{"id":3559,"date":"2016-11-29T14:59:11","date_gmt":"2016-11-29T14:59:11","guid":{"rendered":"https:\/\/visionblue.wordpress.com\/?p=3559"},"modified":"2018-10-28T11:54:32","modified_gmt":"2018-10-28T11:54:32","slug":"beseelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/visionblue.info\/?p=3559","title":{"rendered":"Beseelung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3615\" aria-describedby=\"caption-attachment-3615\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/visionblue.files.wordpress.com\/2016\/11\/geburt-gross.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-3615 aligncenter\" src=\"https:\/\/visionblue.files.wordpress.com\/2016\/11\/geburt-klein.jpg?resize=450%2C351\" alt=\"geburt-klein\" width=\"450\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/geburt-klein.jpg?w=450&amp;ssl=1 450w, https:\/\/i0.wp.com\/visionblue.info\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/geburt-klein.jpg?resize=300%2C234&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3615\" class=\"wp-caption-text\">Der beseelte Mensch kurz nach der Geburt<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verschiedenen Artikeln hatte ich mich bereits mit der Frage befasst: Was passiert, wenn der physische K\u00f6rper stirbt? Meine Sicht der Dinge ergibt sich aus dem <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/s\/ref=nb_sb_noss_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;field-keywords=nahtod\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lesen der vielen B\u00fccher<\/a>, die sich mit dem Ph\u00e4nomen <a href=\"https:\/\/visionblue.wordpress.com\/tag\/nahtod\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nahtod <\/a>befassen und aus den Berichten von Bekannten und Freunden, welche bereits eines Nahtoderlebnis hatten. Viele Menschen mit einer derartigen Erfahrunge kommen \u00fcber den Zustand der Au\u00dferk\u00f6rperlichkeit hinaus. Die Au\u00dferk\u00f6rperlichkeit\u00a0 betrifft &#8211; wie es der Name schon sagt &#8211; das zeitweilige Verweilen des Ich-Bewusstseins au\u00dferhalb des physischen K\u00f6rpers. Sie kann auch ohne eine Todesn\u00e4heerfahrung erreicht werden (das ist eine sogenannte <a href=\"https:\/\/visionblue.wordpress.com\/2008\/06\/21\/der-test-fur-die-unsterblichkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Au\u00dferk\u00f6rperliche Erfahrung<\/a>). Bei der Nahtoderfahrung jedoch schwebt das Ich-Bewusstsein meist nicht nur \u00fcber dem K\u00f6rper, sondern wird mit nahezu magischer Kraft in einen Tunnel gezogen, an dessem Ende ein Licht leuchtet, das eine unwiderstehliche Anziehung auf den Betroffenen aus\u00fcbt. Menschen mit einem solchen Tunnelerlebnis beschreiben selbiges mit signifikant \u00e4hnlichen Details. Allen gemein ist, dass das Licht am Ende des Tunnels eine allumfassende &#8211; mit Worten nicht beschreibbare Liebe &#8211; ausstrahlt, die es dem Betroffenen nahezu unm\u00f6glich macht, sich der hieraus entstehenden Anziehung bewusst zu verweigern. Viele schildern hierbei ein Gef\u00fchl des Erkennens und der R\u00fcckkehr in ein Gefilde, dass man als seine &#8222;Heimat&#8220; wiedererkennt. So dann folgt ein kurzer Einblick in die &#8222;Heimat&#8220; bisweilen das Gespr\u00e4ch mit vorverstorbenen Verwandten oder der <a href=\"https:\/\/visionblue.wordpress.com\/2015\/06\/30\/vor-dem-licht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lebensr\u00fcckblick vor einem Lichtwesen<\/a>, w\u00e4hrend dessen das bisherige Leben vor dem Ich-Bewusstsein in wenigen Augenblicken &#8222;vorbeifliegt&#8220;. Zum Ende dieser Kontakte, wird dem Betroffenen er\u00f6ffnet, dass er nicht verweilen darf, sondern ins Irdische zur\u00fcckkehren muss, da noch eine Aufgabe zu erledigen ist. Die Betroffenen kehren in der Regel mit dem Gef\u00fchl zur\u00fcck, dass sie im Diesseits nur eine zeitlich befristete Rolle zu spielen. Allen gemein ist die Sehnsucht nach der Heimat im Jenseits.