehr liebte. Sie waren zwischen den langen Wandelg\u00e4ngen angelegt, die die gewaltigen Geb\u00e4udekomplexe der Gerechtigkeitshalle, der Weisheitshalle und der Archivhalle miteinander verbanden. Soweit das Auge reichte, entfaltete sich dort in jeder Himmelsrichtung eine anmutige F\u00fclle aus leuchtenden Blumen, pl\u00e4tschernden B\u00e4chen und rauschenden Wasserf\u00e4llen, hohen B\u00e4umen mit breiten Kronen, Moosteppichen und Farnen zwischen gepflasterten Wegen und h\u00f6lzernen Br\u00fccken, ausgedehnten Wiesen und steinernen Obelisken, hinter denen sich die lichtumfluteten Kuppeln der majest\u00e4tischen Triade hervortaten.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6847 aligncenter\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-768.jpg?resize=768%2C768&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-768.jpg?w=768&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-768.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-768.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch heute morgen war sie in den Parks spazieren gegangen, hatte sich auf einer der k\u00fchlen, wei\u00dfen Marmorb\u00e4nke vor einem der sch\u00f6nen Springbrunnen mit den goldenen Wasserspeiern von Meerjungfrauen niedergelassen und den Augenblick in sich eingesogen. Vielleicht w\u00fcrde sie sich auf ihrer Reise an die Pracht und Lieblichkeit ihrer Heimat erinnern, vielleicht auch nicht. Sie hoffte jedenfalls, dass ihr ein F\u00fcnkchen Erinnerung blieb. Dieser Ort, der ihre Heimat war und es auch immer bleiben w\u00fcrde, war ein jedes Mal der Ausgangspunkt und das Ziel ihrer Reisen gewesen, von denen sie bereits die notwendige Anzahl hinter sich gebracht hatte, um den h\u00f6chsten Grad der Weisheit zu erlangen. Sie m\u00fcsste also gar nicht mehr fort von hier. Niemand k\u00f6nnte sie wegschicken, niemand ihr diesbez\u00fcglich Weisung erteilen. Die Gestandenen ihres neunten Hauses, die denselben hohen Grad wie sie innehatten, hatten mit Erstaunen reagiert, als sie ihnen von ihrer Absicht berichtete, dass sie nun eine weitere Reise unternehmen wollte. Wie kann man nur die Heimat verlassen und sich Unbewusstheit und K\u00f6rperlichkeit freiwillig antun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vermutlich w\u00fcrden sie es nie verstehen, aber das r\u00fchrte sie nicht. Es kam nur darauf an, dass der Hohe Rat ihren Entschluss und einen ihrer Reisepl\u00e4ne billigte. Vor sechs Mondzyklen hatte sie ihrer Seelenpartnerin ihre Absichten offenbart. Auch sie stammte aus dem neunten Haus. Sie kannten sich schon sehr lange, wenn man die Dauer dieser Bekanntschaft \u00fcberhaupt in Zeiteinheiten messen konnte, denn so etwas wie Zeit existierte hier nicht. Sie \u00e4hnelten sich wie ein Ei dem Anderen und das nicht nur \u00e4u\u00dferlich sondern auch in ihren Neigungen und bei ihren Interessen. Nun, nach einer halben Ewigkeit gemeinsamer Zyklen w\u00fcrden sie f\u00fcr eine Weile durch die Existenz in unterschiedlichen Dimensionen getrennt sein. Nicht vollst\u00e4ndig, denn ihre Seelenpartnerin w\u00fcrde ihr w\u00e4hrend eines Abschnittes ihrer Reise beistehen, die Verbindung zu ihr halten, ihr helfen und sie beraten. So war es vorgesehen. Ihre treue Freundin hatte ihre Entscheidung respektiert und sich auf ihre Bitte bereit erkl\u00e4rt, ihre Geistf\u00fchrerin zu sein. Jedoch mussten die geistigen Berater wechseln, weil auch die Lebensabschnitte mit ihren unterschiedlichen Anforderungen wechselten. Und so kam es, dass sie sich noch acht weitere geistige Berater erw\u00e4hlte, die alle aus ihrem Hause stammten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danach hatte sie sich f\u00fcr das Aufstellen ihres Reiseplanes neun Orientierungshelfer ausgesucht, wobei ein jeder dieser Helfer aus einem anderen Haus stammte, so dass in ihrer Planungsgruppe alle H\u00e4user vertreten waren. So gab es das erste Haus der Anf\u00fchrer, das zweite Haus der Vermittler, das dritte Haus der Sprecher, das vierte Haus der Lehrer, das f\u00fcnfte Haus der Abenteurer, das sechste Haus der Ern\u00e4hrer, das siebte Haus der Glaubenssucher, das achte Haus der Organisatoren und schlie\u00dflich ihr eigenes: das neunte Haus der Menschenfreunde. Alle Orientierungshelfer waren Experten auf ihrem Gebiet und hatten bereits zahlreiche Reisen in die niederen Dimensionen hinter sich gebracht. In schier endlosen Zyklen diskutierten sie in einem kleinen Saal in der Gerechtigkeitshalle, umgeben von wei\u00dfen Marmortischen und \u2013b\u00e4nken, unter Zuhilfename der verschiedensten visuellen Hilfsmittel, von Karten und zahllosen B\u00fcchern \u00fcber den einen oder anderen Aspekt der jeweiligen Eigenschaft und Begabung, der in den Reiseplan aufzunehmen w\u00e4re. Jede Einzelheit war abzuw\u00e4gen. Auf das Hauptthema ihrer Reise hatte sie sich schnell festgelegt. Da gab es f\u00fcr sie gar auch keinen Zweifel, war es doch der eigentliche Grund, warum sie die Reise in die niederen Dimensionen antreten wollte. Sie wollte die anspruchsvolle Schule des Lebens durchlaufen und dabei anderen Reisenden helfen, ihre eigenen Lebenspr\u00fcfungen zu bestehen. So wurden f\u00fcr ihre Lebensreise auch die T\u00e4ter und die Opfer ausgesucht, was nur durch Sichtung von unz\u00e4hligen Bereitschaftserkl\u00e4rungen anderer Seelen erfolgen konnte, um diejenigen zu finden, die dem jeweiligen Zweck eines Lernprozesses am besten dienen konnten. Ihr war bewusst, dass die Freiwilligen, die sich als T\u00e4ter zur Verf\u00fcgung stellten, damit gro\u00dfe Opfer brachten. Sie w\u00fcrden grausam sein, ihr physischen und psychischen Schmerz zuf\u00fcgen und sich damit\u00a0selbst belasten. Sie\u00a0w\u00fcrde durch die Grausamkeiten der Anderen mit der ganzen H\u00e4rte des Lebens konfrontiert werden. Jedoch musste sie diese Unannehmlichkeiten, Gemeinheiten und Trag\u00f6dien erleben, damit sie aus diesen Situationen lernen und durch die Art ihrer Bew\u00e4ltigung gest\u00e4rkt aus ihnen hervor gehen k\u00f6nnte. All diese Erlebnisse w\u00fcrden ihr kostbare Erkenntnisse einbringen, die sie w\u00e4hrend ihres Daseins in der Heimat niemals gewinnen konnte. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde es auch angenehme Abschnitte geben und ihr w\u00fcrden andere Reisende beistehen und ihr helfen, dieses harte Trainingslager des Lebens zu \u00fcberstehen. Auch sie w\u00fcrde in mancher Hinsicht T\u00e4terin sein m\u00fcssen, denn auch andere Reisende sollten durch ihre Handlungen lernen k\u00f6nnen. All das wurde vom Orientierungsteam abgewogen und diskutiert. Ihr Reiseplan musste \u00fcberdies mit den Reisepl\u00e4nen der T\u00e4ter- und Opferseelen synchronisiert werden. Alle Lebensbegegnungen wurden akribisch genau geplant. Als es daran ging, die schwersten Schicksalsschl\u00e4ge zu bestimmen, traf sie auf den Widerstand ihrer Berater, denn in deren Augen schickte sie sich an, sich in einzelnen Etappen ihrer k\u00f6rperlichen Existenz zu viele Schwierigkeiten aufzub\u00fcrden. So stritt sie mit ihnen auf ihre unvergleichlich galante Art und warf ihre Erfahrungen aus ihren fr\u00fcheren Reisen in die Waagschale. Zum Schluss gab es zwei Varianten ihres Reiseplanes. Als sie schlie\u00dflich den blauen Kristallspeicher in den H\u00e4nden hielt, der die kompletten Pl\u00e4ne enthielt, war sie erleichtert und stolz zugleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das pl\u00f6tzliche \u00c4chzen des schweren Metalls der hohen Pforte riss sie aus ihren Gedanken, als sich die Torfl\u00fcgel \u00f6ffneten. Sogleich drang eine laute Aufforderung in ihr Bewusstsein. Es war der Herold des Hohen Rates, dessen Aufruf ihren Geist erreichte: Tritt ein, der Hohe Rat erwartet dich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aufforderung folgend, schritt sie z\u00fcgig durch den hohen Eingang und vernahm, wie sich das goldene Tor mit einem lauten, metallischen Donnern hinter ihr schloss.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6872\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Azna-1024.jpg?resize=810%2C810&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"810\" height=\"810\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Azna-1024.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Azna-1024.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Azna-1024.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Azna-1024.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor sich erblickte sie die hoch aufragende Statue der Muttergottheit Azna, welche aus purem Gold bestand. Die Bekleidung der G\u00f6ttin war als Chiton ausgef\u00fchrt, das an den Schultern und um die Kn\u00f6chel als reich gef\u00e4ltelter d\u00fcnner Stoff erschien, der so eng an ihrem K\u00f6rper lag, dass ihre anmutigen H\u00fcften und ihre vollen Br\u00fcste sich unter dem gerafften Stoff deutlich abzeichneten. In der Hand des nach oben angewinkelten rechten Arms hielt sie das Heft eines kunstvoll geschmiedeten Schwertes, dessen lange, nach links unten geneigte Klinge sie mit der Hand ihres abgewinkelten linken Arms vorsichtig umschloss. Lange, wallende Haare umschmeichelten ihr l\u00e4chelndes Gesicht. Ihre Augen bestanden aus wei\u00dfem Perlmutt, die darauf angebrachten Iriden aus gr\u00fcnen Smaragden, in deren Mitte Onyxe als Pupillen eingearbeitet waren. Die G\u00f6ttin blickte sie mit solch durchdringender Intensit\u00e4t an, dass es ihr gerade so schien, als w\u00fcrde sie in ihr Innerstes schauen k\u00f6nnen. Sie passierte die riesige Skulptur, wobei es ihr klein wenig so vorkam, als w\u00fcrden deren Augen ihr folgen. Im R\u00fccken der Statue tat sich die gewaltige Rotunde auf, \u00fcber der eine riesige Kuppel thronte, durch deren weite Licht\u00f6ffnung das goldene Licht des Tages einfiel. Sie betrachtete die m\u00e4chtigen wei\u00dfen Marmors\u00e4ulen, die das eherne, gigantische Bauwerk in seinem Inneren st\u00fctzten und betrat das Herzst\u00fcck der Halle, eine gewaltige, geradezu heilig anr\u00fchrende Arena. Auf den umlaufenden R\u00e4ngen, die mit stuckverzierten, steinernen Br\u00fcstungen abgegrenzt waren und sich in vielen Stockwerken \u00fcber ihr erhoben, hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden, um ihrer ehrw\u00fcrdigen Bekundung beizuwohnen. Sie schritt auf einen schimmernden, u-f\u00f6rmigen Tisch zu, der aus edlem, wei\u00dfen Marmor bestand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An ihm sa\u00dfen die Mitglieder des Hohen Rates auf gro\u00dfen St\u00fchlen, die wegen ihrer pr\u00e4chtigen Schnitzereien und breiten Lehnen fast wie Throne wirkten. Hinter ihnen standen drei Dutzend goldbefl\u00fcgelte F\u00fcrstent\u00fcmer, deren erhabene Gesichter v\u00f6llig regungslose Mienen zeigten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Magister und Magisterinnen l\u00e4chelten ihr aufmunternd zu, als sie sich vor ihnen platzierte. Aus reifen, aber v\u00f6llig faltenlosen Gesichtern blickten sie achtzehn Augenpaare freundlich an. Die Frauen hatten lange, glatte, silberwei\u00dfe Haare, die ihre unvergleichliche Anmut und Sch\u00f6nheit unterstrichen. Die M\u00e4nner trugen ihr wei\u00dfes Haar schulterlang und ihre silberwei\u00dfen, langen Vollb\u00e4rte erschienen wie Rangabzeichen ihrer W\u00fcrde und Weisheit. Alle Ratsmitglieder waren in flie\u00dfende, bodenlange, weise Gew\u00e4nder gekleidet, welche von goldenen R\u00e4ndern ges\u00e4umt wurden. Obwohl sie hinsichtlich der Kleidung und der Frisuren uniform wirkten, lagen in ihren Gesichtern sehr unterschiedliche Z\u00fcge. Wie sie wusste, waren im Rat alle neun H\u00e4user vertreten. Dies konnte sie auch daran erkennen, dass auf den hohen R\u00fcckenlehnen, die \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinausragten, die Zahlen der H\u00e4user eingeschnitzt waren. An den \u00e4u\u00dferen Enden des u-f\u00f6rmigen Tisches sa\u00dfen sich die zwei Ratsmitglieder aus dem ersten Haus gegen\u00fcber. Jeweils neben ihnen sa\u00dfen die des Zweiten, dann die des Dritten und so weiter. So setzte sich die Sitzordnung bis zur Mitte des Tisches fort, wo schlie\u00dflich der Magister und die Magisterin aus dem neunten Haus nebeneinander sa\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der neunte Magister schaute sie mit seinen warmen braunen Augen an und seine Stimme klang feierlich, als er sagte: \u201eKind Gottes, sag, was ist dein Begehr?