<br \/>\nSoweit so gut. Aus diesen Erkenntnissen heraus ergibt sich jedoch die Frage: Was passiert eigentlich vor der Geburt eines Menschen? Wenn die Seele (das Ich-Bewusstsein) nach dem Tod des physischen K\u00f6rpers in die Heimat zur\u00fcckkehrt, dann muss es einst bei der Beseelung des kleinen K\u00f6rpers im Mutterleib von dort gekommen sein. Warum aber kann man sich nicht an sein vorheriges Dasein im Jenseits erinnern? Weshalb ist man als S\u00e4ugling im Zustand der Unbewusstheit? Um auf dieses Fragen zu antworten, habe ich mir eine fiktive Geschichte ausgedacht, welche hinsichtlich der wesentlichen Beschreibungen des Jenseits auf die <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/344221775X\/ref=pdp_new_dp_review\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Darstellungen des zwischenzeitlich verstorbenen Mediums Sylvia Brown<\/a> zur\u00fcckgehen. So k\u00f6nnte es im Jenseits aussehen. Viel Spa\u00df beim Lesen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beseelung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie war bereit, ihre Heimat zu verlassen. Sie wartete am Ende des Wandelgangs, hoch oben auf dem Plateau der breiten Pyramidentreppe vor der hohen, goldenen Pforte, die das Innere der riesigen Gerechtigkeitshalle von den weiten Au\u00dfenanlagen trennte. Sie betrachtete ihr Spiegelbild, das vom polierten Metall der hohen T\u00fcr reflektiert wurde. Ihr war bewusst, dass es nur die Illusion einer Reflexion war, da jeder Stein, jeder Baum, jeder Halm und jedes noch so kleine Ding in der Heimat aus purer Energie bestand und sich somit Farben, Formen und Dichtigkeiten jederzeit wandeln konnten. Sie selbst hatte sich f\u00fcr den feierlichen Anlass ein knielanges, indigoblaues Kleid aus hauchd\u00fcnner Seide kreiert, dass ihre grazile, schlanke Figur gut zur Geltung brachte, ihre festen Br\u00fcste in leicht durchscheinenden Andeutungen offenbarte und perfekt zu ihren gleichfarbigen, leuchtenden Augen passte. Ihr h\u00fcftlanges, hellblondes Haar trug sie im klassischen Stile hochgesteckt, mit einem einfrisierten goldenen Diadem, das von zahlreichen Lapislazuli geziert wurde. Alles in allem war sie mit ihrem Aussehen sehr zufrieden, bis auf ihre Nase, die ihr in diesem Augenblick einmal wieder ein wenig zu stupsig erschien.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nicht mehr lange, und sie w\u00e4re an der Reihe und w\u00fcrde die Gelegenheit haben, ihren Plan vor dem Hohen Rat zu verteidigen. Sie hatte ihren Entschluss gefasst, die n\u00e4chste Reise anzutreten und keiner konnte sie mehr umstimmen. Zweifellos, ihre Heimat war so wundersch\u00f6n und erf\u00fcllte sie unabl\u00e4ssig mit dieser Allgl\u00fcckseligkeit, die man mit Worten nicht beschreiben konnte; dennoch war ihre Entscheidung endg\u00fcltig. Es w\u00fcrde ihr schwerfallen, von hier fortzugehen, denn dieser Ort war unvergleichlich und vollkommen. Sein denkw\u00fcrdigstes und sch\u00f6nstes Kennzeichen waren seine endlosen, sich weithin erstreckenden prachtvollen G\u00e4rten, die sie so sehr liebte. Sie waren zwischen den langen Wandelg\u00e4ngen angelegt, die die gewaltigen Geb\u00e4udekomplexe der Gerechtigkeitshalle, der Weisheitshalle und der Archivhalle miteinander verbanden. Soweit das Auge reichte, entfaltete sich dort in jeder Himmelsrichtung eine anmutige F\u00fclle aus leuchtenden Blumen, pl\u00e4tschernden B\u00e4chen und rauschenden Wasserf\u00e4llen, hohen B\u00e4umen mit breiten Kronen, Moosteppichen und Farnen zwischen gepflasterten Wegen und h\u00f6lzernen Br\u00fccken, ausgedehnten Wiesen und steinernen Obelisken, hinter denen sich die lichtumfluteten Kuppeln der majest\u00e4tischen Triade hervortaten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Noch heute morgen war sie in den Parks spazieren gegangen, hatte sich auf einer der k\u00fchlen, wei\u00dfen Marmorb\u00e4nke vor einem der sch\u00f6nen Springbrunnen mit den goldenen Wasserspeiern von Meerjungfrauen niedergelassen und den Augenblick in sich eingesogen. Vielleicht w\u00fcrde sie sich auf ihrer Reise an die Pracht und Lieblichkeit ihrer Heimat erinnern, vielleicht auch nicht. Sie hoffte jedenfalls, dass ihr ein F\u00fcnkchen Erinnerung blieb. Dieser Ort, der ihre Heimat war und es auch immer bleiben w\u00fcrde, war ein jedes Mal der Ausgangspunkt und das Ziel ihrer Reisen gewesen, von denen sie bereits die notwendige Anzahl hinter sich gebracht hatte, um den h\u00f6chsten Grad der Weisheit zu erlangen. Sie m\u00fcsste also gar nicht mehr fort von hier. Niemand k\u00f6nnte sie wegschicken, niemand ihr diesbez\u00fcglich Weisung erteilen. Die Gestandenen ihres neunten Hauses, die denselben hohen Grad wie sie innehatten, hatten mit Erstaunen reagiert, als sie ihnen von ihrer Absicht berichtete, dass sie nun eine weitere Reise unternehmen wollte. Wie kann man nur die Heimat verlassen und sich Unbewusstheit und K\u00f6rperlichkeit freiwillig antun?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vermutlich w\u00fcrden sie es nie verstehen, aber das r\u00fchrte sie nicht. Es kam nur darauf an, dass der Hohe Rat ihren Entschluss und einen ihrer Reisepl\u00e4ne billigte. Vor sechs Mondzyklen hatte sie ihrer Seelenpartnerin ihre Absichten offenbart. Auch sie stammte aus dem neunten Haus. Sie kannten sich schon sehr lange, wenn man die Dauer dieser Bekanntschaft \u00fcberhaupt in Zeiteinheiten messen konnte, denn so etwas wie Zeit existierte hier nicht. Sie \u00e4hnelten sich wie ein Ei dem Anderen und das nicht nur \u00e4u\u00dferlich sondern auch in ihren Neigungen und bei ihren Interessen. Nun, nach einer halben Ewigkeit gemeinsamer Zyklen w\u00fcrden sie f\u00fcr eine Weile durch die Existenz in unterschiedlichen Dimensionen getrennt sein. Nicht vollst\u00e4ndig, denn ihre Seelenpartnerin w\u00fcrde ihr w\u00e4hrend eines Abschnittes ihrer Reise beistehen, die Verbindung zu ihr halten, ihr helfen und sie beraten. So war es vorgesehen. Ihre treue Freundin hatte ihre Entscheidung respektiert und sich auf ihre Bitte bereit erkl\u00e4rt, ihre Geistf\u00fchrerin zu sein. Jedoch mussten die geistigen Berater wechseln, weil auch die Lebensabschnitte mit ihren unterschiedlichen Anforderungen wechselten. Und so kam es, dass sie sich noch acht weitere geistige Berater erw\u00e4hlte, die alle aus ihrem Hause stammten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Danach hatte sie sich f\u00fcr das Aufstellen ihres Reiseplanes neun Orientierungshelfer ausgesucht, wobei ein jeder dieser Helfer aus einem anderen Haus stammte, so dass in ihrer Planungsgruppe alle H\u00e4user vertreten waren. So gab es das erste Haus der Anf\u00fchrer, das zweite Haus der Vermittler, das dritte Haus der Sprecher, das vierte Haus der Lehrer, das f\u00fcnfte Haus der Abenteurer, das sechste Haus der Ern\u00e4hrer, das siebte Haus der Glaubenssucher, das achte Haus der Organisatoren und schlie\u00dflich ihr eigenes: das neunte Haus der Menschenfreunde. Alle Orientierungshelfer waren Experten auf ihrem Gebiet und hatten bereits zahlreiche Reisen in die niederen Dimensionen hinter sich gebracht. In schier endlosen Zyklen diskutierten sie in einem kleinen Saal in der Gerechtigkeitshalle, umgeben von wei\u00dfen Marmortischen und \u2013b\u00e4nken, unter Zuhilfename der verschiedensten visuellen Hilfsmittel, von Karten und zahllosen B\u00fcchern \u00fcber den einen oder anderen Aspekt der jeweiligen Eigenschaft und Begabung, der in den Reiseplan aufzunehmen w\u00e4re. Jede Einzelheit war abzuw\u00e4gen. Auf das Hauptthema ihrer Reise hatte sie sich schnell festgelegt. Da gab es f\u00fcr sie gar auch keinen Zweifel, war es doch der eigentliche Grund, warum sie die Reise in die niederen Dimensionen antreten wollte. Sie wollte die anspruchsvolle Schule des Lebens durchlaufen und dabei anderen Reisenden helfen, ihre eigenen Lebenspr\u00fcfungen zu bestehen. So wurden f\u00fcr ihre Lebensreise auch die T\u00e4ter und die Opfer ausgesucht, was nur durch Sichtung von unz\u00e4hligen Bereitschaftserkl\u00e4rungen anderer Seelen erfolgen konnte, um diejenigen zu finden, die dem jeweiligen Zweck eines Lernprozesses am besten dienen konnten. Ihr war bewusst, dass die Freiwilligen, die sich als T\u00e4ter zur Verf\u00fcgung stellten, damit gro\u00dfe Opfer brachten. Sie w\u00fcrden grausam sein, ihr physischen und psychischen Schmerz zuf\u00fcgen und sich damit\u00a0selbst belasten. Sie\u00a0w\u00fcrde durch die Grausamkeiten der Anderen mit der ganzen H\u00e4rte des Lebens konfrontiert werden. Jedoch musste sie diese Unannehmlichkeiten, Gemeinheiten und Trag\u00f6dien erleben, damit sie aus diesen Situationen lernen und durch die Art ihrer Bew\u00e4ltigung gest\u00e4rkt aus ihnen hervor gehen k\u00f6nnte. All diese Erlebnisse w\u00fcrden ihr kostbare Erkenntnisse einbringen, die sie w\u00e4hrend ihres Daseins in der Heimat niemals gewinnen konnte. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde es auch angenehme Abschnitte geben und ihr w\u00fcrden andere Reisende beistehen und ihr helfen, dieses harte Trainingslager des Lebens zu \u00fcberstehen. Auch sie w\u00fcrde in mancher Hinsicht T\u00e4terin sein m\u00fcssen, denn auch andere Reisende sollten durch ihre Handlungen lernen k\u00f6nnen. All das wurde vom Orientierungsteam abgewogen und diskutiert. Ihr Reiseplan musste \u00fcberdies mit den Reisepl\u00e4nen der T\u00e4ter- und Opferseelen synchronisiert werden. Alle Lebensbegegnungen wurden akribisch genau geplant. Als es daran ging, die schwersten Schicksalsschl\u00e4ge zu bestimmen, traf sie auf den Widerstand ihrer Berater, denn in deren Augen schickte sie sich an, sich in einzelnen Etappen ihrer k\u00f6rperlichen Existenz zu viele Schwierigkeiten aufzub\u00fcrden. So stritt sie mit ihnen auf ihre unvergleichlich galante Art und warf ihre Erfahrungen aus ihren fr\u00fcheren Reisen in die Waagschale. Zum Schluss gab es zwei Varianten ihres Reiseplanes. Als sie schlie\u00dflich den blauen Kristallspeicher in den H\u00e4nden hielt, der die kompletten Pl\u00e4ne enthielt, war sie erleichtert und stolz zugleich.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das pl\u00f6tzliche \u00c4chzen des schweren Metalls der hohen Pforte riss sie aus ihren Gedanken, als sich die Torfl\u00fcgel \u00f6ffneten. Sogleich drang eine laute Aufforderung in ihr Bewusstsein. Es war der Herold des Hohen Rates, dessen Aufruf ihren Geist erreichte: Tritt ein, der Hohe Rat erwartet dich!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Aufforderung folgend, schritt sie z\u00fcgig durch den hohen Eingang und vernahm, wie sich das goldene Tor mit einem lauten, metallischen Donnern hinter ihr schloss. Vor sich erblickte sie die hoch aufragende Statue der Muttergottheit Azna, welche aus purem Gold bestand. Die Bekleidung der G\u00f6ttin war als Chiton ausgef\u00fchrt, das an den Schultern und um die Kn\u00f6chel als reich gef\u00e4ltelter d\u00fcnner Stoff erschien, der so eng an ihrem K\u00f6rper lag, dass ihre anmutigen H\u00fcften und ihre vollen Br\u00fcste sich unter dem gerafften Stoff deutlich abzeichneten. In der Hand des nach oben angewinkelten rechten Arms hielt sie das Heft eines kunstvoll geschmiedeten Schwertes, dessen lange, nach links unten geneigte Klinge sie mit der Hand ihres abgewinkelten linken Arms vorsichtig umschloss. Lange, wallende Haare umschmeichelten ihr l\u00e4chelndes Gesicht. Ihre Augen bestanden aus wei\u00dfem Perlmutt, die darauf angebrachten Iriden aus gr\u00fcnen Smaragden, in deren Mitte Onyxe als Pupillen eingearbeitet waren. Die G\u00f6ttin blickte sie mit solch durchdringender Intensit\u00e4t an, dass es ihr gerade so schien, als w\u00fcrde sie in ihr Innerstes schauen k\u00f6nnen. Sie passierte die riesige Skulptur, wobei es ihr klein wenig so vorkam, als w\u00fcrden deren Augen ihr folgen. Im R\u00fccken der Statue tat sich die gewaltige Rotunde auf, \u00fcber der eine riesige Kuppel thronte, durch deren weite Licht\u00f6ffnung das goldene Licht des Tages einfiel. Sie betrachtete die m\u00e4chtigen wei\u00dfen Marmors\u00e4ulen, die das eherne, gigantische Bauwerk in seinem Inneren st\u00fctzten und betrat das Herzst\u00fcck der Halle, eine gewaltige, geradezu heilig anr\u00fchrende Arena. Auf den umlaufenden R\u00e4ngen, die mit stuckverzierten, steinernen Br\u00fcstungen abgegrenzt waren und sich in vielen Stockwerken \u00fcber ihr erhoben, hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden, um ihrer ehrw\u00fcrdigen Bekundung beizuwohnen. Sie schritt auf einen schimmernden, u-f\u00f6rmigen Tisch zu, der aus edlem, wei\u00dfen Marmor bestand.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>An ihm sa\u00dfen die Mitglieder des Hohen Rates auf gro\u00dfen St\u00fchlen, die wegen ihrer pr\u00e4chtigen Schnitzereien und breiten Lehnen fast wie Throne wirkten. Hinter ihnen standen drei Dutzend goldbefl\u00fcgelte F\u00fcrstent\u00fcmer, deren erhabene Gesichter v\u00f6llig regungslose Mienen zeigten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Magister und Magisterinnen l\u00e4chelten ihr aufmunternd zu, als sie sich vor ihnen platzierte. Aus reifen, aber v\u00f6llig faltenlosen Gesichtern blickten sie achtzehn Augenpaare freundlich an. Die Frauen hatten lange, glatte, silberwei\u00dfe Haare, die ihre unvergleichliche Anmut und Sch\u00f6nheit unterstrichen. Die M\u00e4nner trugen ihr wei\u00dfes Haar schulterlang