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Normalerweise war es nicht \u00fcblich, zu sprechen, denn man kommunizierte telepathisch, doch in Vorbereitung auf die K\u00f6rperlichkeit geh\u00f6rte es zur Zeremonie, dass man die astralen Stimmb\u00e4nder benutzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch etwas unsicher, aber doch mit fester Stimme begann sie zu sprechen: \u201eHoher Rat, ich ersuche um die Genehmigung, in die k\u00f6rperliche Zelle zu transformieren und meine dreiundneunzigste Lebensreise anzutreten. Hier ist mein Reiseplan!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hob den rechten Arm und \u00f6ffnete die Hand auf der der blaue Kristall lag. Der Magister nickte. Sogleich verschwand der Stein auf ihrer Hand und erschien einen Wimpernschlag sp\u00e4ter auf seiner. Er nahm ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, hielt ihn pr\u00fcfend vor die Augen und steckte ihn in eine Aussparung auf der Spitze einer goldenen Pyramide, die \u00fcber einem marmornen Podest schwebte, das unmittelbar vor dem Tisch des Rates stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Visualisierer, dachte sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In die Seitenfl\u00e4chen der sich langsam drehenden Pyramide waren verschiedene Zeichen eingraviert. Sie erfasste einen stilisierten Baum, einen Sonnenkopf, einen Vollmond, der durch einen zunehmenden und einen abnehmenden Mond flankiert wurde, ein Pentagramm, ein Hexagramm, ein Auge, das \u00fcber einem Dreieck stand und noch viele andere Insignien. Zwischen ihnen waren die verschiedensten Edelsteine eingelassen. Sie erkannte Obsidiane, Amethyste, Rubine, Tigeraugen, T\u00fcrkise, Karneole, Citrine und Aventurine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00e4h begann der Kristall zu leuchten. Ein glei\u00dfendes, helles Licht \u00fcberflutete die Arena. Einen kurzen Moment war sie geblendet. Dann jedoch begann das Leuchten zu pulsieren und der Kristall warf Strahlen in den Raum, die holografische Visionen erzeugten. Gebannt starrten die Ratsmitglieder in die Flut der projizierten Bilder, welche mit so schneller Folge wechselten, dass die unz\u00e4hligen Tages- und Nachtszenen der wiedergegebenen Lebensepisoden in ihren Augen ein permanentes Flackern widerspiegelten. Es dauerte nicht lange, da erlosch der Kristall wieder. Die Blicke der Ratsmitglieder richteten sich erneut auf sie und sie sp\u00fcrte, dass sie eindringlich gemustert wurde. W\u00e4hrend auf einigen Gesichtern ungl\u00e4ubiges Staunen lag, zeigten andere ein verst\u00e4ndnisvolles L\u00e4cheln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Magisterin aus dem ersten Haus warf ihr einen vieldeutigen Blick zu und ergriff als Erste das Wort: \u201eSag, weshalb willst du dich freiwillig in die Begrenztheit der menschlichen Zelle transformieren lassen? Du musst das nicht tun, denn du hast bereits den h\u00f6chsten Grad!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatte schon geahnt, dass diese Frage gestellt w\u00fcrde und so hatte sie sich bereits eine Antwort zurechtgelegt. \u201eVielleicht wirst du es nicht verstehen, aber ich m\u00f6chte wieder einmal das Gef\u00fchl erleben, mit echten F\u00fc\u00dfen \u00fcber eine Wiese zu laufen. Ich sehne mich nach einer direkten Verbindung zu Gaia, einer Empfindung die ich auf meinen fr\u00fcheren Reisen so sehr genossen habe. Und \u2026\u201c, sie hielt kurz inne, \u201e \u2026 dann ist da noch das unb\u00e4ndige Verlangen nach k\u00f6rperlichen Umarmungen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Magisterin zog eine Augenbraue hoch. \u201eK\u00f6rperliche Umarmungen? Aber sind es nicht die energetischen Verschmelzungen, die dir in jeder Hinsicht Erf\u00fcllung bringen? Du hast doch bestimmt einen Seelenpartner, mit dem du dich schon einmal vereinigt hast?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eOh ja, die Verschmelzungen mit meiner Seelenpartnerin waren immer wundervoll und unvergleichlich, aber mit einem richtigen K\u00f6rper einen anderen Menschen zu sp\u00fcren, das ist doch etwas ganz anderes. Eine k\u00f6rperliche Umarmung war f\u00fcr mich immer ein fantastischer Moment. In ihm vereinigen sich die Freude, wenn man sich begr\u00fc\u00dft, der Schmerz, wenn man sich trennt und die Liebe, wenn man sich begehrt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Magister aus dem siebten Haus nickte best\u00e4tigend. \u201eWeise gesprochen! Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Von mir aus sei es dir gew\u00e4hrt, in den von dir erw\u00e4hlten K\u00f6rper zu gehen. Erkl\u00e4r mir aber, warum hast du uns zwei Lebenspl\u00e4ne vorgelegt?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie stie\u00df einen leisen Seufzer aus. \u201eNun, ich h\u00e4tte es gerne vermieden, euch zwei Pl\u00e4ne vorzulegen, aber meine Berater meinten, dass mein erster Plan nicht umsetzbar sei. Er b\u00fcrge die Gefahr in sich, dass ich in den niederen Dimensionen Schaden nehmen k\u00f6nnte, weil mein K\u00f6rper die Pr\u00fcfungen, die ich mir selbst stellen will, nicht \u00fcberstehen w\u00fcrde. Daher ward ein zweiter Plan aufgestellt, den ich allerdings nicht bevorzuge.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Magisterin aus dem sechsten Haus ergriff das Wort. \u201eMir scheint, als w\u00e4ren beide Pl\u00e4ne eine Spur zu ehrgeizig. Der Erste ist ganz und gar nicht akzeptabel. Dein K\u00f6rper wird an den Entbehrungen, die du dir darin auferlegen m\u00f6chtest, zerbrechen, m\u00f6gen sie auch zu tiefgreifenden Erfahrungen f\u00fchren. Es n\u00fctzt dir nichts, wenn dein Geist in den niederen Dimensionen h\u00e4ngenbleibt, weil du deinen K\u00f6rper wegen der selbst auferlegten Pein vorzeitig zerst\u00f6ren wirst. Dir ist doch bewusst, was passiert, wenn du dich selbst richten w\u00fcrdest?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie die Worte der Magisterin vernahm, legte sie die Stirn in Falten. \u201eNun ja, das schon, hohe Magisterin! Aber ich w\u00fcrde doch niemals Hand an meinen selbst erw\u00e4hlten K\u00f6rper legen! Nicht jedenfalls so, dass ich ihm damit s\u00e4mtliche Lebensenergie entziehe. Ich denke, der Plan ist trotz all der schwierig erscheinenden Lebenspr\u00fcfungen durchf\u00fchrbar! Mein Lohn w\u00e4ren unvergleichliche Erfahrungen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Magisterin sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDeine Absichten m\u00f6gen ehrenhaft sein, aber wenn du erst einmal das Tor der Unbewusstheit passiert hast, wirst du dich an deine Worte nicht mehr erinnern k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ergriff der Magister aus dem dritten Haus das Wort. \u201eHohe Schwester, ich kann deine Bedenken durchaus verstehen, aber entspricht es nicht dem ewigen Gesetz allen Seins, dass sich ein Jeder sein Schicksal selbst w\u00e4hlen kann?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend auf diese Worte einige Ratsmitglieder zustimmend nickten, sch\u00fcttelten andere stirnrunzelnd die K\u00f6pfe. Jeder schien nun etwas sagen zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Magisterin aus dem achten Haus rief: \u201eDas Seelenheil eines Reisenden steht \u00fcber seiner Freiheit, sich sein Schicksal selbst auszuw\u00e4hlen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Magister aus dem vierten Haus erwiderte kopfsch\u00fcttelnd: \u201eZum Seelenheil geh\u00f6ren zweifellos die Einsichten, welche w\u00e4hrend einer Lebensreise gewonnen werden und es ist uns grunds\u00e4tzlich entzogen, die Kinder Gottes von solchen Erfahrungen fernzuhalten!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sich nun ein Raunen unter den Besuchern auf den R\u00e4ngen erhob, stand der Magister des neunten Hauses auf und hob beschwichtigend die H\u00e4nde. \u201eBr\u00fcder, Schwestern, so kommen wir nicht weiter. Ich schlage vor, dass wir uns eine Weile in die Archivhalle zur\u00fcckziehen, um dort nach vergleichbaren F\u00e4llen zu suchen und unter Betrachtung dieser Recherchen, \u00fcber die vorgelegten Lebenspl\u00e4ne zu beraten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem einhelligen Nicken bekundeten die Ratsmitglieder ihre Zustimmung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem freundlichen L\u00e4cheln wandte er sich nun zu ihr um: \u201eWir werden dich rufen lassen, wenn wir zu einer Entscheidung gekommen sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die D\u00e4mmerung war angebrochen und die Sonne gab dem hohen Berghorizont hinter der Schattensilhouette der m\u00e4chtigen Kuppeltriade ein purpurnes Rendezvous, als sie den vereinbarten Treffpunkt im Park neben dem Springbrunnen der Meerjungfrauen erreichte.<\/p>\n<p>\u00a0Ihre Seelenpartnerin wartete bereits und winkte ihr, da sie wusste, dass der Hohe Rat eine Entscheidung getroffen hatte, aufgeregt zu. Ein Schwall von Worten drang in ihr Bewusstsein. Da bist du ja endlich! Das hat aber gedauert! Wie war es? Wann geht es los?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie l\u00e4chelte vieldeutig und hob ihre flachen H\u00e4nde vor die Brust. Ihre liebe Freundin verstand sofort, und legte ihre H\u00e4nde an. Umgehend verloren ihre astralen Leiber den Schein von K\u00f6rperlichkeit, wurden durchsichtig und leuchteten wie Nebelschleier im Mondlicht. Die eben noch pr\u00e4senten Konturen ihrer K\u00f6rperformen transformierten zu zwei strahlenden Lichtb\u00e4llen aus purer Energie, die miteinander verschmolzen und Eins wurden. Eine Weile f\u00fchlten sie sich zeitlos treibend als untrennbareres Ganzes, in welchem ihre verbundenen Seelen vor lauter Gl\u00fcckseligkeit frenetisch tanzten. Nur wenige Augenblicke, und die glei\u00dfende Kugel teilte sich wieder in zwei Lichtb\u00e4lle, die zusehends die alten Konturen annahmen, in welche sofort die Farben und Formen ihrer astralen K\u00f6rperlichkeit zur\u00fcckkehrten. Als w\u00e4re nichts geschehen, standen sie sich wieder gegen\u00fcber und schauten sich mit leuchtenden Augen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihrer Seelenpartnerin stand die \u00dcberraschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Grundg\u00fctiger, sie stellen dir tats\u00e4chlich jemanden zur Seite, der dir hilft, deine schweren Schicksalspr\u00fcfungen zu bestehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichwohl es mehr eine Feststellung als eine Frage war, antwortete sie: Ja! Er wird mir beistehen und mich von meiner Unbewusstheit befreien. Sein Plan wurde an meinen angepasst. Das ist eine akzeptable Konstellation. Die Hauptsache ist doch, dass mein erster Plan best\u00e4tigt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naja, ein paar \u00c4nderungen haben sie ja doch vorgenommen!, erwiderte ihre Freundin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun gut, damit bin ich einverstanden, denn der Plan bleibt sehr anspruchsvoll und ich werde auf der Reise viele neue tiefgreifende Erkenntnisse gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Seelenpartnerin warf ihr einen gedankenvollen Blick zu. Was ich da w\u00e4hrend unserer Vereinigung gesehen habe, war sehr ergreifend und teilweise sogar erschreckend? Willst du das wirklich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast unmerklich zuckte sie mit den Schultern, dann erwiderte sie: Wie hei\u00dft es in einer alten Weisheit so sch\u00f6n: Die s\u00fc\u00dfesten Fr\u00fcchte h\u00e4ngen ganz oben am Baum!