und ihre silberwei\u00dfen, langen Vollb\u00e4rte erschienen wie Rangabzeichen ihrer W\u00fcrde und Weisheit. Alle Ratsmitglieder waren in flie\u00dfende, bodenlange, weise Gew\u00e4nder gekleidet, welche von goldenen R\u00e4ndern ges\u00e4umt wurden. Obwohl sie hinsichtlich der Kleidung und der Frisuren uniform wirkten, lagen in ihren Gesichtern sehr unterschiedliche Z\u00fcge. Wie sie wusste, waren im Rat alle neun H\u00e4user vertreten. Dies konnte sie auch daran erkennen, dass auf den hohen R\u00fcckenlehnen, die \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinausragten, die Zahlen der H\u00e4user eingeschnitzt waren. An den \u00e4u\u00dferen Enden des u-f\u00f6rmigen Tisches sa\u00dfen sich die zwei Ratsmitglieder aus dem ersten Haus gegen\u00fcber. Jeweils neben ihnen sa\u00dfen die des Zweiten, dann die des Dritten und so weiter. So setzte sich die Sitzordnung bis zur Mitte des Tisches fort, wo schlie\u00dflich der Magister und die Magisterin aus dem neunten Haus nebeneinander sa\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der neunte Magister schaute sie mit seinen warmen braunen Augen an und seine Stimme klang feierlich, als er sagte: \u201eKind Gottes, sag, was ist dein Begehr?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Normalerweise war es nicht \u00fcblich, zu sprechen, denn man kommunizierte telepathisch, doch in Vorbereitung auf die K\u00f6rperlichkeit geh\u00f6rte es zur Zeremonie, dass man die astralen Stimmb\u00e4nder benutzte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Noch etwas unsicher, aber doch mit fester Stimme begann sie zu sprechen: \u201eHoher Rat, ich ersuche um die Genehmigung, in die k\u00f6rperliche Zelle zu transformieren und meine dreiundneunzigste Lebensreise anzutreten. Hier ist mein Reiseplan!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie hob den rechten Arm und \u00f6ffnete die Hand auf der der blaue Kristall lag. Der Magister nickte. Sogleich verschwand der Stein auf ihrer Hand und erschien einen Wimpernschlag sp\u00e4ter auf seiner. Er nahm ihn zwischen Daumen und Zeigefinger, hielt ihn pr\u00fcfend vor die Augen und steckte ihn in eine Aussparung auf der Spitze einer goldenen Pyramide, die \u00fcber einem marmornen Podest schwebte, das unmittelbar vor dem Tisch des Rates stand.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Visualisierer, dachte sie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>In die Seitenfl\u00e4chen der sich langsam drehenden Pyramide waren verschiedene Zeichen eingraviert. Sie erfasste einen stilisierten Baum, einen Sonnenkopf, einen Vollmond, der durch einen zunehmenden und einen abnehmenden Mond flankiert wurde, ein Pentagramm, ein Hexagramm, ein Auge, das \u00fcber einem Dreieck stand und noch viele andere Insignien. Zwischen ihnen waren die verschiedensten Edelsteine eingelassen. Sie erkannte Obsidiane, Amethyste, Rubine, Tigeraugen, T\u00fcrkise, Karneole, Citrine und Aventurine.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>J\u00e4h begann der Kristall zu leuchten. Ein glei\u00dfendes, helles Licht \u00fcberflutete die Arena. Einen kurzen Moment war sie geblendet. Dann jedoch begann das Leuchten zu pulsieren und der Kristall warf Strahlen in den Raum, die holografische Visionen erzeugten. Gebannt starrten die Ratsmitglieder in die Flut der projizierten Bilder, welche mit so schneller Folge wechselten, dass die unz\u00e4hligen Tages- und Nachtszenen der wiedergegebenen Lebensepisoden in ihren Augen ein permanentes Flackern widerspiegelten. Es dauerte nicht lange, da erlosch der Kristall wieder. Die Blicke der Ratsmitglieder richteten sich erneut auf sie und sie sp\u00fcrte, dass sie eindringlich gemustert wurde. W\u00e4hrend auf einigen Gesichtern ungl\u00e4ubiges Staunen lag, zeigten andere ein verst\u00e4ndnisvolles L\u00e4cheln.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Magisterin aus dem ersten Haus warf ihr einen vieldeutigen Blick zu und ergriff als Erste das Wort: \u201eSag, weshalb willst du dich freiwillig in die Begrenztheit der menschlichen Zelle transformieren lassen? Du musst das nicht tun, denn du hast bereits den h\u00f6chsten Grad!