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcrme waren zwei riesige, monolithisch wirkende Bauwerke, deren Pracht manche Bewohner der Heimat gar \u00fcber die Vollkommenheit der Hallen der Triade stellten. Die massiven Fassaden der T\u00fcrme bestanden aus blauem Glas, \u00fcber welche unaufh\u00f6rlich Wasser rieselte. Es legte einen so feinen Spr\u00fchnebel \u00fcber dem angrenzenden Jasminwald ab, dass die starke Lichtbrechung einen leuchtenden Regenbogen schuf, der dem Besucher best\u00e4ndig den Weg zu den ehernen Toren wies.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bild dieses ekstatischen Lichtspiels noch vor Augen, lag sie nun in einer gl\u00e4sernen Transformationsr\u00f6hre in einem der Abreiser\u00e4ume im Inneren der T\u00fcrme. Als sie der zur\u00fcckliegenden Momente gedachte, f\u00fchlte sie einen gewissen Zwiespalt. Dieses Gef\u00fchl, es war eine merkw\u00fcrdige Mischung aus Zuversicht und Wehmut. Ihr Abschied von ihren lieben Freunden schnitt tiefer als ein Messer. Ihre letzte Vereinigung mit ihrer Seelenfreundin war so wundervoll und voller Gl\u00fcckseligkeit, was es ihr nur noch schwerer gemacht hatte, sich von ihr zu trennen. Auch die Gewissheit, dass sie sich wiedersehen w\u00fcrden, hatte sie dabei kaum tr\u00f6sten k\u00f6nnen. Gleichwohl ihr bewusst war, dass ihre Reise, gemessen an der Ewigkeit, nur ein kurzer Ausflug in die niederen Dimensionen war, fiel das Loslassen ihrer Heimat unsagbar schwer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unvermittelt wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als der Takter zu pendeln begann. Wie sie wusste, synchronisierte das Ding die Energiekan\u00e4le der verschiedenen Dimensionen und schuf im richtigen Augenblick den Tunnel, der sie in die irdische Matrix brachte. Gleich w\u00fcrde der Abstieg in den Scho\u00df jener Mutter beginnen, die sie sich auserw\u00e4hlt hatte und ihr Geist w\u00fcrde das Tor der Unbewusstheit durchschreiten. W\u00e4hrend sie den Taktschl\u00e4gen lauschte, liefen vor ihrem geistigen Auge noch einmal Bilder ihrer Heimat vorbei. In ihrer Erinnerung sah sie die sch\u00f6nen G\u00e4rten und Parks, die prachtvollen Tempel und Hallen, die belebten Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze, sah deren gl\u00fcckliche Bewohner und die Allmacht Gottes. Wie lange noch w\u00fcrde sie sich dieser Vollkommenheit bewusst sein? W\u00fcrde sie sich w\u00e4hrend ihrer Reise \u00fcberhaupt jemals daran erinnern?<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6869\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-Building-2.jpg?resize=810%2C810&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"810\" height=\"810\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-Building-2.jpg?w=1024&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-Building-2.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-Building-2.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Hereafter-Building-2.jpg?resize=768%2C768&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/> <img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" 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Schneller und schneller wurde das Ding, sein Schlagen immer lauter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann blieb es pl\u00f6tzlich stehen. Unvermittelt begann die gl\u00e4serne Transformationsr\u00f6hre zu erstrahlen. Sogleich verschwand die Umgebung der Kammer hinter dem glei\u00dfenden Licht. Zu ihren F\u00fc\u00dfen tat sich ein Tunnel auf, in dessen Inneres nun das Licht der R\u00f6hre strahlte, jedoch nicht weit genug um an sein fernes Ende zu gelangen. Dort g\u00e4hnte nur ein kleines schwarzes Loch. Noch ehe sie dar\u00fcber nachdenken konnte, wurde sie in den Tunnel gezogen. In rasendem Tempo bewegte sie sich auf das schwarze Loch zu. Schnell kam es n\u00e4her, viel zu schnell. Je n\u00e4her es kam, umso st\u00e4rker schwanden ihre Sinne. Dann verschluckte es sie und mit ihrem letzten Funken Bewusstheit sp\u00fcrte sie, dass sie in die Enge eines kleinen K\u00f6rpers fuhr. Als die wohlige W\u00e4rme in der Dunkelheit sie schlie\u00dflich einlullte, war sie fortan eine Gefangene der Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Geschenk<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" data-pm-slice=\"1 1 []\">Julia lag noch immer auf der Couch, als sie die Augen aufschlug. Ihre Lider waren schwer, ihr Herz raste \u2013 nicht vor Angst, sondern vor etwas anderem. Etwas, das sie kaum benennen konnte. Es war, als h\u00e4tte sich ihr gesamtes inneres Koordinatensystem verschoben. Der Raum war derselbe \u2013 dieselbe rote Polstergarnitur, dieselbe Dachschr\u00e4ge, dasselbe ged\u00e4mpfte Licht \u2013 und doch schien alles neu, fremd, irgendwie weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hob langsam die Hand, betrachtete ihre Finger, drehte sie in der Luft. Der Anblick war vertraut \u2013 und doch nicht. Als h\u00e4tte sie nie zuvor ganz bewusst in ihre H\u00e4nde geblickt. Tr\u00e4nen stiegen in ihre Augen. Sie wusste nicht, ob aus Freude, aus Ersch\u00f6pfung oder weil irgendetwas in ihr sich zum ersten Mal wirklich gesehen f\u00fchlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eStephan \u2026?\u201c Ihre Stimme war kaum h\u00f6rbar, nur ein Hauch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sa\u00df ruhig im Sessel gegen\u00fcber, die Beine noch immer im Lotussitz, die Augen offen, aber weich, voller Stille. Er sagte nichts, aber seine Anwesenheit war wie ein Anker. Ein beruhigendes Feld, das sie hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia setzte sich auf. Ihre Bewegungen waren fahrig, als m\u00fcsste ihr K\u00f6rper erst wieder lernen, wie er funktioniert. Dann presste sie beide H\u00e4nde auf ihr Herz. \u201eWas ist das \u2026 dieses \u2026 Gef\u00fchl?\u201c Sie konnte kaum atmen. \u201eIch \u2026 ich bin da gewesen. Ich war nicht ich. Oder \u2026 ich war mehr als ich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDu warst du\u201c, sagte Stephan leise. \u201eZum ersten Mal ganz.