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie hatte schon geahnt, dass diese Frage gestellt w\u00fcrde und so hatte sie sich bereits eine Antwort zurechtgelegt. \u201eVielleicht wirst du es nicht verstehen, aber ich m\u00f6chte wieder einmal das Gef\u00fchl erleben, mit echten F\u00fc\u00dfen \u00fcber eine Wiese zu laufen. Ich sehne mich nach einer direkten Verbindung zu Gaia, einer Empfindung die ich auf meinen fr\u00fcheren Reisen so sehr genossen habe. Und \u2026\u201c, sie hielt kurz inne, \u201e \u2026 dann ist da noch das unb\u00e4ndige Verlangen nach k\u00f6rperlichen Umarmungen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Magisterin zog eine Augenbraue hoch. \u201eK\u00f6rperliche Umarmungen? Aber sind es nicht die energetischen Verschmelzungen, die dir in jeder Hinsicht Erf\u00fcllung bringen? Du hast doch bestimmt einen Seelenpartner, mit dem du dich schon einmal vereinigt hast?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eOh ja, die Verschmelzungen mit meiner Seelenpartnerin waren immer wundervoll und unvergleichlich, aber mit einem richtigen K\u00f6rper einen anderen Menschen zu sp\u00fcren, das ist doch etwas ganz anderes. Eine k\u00f6rperliche Umarmung war f\u00fcr mich immer ein fantastischer Moment. In ihm vereinigen sich die Freude, wenn man sich begr\u00fc\u00dft, der Schmerz, wenn man sich trennt und die Liebe, wenn man sich begehrt.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Magister aus dem siebten Haus nickte best\u00e4tigend. \u201eWeise gesprochen! Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Von mir aus sei es dir gew\u00e4hrt, in den von dir erw\u00e4hlten K\u00f6rper zu gehen. Erkl\u00e4r mir aber, warum hast du uns zwei Lebenspl\u00e4ne vorgelegt?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie stie\u00df einen leisen Seufzer aus. \u201eNun, ich h\u00e4tte es gerne vermieden, euch zwei Pl\u00e4ne vorzulegen, aber meine Berater meinten, dass mein erster Plan nicht umsetzbar sei. Er b\u00fcrge die Gefahr in sich, dass ich in den niederen Dimensionen Schaden nehmen k\u00f6nnte, weil mein K\u00f6rper die Pr\u00fcfungen, die ich mir selbst stellen will, nicht \u00fcberstehen w\u00fcrde. Daher ward ein zweiter Plan aufgestellt, den ich allerdings nicht bevorzuge.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Magisterin aus dem sechsten Haus ergriff das Wort. \u201eMir scheint, als w\u00e4ren beide Pl\u00e4ne eine Spur zu ehrgeizig. Der Erste ist ganz und gar nicht akzeptabel. Dein K\u00f6rper wird an den Entbehrungen, die du dir darin auferlegen m\u00f6chtest, zerbrechen, m\u00f6gen sie auch zu tiefgreifenden Erfahrungen f\u00fchren. Es n\u00fctzt dir nichts, wenn dein Geist in den niederen Dimensionen h\u00e4ngenbleibt, weil du deinen K\u00f6rper wegen der selbst auferlegten Pein vorzeitig zerst\u00f6ren wirst. Dir ist doch bewusst, was passiert, wenn du dich selbst richten w\u00fcrdest?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als sie die Worte der Magisterin vernahm, legte sie die Stirn in Falten. \u201eNun ja, das schon, hohe Magisterin! Aber ich w\u00fcrde doch niemals Hand an meinen selbst erw\u00e4hlten K\u00f6rper legen! Nicht jedenfalls so, dass ich ihm damit s\u00e4mtliche Lebensenergie entziehe. Ich denke, der Plan ist trotz all der schwierig erscheinenden Lebenspr\u00fcfungen durchf\u00fchrbar! Mein Lohn w\u00e4ren unvergleichliche Erfahrungen!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Magisterin sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDeine Absichten m\u00f6gen ehrenhaft sein, aber wenn du erst einmal das Tor der Unbewusstheit passiert hast, wirst du dich an deine Worte nicht mehr erinnern k\u00f6nnen!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nun ergriff der Magister aus dem dritten Haus das Wort. \u201eHohe Schwester, ich kann deine Bedenken durchaus verstehen, aber entspricht es nicht dem ewigen Gesetz allen Seins, dass sich ein Jeder sein Schicksal selbst w\u00e4hlen kann?\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>W\u00e4hrend auf diese Worte einige Ratsmitglieder zustimmend nickten, sch\u00fcttelten andere stirnrunzelnd die K\u00f6pfe. Jeder schien nun etwas sagen zu wollen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Magisterin aus dem achten Haus rief: \u201eDas Seelenheil eines Reisenden steht \u00fcber seiner Freiheit, sich sein Schicksal selbst auszuw\u00e4hlen!