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Schluchzen durchfuhr sie. Nicht laut. Kein Drama. Eher ein stilles Aufrei\u00dfen einer uralten inneren Spannung. Tr\u00e4nen rannen ihr \u00fcber die Wangen, diesmal nicht verwirrt, sondern flie\u00dfend, reinigend, ohne dass sie sie stoppen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch habe mich gesehen\u201c, fl\u00fcsterte sie. \u201eIch \u2026 ich war Licht. Ich war \u2026 alles. Und dann \u2026 dann war ich wieder hier. Und jetzt ist es so eng.\u201c Sie klopfte sich mit der Faust leicht gegen die Brust. \u201eIch passe nicht mehr ganz in diesen K\u00f6rper.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan erhob sich langsam, trat zu ihr, kniete sich vor das Sofa und legte ihr eine Hand auf das Knie. \u201eEs wird besser. Der Geist dehnt sich, und der K\u00f6rper folgt. Du wirst dich daran gew\u00f6hnen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie sah ihn an. Ihre Augen waren weit, fast kindlich, aber dahinter brannte eine neue Tiefe. \u201eWarum tut es so weh, wieder hier zu sein?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWeil du dich erinnert hast. Und weil der Schmerz der R\u00fcckkehr der Preis ist f\u00fcr das Geschenk der Wahrheit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie legte ihren Kopf in die H\u00e4nde. Eine Weile sagte keiner von beiden etwas. Nur das leise Ticken der Wanduhr erinnerte daran, dass die Zeit noch immer floss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch kann nicht mehr zur\u00fcck\u201c, sagte Julia schlie\u00dflich. \u201eIch kann nie wieder so leben wie vorher.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan nickte. \u201eNein. Das kannst du nicht. Und das sollst du auch nicht.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<p data-pm-slice=\"1 1 []\">Julia hob langsam den Blick. Etwas in ihrem Inneren suchte Halt \u2013 nicht in der Welt, sondern in einem neuen Selbstgef\u00fchl, das noch keinen Namen hatte. Sie atmete tief ein, und zum ersten Mal bemerkte sie, wie fremd der Sauerstoff sich anf\u00fchlte. Als w\u00fcrde jede Zelle neu sortiert werden.<\/p>\n<p>\u201eWas mache ich jetzt?\u201c, fragte sie schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>Stephan setzte sich neben sie auf die Couch. Nicht zu nah, aber auch nicht distanziert. \u201eDu beobachtest. Du h\u00f6rst zu. Du wirst anfangen, nicht nur mit deinen Ohren, sondern mit deinem ganzen Wesen zu h\u00f6ren. Worte, Gedanken, Stimmungen. Nicht im Au\u00dfen. In dir.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn ich es falsch mache?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu kannst es nicht falsch machen. Du kannst es nur vergessen. Und dann wieder erinnern.\u201c<\/p>\n<p>Julia nickte langsam. Ihre H\u00e4nde lagen still in ihrem Scho\u00df. \u201eIch dachte immer, Erwachen sei ein Knall. Ein gro\u00dfes Leuchten. Aber es f\u00fchlt sich an wie \u2026 wie ein feines Rei\u00dfen, mitten durch mein altes Leben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist es auch. Und manchmal ist dieses Rei\u00dfen die Gnade.\u201c<\/p>\n<p>Sie schloss kurz die Augen. Bilder tauchten auf \u2013 aus der Erfahrung, die sie soeben durchlebt hatte. Gesichter. Orte. Licht. Eine unermessliche Stille, die nicht leer war, sondern voll. Und dann eine Stimme. Ihre eigene, und doch nicht aus diesem Leben.<\/p>\n<p>\u201eIch war nicht allein dort\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, best\u00e4tigte Stephan. \u201eDu wirst nie wieder allein sein.\u201c<\/p>\n<p>Sie \u00f6ffnete die Augen, und diesmal war da etwas Neues in ihrem Blick: eine Spur von Furcht, aber auch Kraft. \u201eIch m\u00f6chte wissen, was ich gesehen habe. Wer ich war. Und warum ich zur\u00fcckgekommen bin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann ist morgen der Tag, an dem du beginnst, Fragen zu stellen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Nur Wahrheiten.\u201c<\/p>\n<p>Julia atmete noch einmal tief durch. Drau\u00dfen d\u00e4mmerte es. Die Schatten an den W\u00e4nden wurden l\u00e4nger. Aber in ihr begann etwas, das kein Licht mehr brauchte, um zu leuchten.<\/p>\n<h3 data-pm-slice=\"1 1 []\">R\u00fcckkehr nach K\u00f6nigsthal<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Autobahn glitt unter den Reifen dahin, w\u00e4hrend Julia in Gedanken durch v\u00f6llig andere R\u00e4ume fuhr. Der Verkehr floss ruhig, die Landschaft wechselte langsam von Weite zu dichterer Bebauung, doch sie nahm es kaum wahr. Ihr Blick ruhte auf der Linie am Stra\u00dfenrand, doch ihre Gedanken waren noch immer bei Stephan. Bei dem, was sie erlebt hatte. Es fiel ihr schwer, ihre Sinne neu zu kalibrieren. Die Welt da drau\u00dfen schien nicht mehr zu ihr zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stadt wirkte auf eine irritierende Weise exakt wie zuvor. Und doch sah sie alles mit neuen Augen: die grellen Werbetafeln, die hupenden Autos, die hastigen Schritte der Passanten. Als sie vor dem Redaktionsgeb\u00e4ude von <strong>\u201eBLINK\u201c<\/strong>, dem w\u00f6chentlichen Boulevardmagazin, f\u00fcr das sie arbeitete, stand, \u00fcberkam sie ein seltsames Gef\u00fchl von Entfremdung. Die Glast\u00fcr reflektierte ihr Spiegelbild \u2013 sorgf\u00e4ltig geschminkt, Business-Blazer, Laptop-Tasche \u00fcber der Schulter \u2013 und sie erkannte sich kaum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im B\u00fcro roch es nach altem Kaffee und Druckerw\u00e4rme. Stimmen hallten \u00fcber Schreibtischreihen. Ein Kollege winkte, eine Redakteurin rief: \u201eJulia! Super, dass du wieder da bist! Hast was verpasst, wir haben einen Reality-TV-Skandal in der Pipeline!