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Magister aus dem vierten Haus erwiderte kopfsch\u00fcttelnd: \u201eZum Seelenheil geh\u00f6ren zweifellos die Einsichten, welche w\u00e4hrend einer Lebensreise gewonnen werden und es ist uns grunds\u00e4tzlich entzogen, die Kinder Gottes von solchen Erfahrungen fernzuhalten!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Als sich nun ein Raunen unter den Besuchern auf den R\u00e4ngen erhob, stand der Magister des neunten Hauses auf und hob beschwichtigend die H\u00e4nde. \u201eBr\u00fcder, Schwestern, so kommen wir nicht weiter. Ich schlage vor, dass wir uns eine Weile in die Archivhalle zur\u00fcckziehen, um dort nach vergleichbaren F\u00e4llen zu suchen und unter Betrachtung dieser Recherchen, \u00fcber die vorgelegten Lebenspl\u00e4ne zu beraten.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mit einem einhelligen Nicken bekundeten die Ratsmitglieder ihre Zustimmung.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mit einem freundlichen L\u00e4cheln wandte er sich nun zu ihr um: \u201eWir werden dich rufen lassen, wenn wir zu einer Entscheidung gekommen sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>***<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die D\u00e4mmerung war angebrochen und die Sonne gab dem hohen Berghorizont hinter der Schattensilhouette der m\u00e4chtigen Kuppeltriade ein purpurnes Rendezvous, als sie den vereinbarten Treffpunkt im Park neben dem Springbrunnen der Meerjungfrauen erreichte.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ihre Seelenpartnerin wartete bereits und winkte ihr, da sie wusste, dass der Hohe Rat eine Entscheidung getroffen hatte, aufgeregt zu. Ein Schwall von Worten drang in ihr Bewusstsein. Da bist du ja endlich! Das hat aber gedauert! Wie war es? Wann geht es los?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie l\u00e4chelte vieldeutig und hob ihre flachen H\u00e4nde vor die Brust. Ihre liebe Freundin verstand sofort, und legte ihre H\u00e4nde an. Umgehend verloren ihre astralen Leiber den Schein von K\u00f6rperlichkeit, wurden durchsichtig und leuchteten wie Nebelschleier im Mondlicht. Die eben noch pr\u00e4senten Konturen ihrer K\u00f6rperformen transformierten zu zwei strahlenden Lichtb\u00e4llen aus purer Energie, die miteinander verschmolzen und Eins wurden. Eine Weile f\u00fchlten sie sich zeitlos treibend als untrennbareres Ganzes, in welchem ihre verbundenen Seelen vor lauter Gl\u00fcckseligkeit frenetisch tanzten. Nur wenige Augenblicke, und die glei\u00dfende Kugel teilte sich wieder in zwei Lichtb\u00e4lle, die zusehends die alten Konturen annahmen, in welche sofort die Farben und Formen ihrer astralen K\u00f6rperlichkeit zur\u00fcckkehrten. Als w\u00e4re nichts geschehen, standen sie sich wieder gegen\u00fcber und schauten sich mit leuchtenden Augen an.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ihrer Seelenpartnerin stand die \u00dcberraschung deutlich ins Gesicht geschrieben. Grundg\u00fctiger, sie stellen dir tats\u00e4chlich jemanden zur Seite, der dir hilft, deine schweren Schicksalspr\u00fcfungen zu bestehen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gleichwohl es mehr eine Feststellung als eine Frage war, antwortete sie: Ja! Er wird mir beistehen und mich von meiner Unbewusstheit befreien. Sein Plan wurde an meinen angepasst. Das ist eine akzeptable Konstellation. Die Hauptsache ist doch, dass mein erster Plan best\u00e4tigt wurde.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Naja, ein paar \u00c4nderungen haben sie ja doch vorgenommen!, erwiderte ihre Freundin.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nun gut, damit bin ich einverstanden, denn der Plan bleibt sehr anspruchsvoll und ich werde auf der Reise viele neue tiefgreifende Erkenntnisse gewinnen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ihre Seelenpartnerin warf ihr einen gedankenvollen Blick zu. Was ich da w\u00e4hrend unserer Vereinigung gesehen habe, war sehr ergreifend und teilweise sogar erschreckend? Willst du das wirklich?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fast unmerklich zuckte sie mit den Schultern, dann erwiderte sie: Wie hei\u00dft es in einer alten Weisheit so sch\u00f6n: Die s\u00fc\u00dfesten Fr\u00fcchte h\u00e4ngen ganz oben am Baum!