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie l\u00e4chelte schwach, nickte, setzte sich an ihren Platz. Die Tastatur unter ihren Fingern war vertraut, aber ihre Gedanken flimmerten wie durch eine Scheibe. Auf dem Monitor blinkte ein Betreff: \u201eRedaktionskonferenz 11:00 Uhr | Thema: Trash-TV &amp; K\u00f6rperkult\u201c. Julia starrte auf die Worte, als w\u00e4ren sie in einer fremden Sprache geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie versuchte, sich zusammenzurei\u00dfen. Aber je mehr sie sich bem\u00fchte, desto lauter wurde das Gef\u00fchl, dass sie hier nicht mehr hineinpasste. Stephan hatte recht gehabt: Sie konnte nicht mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend kehrte sie in ihre Altbauwohnung zur\u00fcck \u2013 hoher Deckenstuck, B\u00fccherwand, eine Teekanne, die nie leer wurde. Sie zog die Vorh\u00e4nge zu, lie\u00df die Abs\u00e4tze achtlos neben dem Bett stehen und setzte sich im Dunkeln aufs Sofa. Ihr Herz schlug schneller als n\u00f6tig, ihre H\u00e4nde waren k\u00fchl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie dachte an Stephan. Und an seinen Wunsch: <strong>Er wolle \u00f6ffentlich sprechen<\/strong>, hatte er gesagt. In einer Talkshow, im Fernsehen. \u201eNicht um zu \u00fcberzeugen\u201c, hatte er gemeint. \u201eNur um zu erinnern.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia wusste: Das war der eine Grund, warum sie hier war. Das war ihre Br\u00fccke. Die einzige Rechtfertigung, sich noch einmal in diese Welt der Medien zu begeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser Nacht schlief sie unruhig ein. Doch ihre Tr\u00e4ume waren klar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie stand auf einem Dach. \u00dcber ihr nur Sterne, unter ihr die Stadt. Neben ihr ein Kind \u2013 es war sie selbst, acht Jahre alt, schweigend. Das Kind reichte ihr eine kleine Schale mit Licht. Kein Feuer. Kein Schein. Sondern Bewusstsein. Julia nahm es entgegen, und in dem Moment durchflutete sie eine W\u00e4rme, die ihr den Atem nahm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie am Morgen aufwachte, hatte sie eine seltsame Gewissheit. Sie konnte sp\u00fcren, wie jemand an sie dachte. Nicht in Worten. Nicht in Bildern. Nur als Pr\u00e4senz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und sie konnte es zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne zu wissen, wie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das war der Anfang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Tag darauf war sie stiller als sonst. In der Redaktion bewegte sie sich wie eine Schauspielerin auf einer fremden B\u00fchne. Kollegen warfen ihr fl\u00fcchtige Blicke zu \u2013 nicht aus Misstrauen, sondern weil etwas anders an ihr war. Sie konnte es selbst sp\u00fcren. Eine neue Stille hatte sich in ihr eingenistet. Nicht leer, sondern horchend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen den Meetings und dem grellen Redaktionsalltag schob sie sich heimlich auf den Balkon. Dort stand sie, starrte in den grauen Innenhof und versuchte zu verstehen, was in ihr geschehen war. Immer wieder legte sie instinktiv die Hand \u00fcber ihr Herz \u2013 wie um zu pr\u00fcfen, ob das Licht noch da war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der folgenden Nacht lag sie lange wach. Gegen zwei Uhr driftete sie doch in den Schlaf \u2013 ein halbbewusstes Hin\u00fcbergleiten. Und wieder tr\u00e4umte sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesmal war sie in einem Raum voller Spiegel. Doch keiner zeigte ihr Gesicht. Stattdessen sah sie in jedem Spiegel ein anderes Leben. Eine Frau in einem arabischen Innenhof. Ein Kind auf einer Klippe, das lachte. Ein alter Mann, der mit geschlossenen Augen unter einem Feigenbaum sa\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie ging von Spiegel zu Spiegel, und mit jedem Schritt wurde ihr Herz leichter. Nicht, weil sie verstand, sondern weil sie f\u00fchlte. Und dann \u2013 ein letzter Spiegel. Darin: sie selbst. Jetzt. Wach. Klar. Und in ihrer Hand: eine Feder, golden, leicht und doch schwer wie ein Versprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie aufwachte, war es noch dunkel. Und doch wusste sie: Heute war der Tag. Sie w\u00fcrde anfangen. Irgendwie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie nahm ihr Handy. Tipperte langsam eine Nachricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>An: Stephan<\/strong><br \/>\n<em>Ich bin bereit. Sag mir, wie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort kam schneller, als sie erwartet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von: Stephan<\/strong><br \/>\n<em>Dann h\u00f6r zu. Aber nicht auf das Au\u00dfen. Komm an den Ort zur\u00fcck, an dem du mich zuerst gesehen hast \u2013 am Sonntag bei Sonnenaufgang. Sei einfach da. Der Rest wird dich finden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie las die Nachricht dreimal. Kein Ort war genannt. Keine Uhrzeit au\u00dfer dem Licht. Und doch wusste sie genau, wo sie gemeint war. Es war nicht geographisch. Es war eine innere R\u00fcckkehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sonntag war zwei Tage entfernt. Julia begann, ihr Wochenende neu zu planen. Keine Freunde. Kein Fitnessstudio. Keine Termine. Stattdessen: ein leerer Kalender und ein wacher Blick.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und in der Zwischenzeit begann etwas Merkw\u00fcrdiges. Immer wieder bemerkte sie, wie sie Dinge sp\u00fcrte, bevor sie geschahen. Ein Kollege, der gleich husten w\u00fcrde. Ein Telefon, das gleich klingeln w\u00fcrde. Ein Gedanke, der nicht ihrer war, aber durch sie hindurchging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war kein Hellsehen. Keine Magie. Nur ein Weiten. Ein Lauschen auf das, was zwischen allem lebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie schrieb nichts davon auf. Noch nicht. Aber sie wusste: Das war der Anfang von etwas, das nicht mehr in Worte passte \u2013 und doch durch sie sprechen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst war es nur ein Nebengedanke, fast zuf\u00e4llig. In der Redaktionskonferenz warf sie beil\u00e4ufig einen Kommentar \u00fcber eine Recherche ein, die noch nicht \u00f6ffentlich war. Zwei Kollegen sahen auf. Einer davon war Tom, erfahrener Boulevardreporter, der seit Jahren diskret mit sensiblen Quellen arbeitete. \u201eWoher wei\u00dft du das?