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>***<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die T\u00fcrme waren zwei riesige, monolithisch wirkende Bauwerke, deren Pracht manche Bewohner der Heimat gar \u00fcber die Vollkommenheit der Hallen der Triade stellten. Die massiven Fassaden der T\u00fcrme bestanden aus blauem Glas, \u00fcber welche unaufh\u00f6rlich Wasser rieselte. Es legte einen so feinen Spr\u00fchnebel \u00fcber dem angrenzenden Jasminwald ab, dass die starke Lichtbrechung einen leuchtenden Regenbogen schuf, der dem Besucher best\u00e4ndig den Weg zu den ehernen Toren wies.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Bild dieses ekstatischen Lichtspiels noch vor Augen, lag sie nun in einer gl\u00e4sernen Transformationsr\u00f6hre in einem der Abreiser\u00e4ume im Inneren der T\u00fcrme. Als sie der zur\u00fcckliegenden Momente gedachte, f\u00fchlte sie einen gewissen Zwiespalt. Dieses Gef\u00fchl, es war eine merkw\u00fcrdige Mischung aus Zuversicht und Wehmut. Ihr Abschied von ihren lieben Freunden schnitt tiefer als ein Messer. Ihre letzte Vereinigung mit ihrer Seelenfreundin war so wundervoll und voller Gl\u00fcckseligkeit, was es ihr nur noch schwerer gemacht hatte, sich von ihr zu trennen. Auch die Gewissheit, dass sie sich wiedersehen w\u00fcrden, hatte sie dabei kaum tr\u00f6sten k\u00f6nnen. Gleichwohl ihr bewusst war, dass ihre Reise, gemessen an der Ewigkeit, nur ein kurzer Ausflug in die niederen Dimensionen war, fiel das Loslassen ihrer Heimat unsagbar schwer.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Unvermittelt wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als der Takter zu pendeln begann. Wie sie wusste, synchronisierte das Ding die Energiekan\u00e4le der verschiedenen Dimensionen und schuf im richtigen Augenblick den Tunnel, der sie in die irdische Matrix brachte. Gleich w\u00fcrde der Abstieg in den Scho\u00df jener Mutter beginnen, die sie sich auserw\u00e4hlt hatte und ihr Geist w\u00fcrde das Tor der Unbewusstheit durchschreiten. W\u00e4hrend sie den Taktschl\u00e4gen lauschte, liefen vor ihrem geistigen Auge noch einmal Bilder ihrer Heimat vorbei. In ihrer Erinnerung sah sie die sch\u00f6nen G\u00e4rten und Parks, die prachtvollen Tempel und Hallen, die belebten Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze, sah deren gl\u00fcckliche Bewohner und die Allmacht Gottes. Wie lange noch w\u00fcrde sie sich dieser Vollkommenheit bewusst sein? W\u00fcrde sie sich w\u00e4hrend ihrer Reise \u00fcberhaupt jemals daran erinnern?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Einstweilen schlug das Pendel des Takters immer weiter aus und erh\u00f6hte zusehends seine Geschwindigkeit. Schneller und schneller wurde das Ding, sein Schlagen immer lauter.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack. Tack.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dann blieb es pl\u00f6tzlich stehen. Unvermittelt begann die gl\u00e4serne Transformationsr\u00f6hre zu erstrahlen. Sogleich verschwand die Umgebung der Kammer hinter dem glei\u00dfenden Licht. Zu ihren F\u00fc\u00dfen tat sich ein Tunnel auf, in dessen Inneres nun das Licht der R\u00f6hre strahlte, jedoch nicht weit genug um an sein fernes Ende zu gelangen. Dort g\u00e4hnte nur ein kleines schwarzes Loch. Noch ehe sie dar\u00fcber nachdenken konnte, wurde sie in den Tunnel gezogen. In rasendem Tempo bewegte sie sich auf das schwarze Loch zu. Schnell kam es n\u00e4her, viel zu schnell. Je n\u00e4her es kam, umso st\u00e4rker schwanden ihre Sinne. Dann verschluckte es sie und mit ihrem letzten Funken Bewusstheit sp\u00fcrte sie, dass sie in die Enge eines kleinen K\u00f6rpers fuhr. Als die wohlige W\u00e4rme in der Dunkelheit sie schlie\u00dflich einlullte, war sie fortan eine Gefangene der Zeit.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Collage: Jens Vogler<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verschiedenen Artikeln hatte ich mich bereits mit der Frage befasst: Was passiert, wenn der physische K\u00f6rper stirbt? Meine Sicht der Dinge ergibt sich aus dem Lesen der vielen B\u00fccher, die sich mit dem Ph\u00e4nomen Nahtod befassen und aus den Berichten von Bekannten und Freunden, welche bereits eines Nahtoderlebnis hatten. Viele Menschen mit einer derartigen Erfahrunge kommen \u00fcber den Zustand der Au\u00dferk\u00f6rperlichkeit hinaus. 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