\u201c, fragte er, ohne Ironie. Julia zuckte mit den Schultern. \u201eIch \u2026 dachte, es w\u00e4re offensichtlich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den folgenden Tagen wiederholte sich das Ph\u00e4nomen. Sie wusste Dinge, die sie nicht wissen konnte. Sp\u00fcrte Zusammenh\u00e4nge, bevor sie ausgesprochen wurden. Als ihre Kollegin Larissa eine Story \u00fcber einen untergetauchten Politiker recherchierte, erw\u00e4hnte Julia pl\u00f6tzlich einen Ort, an dem er sich aufhalte \u2013 ein kleines Hotel nahe der tschechischen Grenze. Larissa wurde blass. \u201eDas ist vertraulich. Ich hab das noch niemandem gesagt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Julia versuchte zu l\u00e4cheln. \u201eEs war nur ein Gef\u00fchl.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Team begann, sie vorsichtig zu beobachten. Nicht misstrauisch \u2013 aber mit einer Mischung aus Faszination und Irritation. Julia jedoch wurde immer leiser. Sie wusste, dass sie nicht erkl\u00e4ren konnte, was geschah. Es war, als w\u00fcrde ein Strom durch sie flie\u00dfen. Kein Wissen im klassischen Sinne \u2013 sondern ein Zugang. Eine Resonanz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal blieb sie stehen, mitten im Gro\u00dfraumb\u00fcro, als ein Kollege durch den Flur ging. Sie sp\u00fcrte pl\u00f6tzlich einen Druck in der Brust, der nicht ihrer war. Sekunden sp\u00e4ter fiel ihm ein Stapel Akten aus der Hand, und er griff sich ans Herz. Nichts Ernstes, sagte er sp\u00e4ter \u2013 nur Stress. Julia wusste es besser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie begann, vorsichtiger zu sein. Zu beobachten, was durch sie hindurchkam. Und wo sie sprach \u2013 und wo nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das reichte ihr bald nicht mehr. Eines Abends, nach einem weiteren dieser irritierend pr\u00e4zisen Momente, suchte sie online nach wissenschaftlichen Erkl\u00e4rungen. Nicht in den spirituellen Ecken des Internets, sondern in den Grenzbereichen der Physik \u2013 dort, wo die Sprache der Quantenmechanik begann, in Metaphern zu flackern. Sie las \u00fcber Informationsfelder, \u00fcber Nichtlokalit\u00e4t und Verschr\u00e4nkung. Dass zwei Teilchen \u00fcber Lichtjahre hinweg miteinander verbunden sein konnten. Dass Bewusstsein wom\u00f6glich kein Nebenprodukt des Gehirns war, sondern Teil eines Feldes, das alles durchdringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr schwirrte der Kopf. Es klang absurd \u2013 und zugleich vertraut. Als w\u00fcrde ihr ein fremdes Instrument vorgespielt, dessen Melodie sie dennoch auswendig kannte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Begriff tauchte immer wieder auf: koh\u00e4rente Schwingung. Der Zustand, in dem sich subatomare Teilchen aufeinander abstimmen, als w\u00e4ren sie Teil eines gr\u00f6\u00dferen Musters. Julia erinnerte sich an ihre Tr\u00e4ume. An die Spiegel. An das Kind mit der Lichtschale. Und pl\u00f6tzlich verstand sie \u2013 nicht im Verstand, sondern im Gef\u00fchl \u2013, dass sie Teil dieses Musters geworden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht sie wusste. Sondern das Feld in ihr. Und durch sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie erinnerte sich an das Lichtwesen, vor dem Stephan gestanden hatte. Und sie in ihm. An den Moment, in dem Zeit aufgeh\u00f6rt hatte, eine Linie zu sein \u2013 als ihre gesamte Existenz sich ausgebreitet hatte wie ein Lichtf\u00e4cher. Damals hatte sie es nur gef\u00fchlt, jetzt begriff sie langsam, dass das, was sie gesehen hatte, ein R\u00fcckblick gewesen war. Kein mentaler Film, kein Erinnerungsfragment \u2013 sondern eine Resonanz im Quantenfeld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wesen war nicht getrennt gewesen von ihr. Es war ein Teil des Feldes. Und das Feld \u2013 es war Erinnerung. Bewusstsein. Ursache und Wirkung zugleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles war irgendwie verbunden. Nicht als Metapher, sondern als Struktur. Als Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und diese Wahrheit schwang nun in ihr. Nicht immer greifbar, aber gegenw\u00e4rtig. Wie ein zweiter Herzschlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fortsetzung folgt &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><\/main><\/section>\n<\/div>\n<div id=\"footer-widgets-bg\" class=\"footer-widgets-background\">\n<div id=\"footer-widgets-wrap\" class=\"footer-widgets-wrap container\">\n<div id=\"footer-widgets\" class=\"footer-widgets clearfix\" role=\"complementary\">\n<div class=\"footer-widget-column widget-area\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"footer-widget-column widget-area\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anmerkung des Autors: Die nachfolgende Geschichte ist Teil eines noch nicht vollendeten Romans. Einige Darstellungen sind reine Fiktion; einige andere jedoch entspringen realen Erlebnissen und Erfahrungen. Was Wahrheit oder was Fiktion ist, mag jeder selbst herausfinden. Manchmal hilft hier auch das Internet weiter. Die Geschichte gibt in wesentlichen Teilen meine \u00dcberzeugungen in Bezug auf \u201cGott und die Welt\u201d\u00a0 wieder.\u00a0 Diese \u00dcberzeugungen unterfallen der Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Freiheit des religi\u00f6sen und weltanschaulichen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"class_list":["post-6087","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/PaoLFj-1Ab","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6087","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6087"}],"version-history":[{"count":42,"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6087\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7264,"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6087\/revisions\/7264"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/visionblue.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6087"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}